1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schwalmstadt

Amtsinhaber Stefan Pinhard im Porträt: Bewahrer für die Stadt

Erstellt:

Von: Sylke Grede

Kommentare

Amtsinhaber Stefan Pinhard beim HNA-Klappstuhl-Gespräch vor dem DGH in Trutzhain. Der Parteilose möchte in eine zweite Amtszeit als Bürgermeister Schwalmstadts.
Amtsinhaber Stefan Pinhard beim HNA-Klappstuhl-Gespräch vor dem DGH in Trutzhain. Der Parteilose möchte in eine zweite Amtszeit als Bürgermeister Schwalmstadts. © Sylke Grede

Es weht ein laues Frühlingslüftchen beim Treffen mit Stefan Pinhard. Wir haben den 54-Jährigen zum HNA-Klappstuhl-Gespräch vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Trutzhain eingeladen.

Schwalmstadt – Pinhard ist parteilos und bewirbt sich bei der Wahl am 12. Juni in Schwalmstadt um eine zweite Amtszeit als Bürgermeister. Für den Treysaer ist es der dritte Wahlkampf, bei der Wahl 2012 war er im ersten Wahlgang ausgeschieden. Damals trat er unter dem Slogan „Damit sich was ändert“ an, seinen Wahlsieg in 2016 erreichte er unter dem Motto „Damit sich wirklich was ändert“. Nun ist das aus seiner Sicht nicht mehr nötig, er möchte sich als Bewahrer des Erreichten präsentieren.

Konkret spricht der Amtsinhaber dabei den gesunkenen Schuldenstand Schwalmstadts, gestiegene Einwohnerzahlen in Verbindung mit mehr geschaffenem Wohnraum an. Details über die Ursachen dieser positiven Entwicklungen nennt er nicht. Nur so viel: „Es wurden die politischen Rahmenbedingungen geschaffen.“

Als Bürgermeister muss man positiv verrückt sein

Stefan Pinhard

Beim Plausch unter dem Kastanienbaum vor dem DGH in Trutzhain gibt der Verwaltungschef allerdings auch zu, dass es mit der Politik in Schwalmstadt nicht immer einfach ist. Missstände und Stillstand bringt er durchaus mit der Parteienvielfalt im Schwalmstädter Parlament in Verbindung. Es gebe dort keine konstanten Mehrheitsverhältnisse, versucht es Pinhard zu begründen. Der Bürgermeister in der Rolle des Moderators? Das wehrt Pinhard ab: „Ein Moderator muss auch jemanden finden, der sich moderien lässt.“ Auch für die Frage, wie er den Druck, die Kritik und Schelte, die ihm insbesondere aus den kommunalpolitischen Reihen entgegen wehen, aushalte, hat der Verwaltungsmann eine Antwort parat: „Als Bürgermeister muss man positiv verrückt sein.“

Marodes DGH in Trutzhain

Angesichts der Gesprächskulisse vor dem maroden Trutzhainer DGH und nebendran einer leerstehenden verfallenden Baracke des ehemaligen STALAG IXA drängen sich weitere Fragen auf. Die Einweihung des DGH habe er als Azubi der Stadtverwaltung miterlebt, erzählt Pinhard. Seit 2012 werde nicht mehr in das Gebäude investiert – damit werde nach Satzungslage gehandelt. „Was rechtlich möglich ist, wird gemacht.“

Zum Umgang der Stadt mit Gedenkwürdigem wie den Verkauf der Synagoge in Ziegenhain oder den Leerständen in der Gedenkstätte Trutzhain äußert sich Pinhard verhalten. Der Betrieb von Museum und Gedenkstätte sei nur über Fördermittel möglich. Dann gebe es ja auch noch Pläne für das ehemalige Munitionslager in Rörshain. „Die Stadt müsste ja nicht nur den Erwerb der Synagoge übernehmen, sondern auch investieren.“ Haushaltstechnisch sieht er angesichts der vielen Pflichtaufgaben nicht viel Spielraum.

Das Gewerbegebiet an der A49? Pinhard zeigt sich optimistisch, dass es bald voran gehen könnte. Schwalmstadt habe ein Flächenankaufsprogramm angestoßen, um mit den Landwirten, die ihren Grund nicht verkaufen wollen, Flächen tauschen zu können.

Angebote für Jugendliche

In unmittelbarer Nähe des DGH nehmen die beiden Klappstuhl-Gesprächsteilnehmer eine Gruppe Jugendlicher wahr, die sich an der alten Bundesstraße mit Mofas und Fahrrädern treffen. „Die befinden sich an dieser Stelle nicht mehr in Schwalmstadt, sondern in Steina“, scherzt Pinhard. Dennoch ist ihm klar, „das Angebot für Jugendliche in Schwalmstadt kann nie ausreichend sein“. Man müsse mehr Anlaufstellen für die Jugendlichen schaffen. Das solle zum Beispiel in der Bahnhofstraße in Treysa mit der Einrichtung eines Jugendcafés in der Sparkassen-Passage geschehen.

In Treysa ist Stefan Pinhard so richtig wieder angekommen. Im Ulrichsweg haben er und seine Familie sich ein Haus gekauft. Als ehemaligem Mitarbeiter der Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft gefällt ihm die Aussicht auf das Bahnhofsgelände. Zum Judo und Segeln fehlt allerdings die Zeit. „In den vergangenen sechs Jahren habe ich zwei Mal den Judo-Anzug getragen und das Boot steht zuhause.“

Zur Person Stefan Pinhard

wurde 1968 in Kassel geboren und ist in Schwalmstadt aufgewachsen. Nach seiner Verwaltungsausbildung bei der Stadt Schwalmstadt war er zur Bundesfinanzverwaltung gewechselt, schloss das Studium als Diplom-Finanzwirt (FH) ab und war bis 1997 beim Bundesvermögensamt in Frankfurt am Main als Beamter des gehobenen Dienstes und in der Oberfinanzdirektion. Anschließend ging er in die Privatwirtschaft zu einem Unternehmen, das für Grundstücksangelegenheiten von 35 Bahn- und Busunternehmen zuständig ist. Seit 2005 arbeitet Pinhard als Immobiliensachverständiger und Berater. Er ist verheiratet und hat einen 15-jährigen Sohn. Seine Frau ist Leiterin einer Kita in Marburg. Seit 2016 ist er der Bürgermeister Schwalmstadts. 

Auch interessant

Kommentare