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Club gibt aufgearbeitete Räder weiter

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Treysa ADFC Radausgabe: von links Helmut Hugo, Reinhold Tripp, Jürgen Moser und Hans Buri in der Werkstatt.
Treysa ADFC Radausgabe: von links Helmut Hugo, Reinhold Tripp, Jürgen Moser und Hans Buri in der Werkstatt. © Regina Ziegler-Dörhöfer

Mit Herzblut und viel Liebe zum Rad engagieren sich die ADFC-Mitglieder Helmut Hugo, Reinhold Tripp, Jürgen Moser und Hans Buri in der Aufarbeitung gebrauchter Fahrräder, die bei einem neuen Besitzer in ein neues Radleben starten. Die Radausgabe auf dem ehemaligen Kasernengelände Treysa öffnet regelmäßig.

Schwalmstadt. Ein kleiner Flüchtlingsjunge durfte sich jetzt über ein vierfarbbuntes Kinderrad freuen und kaum war der Junior ausgestattet, sollte auch die Mama noch einen fahrbaren Untersatz erhalten. „Wir geben die Kinderräder nicht umsonst, aber gegen eine symbolische Spende von 50 Cent ab“, erklärt Reinhold Tripp. Jedes Rad, das den Bastlerkeller verlässt, wurde auf seine Verkehrssicherheit überprüft. „Bremsen, Beleuchtung, Schaltung – alles muss intakt sein“, so der Radschrauber Hans Buri. Viele der gespendeten Räder hätten viele Jahre ungenutzt in Kellern oder Garagen gestanden, sodass die Reifen platt oder gar schon porös geworden seien und erneuert werden müssten.

Im Fundus des ADFC finden sich neben Kinderrädern und Tretrollern fast unzählige Damen- und Herrenräder. Mit tiefem Einstieg für Senioren, sportlichere Mountainbikes oder stabile Tourenräder: Die Auswahl an Formen und Größen ist groß. „Viele Räder sind inzwischen gegen moderne E-Bikes getauscht worden oder entsprechen einfach nicht mehr den Vorstellungen ihrer einstigen Besitzer“, sagt Helmut Hugo.

Am vorigen Wochenende konnte beispielsweise eine junge Frau, die nach langen Klinikaufenthalten einen Neuanfang im Leben wagt und seit vier Jahren nicht mehr auf einem Rad gesessen hat, glücklich gemacht werden. „Schön, wenn man hier helfen kann. Ein Rad ist bestimmt ein Baustein zu neuer Selbstständigkeit“, freuten sich die Vereinsmitglieder, die alle mit Leib und Seele Radfahrer sind und denen es wichtig ist, dass auch Menschen mit kleinem Portemonnaie die Freude am Radfahren nicht verwehrt bleibt.

Jüngst hätten auch schon einige Flüchtlinge aus der Ukraine ein Alltagsrad gefunden. Am Samstag wurden aber auch nicht nur Räder gesucht, sondern auch Fahrräder gespendet. „Unsere Enkel möchten alle ein neues Rad. Das Kinderrad ist in einem top Zustand, wird aber nicht mehr benötigt“, so der Großvater, der das Markenrad vorbeibrachte. Auch ein Senior trennte sich schweren Herzens von seinem Rad, da er selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr radfahren könnte. „Ich freue mich, wenn mein Rad jemand anderem noch dienlich ist“, so der ältere Herr, der sogar nicht nur sein Rad spendete, sondern die Arbeit des ADFC zugleich noch mit einem finanziellen Obolus unterstütze: „Es muss ja auch immer wieder Zubehör für die Radwerkstatt gekauft werden.“ „All unsere Ersatzteile kaufen wir im örtlichen Radhandel. Wir möchten die Händler vor Ort unterstützen und keine Konkurrenz darstellen“, sagt Reinhold Tripp.

Räder, deren Reparatur gar nicht mehr lohnt, dienen oft noch als Ersatzteilspender, bevor sie dann dem Schrotthändler übergebenwerden. „Wir erzielen keine Gewinne und arbeiten alle ehrenamtlich“, so Tripp, der sich freut, dass die Stadt die Räumlichkeiten stellt, es mal ein Förderprogramm und eben auch Spenden gibt.

Die Idee der Radaufarbeitung sei vor etwa 20 Jahren in Kooperation mit Hephata entstanden. Inzwischen aber sei der ADFC alleiniger Projektträger der nachhaltigen Radvermittlung. „Jeder Radsuchende ist bei uns willkommen“, sagen die Schrauber, die hoffen, noch viele weitere Menschen mit ihren aufgearbeiteten Fahrrädern glücklich machen zu können. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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