OIKOS-SOZIALZENTRUM Robin Lester findet neue Perspektiven

Coronakrise als Chance verstehen

Robin Lester sitzt mit seiner Kamera hinter Blumen.
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Robin Lester genießt neue Möglichkeiten, Blickwinkel und schöne Orte: Der 32-Jährige lebt in einer Oikos-Wohngruppe.

Das Oikos-Sozialzentrum kümmert sich in Schwalmstadt um psychisch kranke Menschen. Die Coronakrise ist für sie eine besondere Herausforderung, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten.

Treysa – 176 Beiträge und 606 Abonnenten – nicht schlecht. Robin Lester freut sich zu Recht, seine Aufnahmen werden gesehen, die viele Mühe ist nicht umsonst. Der 32-Jährige leidet unter einer chronischen psychischen Erkrankung. Während der Kontaktbeschränkungen hat er eine Digitalkamera geschenkt bekommen und Zugang zur Fotografie gefunden und die erzwungene Zurückgezogenheit für sich genutzt.

Lester wohnt in Treysa in einer betreuten Wohngemeinschaft. Mit 13 Jahren kam der gebürtige Offenbacher in eine Wohngruppe der Hephata-Jugendhilfe. Nach der Schule hat er eine Ausbildung als Bürokraft absolviert und wohnt seit dieser Zeit im Betreuten Wohnen: Erst bei der Hephata-Diakonie, seit 2011 bei Oikos.

Depressionen verhindern normales Berufsleben

Immer wiederkehrende Wellen an Depression machen es ihm unmöglich, einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzugehen. „Ich hab’s mehrmals versucht, aber vergebens.“ Seit 2011 bezieht er Erwerbsminderungsrente.

„Wir glauben daran, dass in jeder Krise eine Chance steckt!“, so das Motto des Oikos-Sozialzentrums. Robin Lester hat die Coronakrise für sich als Chance genutzt. „Ich habe in der Corona-Krise ein neues Hobby für mich entdeckt, die Fotografie“, sagt Robin Lester strahlend. Schon bei seiner jüngsten Reise mit Oikos im vergangenen Herbst nach Spanien habe er gemerkt, dass es ihm unheimlich Spaß bringe, zu fotografieren. Und während er pandemiebedingt keiner Aufgabe nachgehen und die Tagesstätte besuchen konnte, entdeckte er die Fotografie als seine neue Leidenschaft. Entgegen dem Trend, alles nur noch mit dem Handy zu fotografieren, greift er zu seiner Spiegelreflexkamera, die er stundenlang testen kann.

Kamera wurde zum guten Freund

Mit der großen Kamera macht ihm das Fotografieren noch mal so viel Spaß. „Es macht mir unglaublich viele Spaß, immer wieder eine neue Belichtung oder einen neuen Blickwinkel auszuprobieren“, so der 32-Jährige, der oft von seiner Betreuerin Kathrin Seewald bei Ausflügen in die Natur, etwa an den Singliser See, in die Igelsheide oder ins Katzbachtal begleitet wird. „Es ist eine enorme Veränderung zu beobachten, seitdem Robin Lester die große Kamera hat“, sagt Seewald. „Zu sehen, wie gut es ihm damit geht, wie viel Spaß, Leidenschaft und Energie dabei spürbar wird, das macht mir als Bezugsperson große Freude.“

Manueller Modus, veränderter Focus, Filter und Effekte – selbst zu bestimmen, wie ein Motiv später als Foto aussieht, fasziniert ihn. „Die Kamera ist ein guter Freund geworden“, sagt Lester. „Ich könnte mir vorstellen, dass sich hieraus etwas entwickelt, vielleicht auch beruflich“, sagt er. Eines ist für ihn jedoch jetzt schon sicher. „Ich mache das Beste aus der aktuellen Zeit.“

Von Kerstin Diehl

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