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CO2-Mangel: Privatbrauerei Haaß kommt gut durch die Krise

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Von: Sandra Rose

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Das für die Produktion so wichtige CO2 ist gerade Mangelware, erste Brauereien mussten ihre Produktionen stoppen. Unternehmer Eckhard Haaß hat sich eingedeckt und kann weiterhin pünktlich herstellen.
Das für die Produktion so wichtige CO2 ist gerade Mangelware, erste Brauereien mussten ihre Produktionen stoppen. Unternehmer Eckhard Haaß hat sich eingedeckt und kann weiterhin pünktlich herstellen. © Sandra Rose

Die Folgen der Energiekrise sind weitreichend, eine davon: Die Brauer und Mineralwasserhersteller in Deutschland haben nicht genug Kohlensäure.

Treysa – Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie schätzt, dass aktuell nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen CO2-Liefermengen verfügbar sind. Immer mehr Unternehmen müssen dadurch ihre Produktion einschränken. Schwälmer Bierliebhaber müssen das aber nicht fürchten.

In der Privatbrauerei Haaß in Treysa ist das Problem zwar bekannt, aber Unternehmer Eckhard Haaß hat gut vorgesorgt. „CO2 war einst ein Abfallprodukt der Düngemittelindustrie – jetzt gibt es einen akuten Mangel, weil die Produktion heruntergefahren wurde“, bestätigt der Unternehmer.

Ohne den Stoff kann die Produktion stocken – mit CO2 werden Fässer und Flaschen „vorgespannt“: Kohlensäure sorgt dafür, dass das Bier nicht mit Luft in Kontakt kommt und beim Abfüllen nicht schäumt. Der Jahresverbrauch der Brauerei Haaß liegt bei etwa zwölf Tonnen Flüssig-CO2, berichtet der Treysaer Bierbrauer.

Das sei im Vergleich zu großen Brauereien relativ wenig, man habe auf dem Gelände einen Vorratstank mit fünf Tonnen Fassungsvermögen. „Wir haben uns frühzeitig bevorratet, damit wir nicht in die Bredouille kommen“, erklärt Haaß. Eine einzige Lieferverzögerung habe es gegeben – kurz vor Weihnachten.

Er wisse aber von Kollegen, die teils 14 Tage lang nicht abfüllen konnten. Insgesamt zieht die kleine Privatbrauerei eine gute Jahresbilanz: „Wir sind mit einem blauen Auge durch die Coronajahre gekommen.“ Positiv habe sich der „Nachholbedarf“ der Menschen ausgewirkt.

Nicht nur Kirmessen wurden ab Frühjahr wieder gefeiert, auch Hochzeiten und Familienfeiern seien in diesem Jahr nachgeholt worden. „Das Festgeschäft hat um die 20 Prozent zugelegt“, sagt Eckhard Haaß. Mit Blick auf steigende Energiepreise ist der Treysaer froh, vor zwei Jahren in ein neues Sudhaus investiert zu haben.

Im Sommer 2020 wurde es in Betrieb genommen. „Es fügt sich zusammen. Wir können dadurch deutlich an Energie einsparen. Vor wenigen Wochen haben wir zusätzlich eine neue PV-Anlage in Betrieb genommen.“ Auch die war laut Haaß schon länger in Planung, die Investition wurde aber in den vergangenen beiden Corona-Jahren hintangestellt. „Wir erzeugen damit etwas mehr, als wir benötigen“, erklärt Haaß.

Zuletzt war zu lesen, dass den Brauereien auch die schlechtere Hopfenernte zu schaffen machen könnte – das kann der Bierbrauer aber so nicht bestätigen, sagt aber: „Hopfen ist ein stark schwankendes Gut.“ Auch hier gelte es, sich zu bevorraten, was laut Haaß überhaupt kein Problem ist: „Der Hopfen wird für die Bierproduktion gefriergetrocknet und zu Pellets gepresst – daraus ergibt sich ein über lagerfähiges Produkt, das kühl gelagert zwei bis drei Jahre hält. Wir haben immer für etwa eineinhalb Jahre Bestand.“

Durch die höheren Rohstoff- und Energiepreise wurden auch bei der Privatbrauerei die Preise angepasst. „Zuletzt am 1. März dieses Jahr, vorher waren die Preise vier Jahre stabil“, sagt der Braumeister und kündigt für das kommende Frühjahr eine weitere Anpassung an. Trotz aller Unkenrufe des Branchenverbandes hätten Corona, Krieg und die Energiekrise nur wenige Betriebe zur Schließung gezwungen. Wer gesund gewirtschaftet habe, der sollte es „aussitzen können“, ist der Unternehmer überzeugt.

Die Krisen hätten auch positive Aspekte. Deutlich mehr Flaschenbier sei an Privatkunden verkauft worden, man habe Neukunden gewinnen können. „Vor allem aber hat die Regionalität in diesen Zeiten einen deutlichen Aufschwung erlebt“, sagt Eckhard Haaß. „Die Menschen denken an die Unternehmen, die sie noch vor der Haustür haben.“ (Sandra Rose)

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