Stefan Becker und Carlo Ghiradelli entführten in die Zeit der Brüder Grimm

Charme und Sprachwitz

Erweckten die Brüder Grimm zum Leben: Stefan Becker als Wilhelm (rechts) und Carlo Ghiradelli als dessen älterer Bruder Jakob Grimm (links) im Museum der Schwalm Ziegenhain. Fotos: Decker

Ziegenhain. Das Museum der Schwalm hat am Sonntag sein Debüt als Austragungsort der Reihe Kultursommer Nordhessen mit einem für die Örtlichkeit passenden Auftritt der Gebrüder Grimm gefeiert. „Ein schöner Sonntag in der Schwalm mit den Brüdern Grimm“ hieß das Programm der Schauspieler Stefan Becker als Wilhelm und Carlo Ghiradelli als dessen älterer Bruder Jakob Grimm.

Wer gefährlich leben wolle, müsse sich auf die Wanderschaft begeben, stellten die Beiden ihren Ausführungen voran. Jakob und Wilhelm erzählten, wie sie aus ihrer glücklichen Kindheit in Hanau wegen des frühen Todes ihres Vaters nach Kassel vertrieben wurden. Bei ihrer Tante lebend, besuchten die Jungen das Lyzeum Fridericianum und berichteten von dort begründeten lebenslangen Freundschaften „Ein grauslicher Schulbesuch schweißt für das Leben zusammen“, erklärte Jakob.

Einer ihrer Freunde aus dieser Zeit war Friedrich von Schwertzell. Mit einem Augenzwinkern erinnerten sie sich an einen legendären Besuch im Willingshäuser Schloss, als Friedrichs Eltern in Kassel weilten. „Wir hatten sturmfreie Bude und erfanden das Graffiti“, so Jakob. Sie hatten mit einem Nagel die Fensterscheiben mit Bildern und Texten versehen. „Die Fenster können heute noch besichtigt werden.“

Spätestens während ihrer Studentenzeit in Marburg entdeckten die Brüder ihre Leidenschaft für das Wandern. „Marburg galt damals als hässlichste Stadt Deutschlands und wir studierten auch noch Jura“, so Wilhelm, „da mussten wir einfach wandern.“ Ein nahe liegendes Ziel war die Schwalm. Ihr Bruder Ludwig Emil habe ja sogar die Malerkolonie mitgegründet.

Zwischen ihren Erinnerungen an die vielen Wege, die sie gemeinsam zurückgelegt haben, lasen die Brüder einige ihrer 211 Märchen vor und gaben Tipps für das gefährliche Wandern. „Seien sie immer nett zu kleinen Männchen, die am Wegesrand stehen, denn oft sind sie hilfreiche Gesellen“, erklärten sie, „doch manchmal ist es auch der verkleidete Teufel.“ Ihr Märchen „Des Teufels rußiger Bruder“ veranschaulichte ihre Warnung. „Auch den Tieren sollten sie immer helfen, sie werden es ihnen danken.“

Mit ihrer zeitgenössischen Kleidung, Charme und Sprachwitz erweckten die Schauspieler Becker und Ghirardelli die Brüder Grimm zum Leben. Mit Applaus bedankten sich die Zuschauer für „einen schönen Sonntag in der Schwalm mit den Brüdern Grimm“.

Von Christiane Decker

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