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Bundesweiter Warntag: Im Kreis müssen die Sirenen heulen

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Von: Matthias Haaß

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Leitstellendisponent Philipp Göbert sitzt in seinem Bürostuhl vor vier Bildschirmen. Hinter ihm stehen Winfried Becker und Tanja Dittmar.
Am Bundeswarntag wird die Rettungsleitstelle des Kreises die Sirenen auslösen. Im Foto (von links) Landrat Winfried Becker, Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar und Leitstellendisponent Philipp Göbert. © Matthias Haaß

Der Bundeswarntag ist auch für den Schwalm-Eder-Kreis eine Nagelprobe. Wenn alles funktioniert, dann werden am Donnerstag zwischen 11 Uhr und 12 Uhr alle Sirenen heulen.

Schwalm-Eder – Ein Debakel wie beim Warntag vor zwei Jahren möchten die Verantwortlichen diesmal nicht erleben. Damals blieben nicht nur die Sirenen stumm, auch viele Warnapps lösten nicht aus. Denn ganz so einfach, wie es sich in der Theorie anhört, ist es nicht, die Bevölkerung zu warnen. Es gibt keinen roten Knopf, der alle Sirenen, Warnapps, Hinweistafeln auf Bahnhöfen und das neue Cell Broadcast auslöst.

Während der Bund die digitalen Warnmedien zentral starten kann, müssen die Sirenen in der Leitstelle für jede Kommune im Landkreis einzelnen und per Hand aktiviert werden. Eine kreisweite Funktionsprobe in allen 27 Städten und Gemeinden habe man so auch noch nie ausgelöst, erklären Uwe Wunsch, verantwortlich für die Leitstelle, und Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar im HNA-Gespräch. Wunsch wird morgen gemeinsam mit einem Kollegen die Fäden in der Hand halten – der normale Notfall-Alltag in der Rettungsleitstelle läuft ja parallel weiter.

Sirenen auszulösen dauert teils bis zu 60 Minuten

Da das Signal über die alte, analoge Funktechnik versandt wird, dauert es bis zu 60 Minuten, bis alle Sirenen im Landkreis losheulen, wenn sie denn das Signal empfangen und überhaupt funktionieren. Bad Zwesten und Borken sind die Ersten.

Nur bei den sieben bereits auf digitale Empfänger umgerüsteten Sirenen in Malsfeld wird es um 11 Uhr laut – sollte es zumindest – denn diese Sirenen werden durch die Leitfunkstelle Kassel angesteuert. Die Malsfelder Sirenen werden auch das Signal Bevölkerungswarnung und dann später das Signal Entwarnung geben. Bei allen anderen Sirenen im Landkreis läuft der Feueralarm ohne spätere Entwarnung.

Ukrainische Geflüchtete sollten informiert werden

In dem Zusammenhang hat Kreispressesprecher Stephan Bürger auch eine Bitte: Wer Kontakt zu ukrainischen Geflüchteten hat, möge diese doch über die Funktionsprobe informieren. Für diese Menschen habe das Sirenengeheul nämlich eine völlig andere Bedeutung, warnten sie doch in der Ukraine vor russischen Luftangriffen.

Überhaupt seien Informationen über das Thema Bevölkerungswarnung für die Zukunft eine wichtige Aufgabe, betont Landrat Winfried Becker. Zum Beispiel müsse regelmäßig in den Gemeindeblättchen darauf hingewiesen werden.

Dass Sirenen notwendig sind, steht für den Landrat völlig außer Frage. Sie seien erforderlich, um bei einer Gefahr die Menschen erst mal aufmerksam zu machen. Nicht jeder habe ein Smartphone immer dabei, mancher schalte es nachts ab.

Ältere Handys erhalten keine Warnnachricht

Apropos Handy: Am Donnerstag soll auch mittels Cell Broadcast gewarnt werden, zusätzlich zu Warnapps wie Katwarn, Nina und Hessenwarn. „Cell Broadcast“ ist eine über die Mobilfunknetze übermittelte Warnmeldung. Cell Broadcast sei eine Warnnachricht, die direkt aufs Handy geschickt werde.

Mit keinem anderen Warnmittel könne man mehr Menschen erreichen, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Eigentlich. Denn nicht alle Handys können Cell Broadcast-Nachrichten empfangen. Bei älteren Geräten funktioniert es nicht immer, erklärt das BBK.

Damit ein Handy Cell Broadcast-Nachrichten auswerten kann, benötigt es laut BBK aktuelle Updates. Und zu guter Letzt: Die Cell Broadcast Test-Warnmeldung kommt morgen nur an, wenn das Handy eingeschaltet ist und sich nicht im Flugmodus befindet. Viel zu beachten. Die Sirenen hingegen brauchen nur eins: Strom. (Matthias Haaß)

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