Sängerkreise warnen vor schleichendem Aus

Chöre aus dem Schwalm-Eder-Kreis fürchten wegen der Coronakrise um ihre Zukunft

Die Sänger und Sängerinnen der Kontorei singen bei einer Serenade in Hephata im Juni 2018
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Chorsänger eng an eng: Die Pandemie macht solche Bilder – hier Sänger der Kantorei bei einer Serenade in Hephata im Juni 2018 – auf wohl noch lange Zeit unmöglich.

Schwalm-Eder – Voller Sorge blickt Gerd Müller als Vorsitzender des Sängerkreises Schwalm-Knüll in die Zukunft, Sorge, dass einige Chöre aufgrund der Coronakrise nie mehr zusammenkommen werden. Statt der meist wöchentlichen Proben sehen sich die Sänger seit Mitte März nicht mehr. Da sei es zu befürchten, dass sich die meist Älteren auch nach Bewältigung der Pandemie nicht mehr aufraffen oder andere Hobbys gefunden haben.

Im Sängerkreis Heiligenberg sind bereits mehrere gelistete Chöre nicht mehr aktiv, doch man hofft noch auf ein späteres Wiederaufleben, sagt Monika Asthalter, Zweite Vorsitzende aus Spangenberg. Die Frage, wer nach Corona wiederkommt, treibt auch sie um. Vor allem da nicht absehbar sei, wann es wieder losgehen kann, verschlimmere sich die Situation.

Eine Pause bis in den Herbst sei für die Chöre vielleicht verkraftbar, aber sollte letztlich ein Jahr alles auf Eis liegen, wäre das kritisch, so der Vorsitzende des Sängerkreises Chatten, Ulrich Kreuter. „Ich wusste gar nicht, dass wir so ein gefährliches Hobby haben.“

Chöre in Coronazeiten: Wird es Adventskonzerte geben?

Für die Chöre ist es laut Kreuter besonders wichtig zu wissen, wofür sie proben, wenn es wieder losgeht. Wird es Adventskonzerte geben oder nicht? Finden die ersten Auftritte erst wieder im kommenden Frühjahr statt?

Monika Krasshoff, Vorsitzende des Gesangvereins 1877 Guxhagen, geht davon aus, dass dieses Jahr nicht mehr gesungen wird. Das Risiko, das durch die verstärkte Abgabe von Aerosolen beim Singen entstehe, sei einfach zu groß – vor allem da die meisten Sänger altersbedingt in der Risikogruppe sind.

Auch Helmut Daub, Vorsitzender des Sängerkreises Schwalm-Heimat, wird jede Woche gefragt, wann man wieder singen könne. Er ist der Meinung, dass große Veranstaltungen 2020 nicht mehr möglich sind, hofft jedoch darauf, dass sie Weihnachten dennoch in der Kirche singen können. Wie seine Sängerkreis-Kollegen bedauert er es besonders, dass auf Beerdigungen derzeit kein Chor auftreten kann. (Sandra Böhm)

Aerosol-Verbreitung beim Singen am größten

Aerosole sind kleinste Teilchen, die beim Atmen, Sprechen und Singen entstehen. Sie sind ein feines Gemisch aus festen und flüssigen Schwebeteilchen, die weniger als fünf Mikrometer groß sind. Beim Singen werden bis zu hundert Mal mehr Aerosole gebildet als beim Atmen und Sprechen. Eine Studie der Ludwig-Maximilian-Universität in München ergab, dass Sänger nach vorne mindestens zweieinhalb Meter Abstand zueinander haben sollten.

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