Vermehrt schwere Verläufe

Corona in der Region Schwalmstadt: Elf Todesfälle in Hephata-Heimen

Das Foto zeigt den Haupteingang des Seniorenzentrums Wagnergasse in Treysa.
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Das Seniorenzentrum Wagnergasse in Treysa: Fast die Hälfte der Bewohner ist mit dem Coronavirus infiziert, drei Menschen aus der Einrichtung sind binnen sechs Tagen gestorben.

In mehreren Heimen der Diakonie häufen sich in der Region die Corona-Fälle. 11 Menschen sind bislang verstorben. Die Situation bleibt weiterhin kritisch.

Schwalmstadt - Es gibt vermehrt schwere Infektionsverläufe in den Hephata-Tochter-Einrichtungen in Edermünde, Wagnergasse Treysa, Diakoniezentrum Frielendorf sowie Wiesenhof in Neustadt. Die Verantwortlichen nennen die Lage „weiterhin kritisch“, die Personalsituation in den betroffenen Häusern bleibe sehr angespannt. Man trauere mit den Angehörigen. Neun Todesfälle bis gestern Morgen betreffen die Einrichtungen der HSDE (Hephata Soziale Dienste), zwei das Diakoniezentrum Frielendorf.

Die Lage in den vier Seniorenzentren der Hephata-Tochtergesellschaften ist kritisch. Seit Mitte voriger Woche sind elf Covid-19-Erkrankte gestorben. Das teilte die Hephata-Öffentlichkeitsarbeit gestern mit. Die Betroffenen aus den Seniorenzentren Edermünde und Wagnergasse Treysa, Diakoniezentrum Frielendorf sowie die Seniorenwohnanlage Wiesenhof in Neustadt sind zum Teil in Krankenhäusern, zum Teil in den Einrichtungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, so Pressesprecher Johannes Fuhr auf Nachfrage der HNA.

Es seien vermehrt schwere Krankheitsverläufe festzustellen, die Personalsituation bleibe angespannt.

Corona in der Region Schwalmstadt: Viele neue Infektionen

Zugleich verzeichne die Hephata-Behindertenhilfe viele neue Infektionen. Die Werkstätten sind ab heute bis 17. Januar komplett geschlossen, teilte das Diakoniezentrum (Schwalmstadt) weiter mit. Mehrere Wohnangebote der Behindertenhilfe in Schwalmstadt sowie die Wohneinrichtungen in Neukirchen und Schrecksbach stehen unter Quarantäne.

Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt dankt für die „beeindruckende Einsatzbereitschaft“ der mehr als 3000 Hephata-Beschäftigten. Diese sei bemerkenswert, es würden teils Doppelschichten geleistet, auf freie Tage und Urlaub verzichtet. Es hätten beispielsweise Mitarbeiter aus der Berufshilfe bei der Einrichtung von Covid-19-Bereichen in den Seniorenzentren mit angepackt. Dietrich-Gibhardt: „Die Solidarität ist groß.“

Corona in der Region Schwalmstadt: In anderen Heimen entspannt sich die Lage

Gute Nachrichten kommen vom Hofgut Richerode, wo elf Bewohner und sechs Mitarbeiter erkrankt waren, seit gestern ist dort die Quarantäne aufgehoben, die Bewohner des Hofes dürfen wieder mitarbeiten. Der Schwalm-Eder-Kreis meldete gestern Nachmittag einen Anstieg von drei Toten im Zusammenhang mit dem Virus binnen 24 Stunden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg erneut von 216 auf 222: So viele Personen pro 100 00 Einwohner haben sich in Wochenfrist nachweislich angesteckt.

Bei anderen Trägern wie dem Roten Kreuz Schwalm-Eder ist die Lage in den Heimen weit weniger dramatisch. DRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Lau berichtete gestern, dass es in Jesberg und Treysa keine, in Ziegenhain zwei nachweislich Infizierte gebe. Es sei bisher gelungen, den Erkrankungsstand in den Awo-Einrichtungen im Schwalm-Eder-Kreis niedrig zu halten, teilt die Awo Nordhessen mit.

Corona in der Region Schwalmstadt: Aktuelle Fallzahlen im Überblick

Die aktuellen Infektionszahlen der vier Häuser im Überblick, Stand Dienstag, 8 Uhr:

  • Seniorenzentrum Edermünde: 13 von 41 Mitarbeitern und 20 von 35 Bewohnern gelten als infiziert, vier sind binnen einer Woche gestorben.
  • Seniorenzentrum Wagnergasse Treysa: 8 von 48 Mitarbeitern und 20 von 41 Bewohner gelten als infiziert, drei sind gestorben.
  • Seniorenwohnanlage Neustadt: 14 von 57 Mitarbeitern und 18 von 41 Bewohnern gelten als infiziert, zwei Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.
  • Diakoniezentrum Frielendorf: 20 von 78 Mitarbeitern infiziert, 42 von 67 Bewohner infiziert, zwei sind gestorben.

Im zahlenmäßig größten Arbeitsbereich der Hephata Diakonie, der Behindertenhilfe, sind weiterhin mehrere Einrichtungen in Schwalmstadt von einzelnen Covid-19-Fällen betroffen. Eine größere Zahl an Erkrankten gibt es in dem Wohnangebot in Neukirchen, dort sind insgesamt 13 Bewohner und drei Mitarbeitende positiv getestet worden, so die Mitteilung.

Weiterhin unter Quarantäne steht die Wohngemeinschaft in Schrecksbach, wo insgesamt 14 Corona-Tests positiv ausgefallen waren. „Die Personalsituation ist durchaus kritisch“, sagt Geschäftsbereichsleiterin Anne Wippermann. Unterstützung für die Betreuungsdienste kommt nun aber aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

Corona in der Region Schwalmstadt: Pendelquarantäne für Mitarbeiter

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt gilt für die Mitarbeiter in Einrichtungen mit Covid-19-Fällen die sogenannte Pendelquarantäne: Diese Frauen und Männer dürfen sich ausschließlich entweder in der Einrichtung oder in ihrer privaten Wohnung aufhalten.

Rund 900 Menschen mit Behinderungen arbeiten in den Hephata-Werkstätten mit: Um Kontakte zu reduzieren und Ansteckungsrisiken zu minimieren, ist der Präsenzbetrieb in den vergangenen Tagen deutlich heruntergefahren worden. Mit Ausnahme von Notbetreuungsangeboten sind alle Werkstatt-Standorte ab heute bis einschließlich Sonntag, 17. Januar, geschlossen.

Für die Menschen gebe es individuelle Konzepte, die von aus der Ferne betreuten Lerneinheiten bis hin zu mobilem Arbeiten durch Angebote in den Wohneinrichtungen reichen. An manchen Standorten gibt es zum Jahresende ohnehin regelmäßig Betriebsferien, die nun ausgedehnt werden, so die Mitteilung. Insgesamt betreibt Hephata alleine im Schwalm-Eder-Kreis 96 Einrichtungen. (Anne Quehl)

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