Beim Frühstückstreffen für Frauen in Ziegenhain referierte Christina Brudereck

Daheim im eigenen Körper

Zu Gast beim Frauenfrühstückstreffen: Christina Brudereck (45) vermittelte lebensbejahende Tipps für Frauen jeden Alters. Foto: Rose

Ziegenhain. „Spieglein, Spieglein an der Wand...“ - so lautete das Thema beim Frühstückstreffen für Frauen am Samstag in der Ziegenhainer Kulturhalle. Die Theologin und Schriftstellerin Christina Brudereck war zu Gast. Sie sprach vor vollem Haus und lenkte den Blick weg vom Spiegel hin zum eigenen Körper, der eigenen Wahrnehmung, aber auch zu gesellschaftlichen Zwängen und Idealen.

Das Verständnis für den eigenen Körper sei auch bei ihr erst langsam angekommen, erklärte die Referentin. „Ein schönes Thema?“, fragte Brudereck immer wieder augenzwinkernd in die Runde. Sich anzunehmen wie man sei, sei eine Reise zu sich selbst: „Es geht darum, in mir selber zuhause zu sein.“

„Jeder Mensch ist eine eigene Idee.“

Christina Brudereck

Generell seien Äußerlichkeiten - Oberfläche - nichts schlechtes. Jedoch: „92 Prozent der über 16-jährigen Frauen haben mindestens eine Diät hinter sich.“ Generell gelte die Prämisse, dass Schönheit gepflegt werden müssen - oder gar: „Wer schön sein will, muss leiden.“ Brudereck gab aber zu bedenken, dass Ideale auch immer der Zeit und der Mode unterworfen seien.

Wenn in der Wahrnehmung der Körper voller Mängel sei, sei das schlimm: „Dann ist er eine ewige Baustelle - nicht gemütlich. Wir fühlen uns nicht zuhause. Dabei sollen wir den Körper doch bewohnen.“ Es werde fatal, wenn aus der guten Sorge um sich selbst Verbissenheit werde. Psychologen rieten, beim Blick auf sich selbst, die eigene Motivation zu überprüfen. „Körperkult ist kein individuelles Problem, sondern wird von System, der Gesellschaft gemacht“, erläuterte die 45-Jährige.

Dabei könne Schönheit doch lustig sein. Sinnlich. Lustvoll. „Sich schön machen“ tue gut, die eigene Schönheit auch zu entdecken. „Aber eben auf eine verspielte, gelassene, heitere Art und Weise“, riet Brudereck. Kein Mensch wolle ein Leben lang auf einer Baustelle leben, nie zuhause fertig werden.

Schönheit in Beziehungen

Beim Älterwerden spiele die Bejahung der eigenen Mutter eine große Rolle: „Das bedeutet Einverständnis mit der eigenen Sippe, die Würdigung meiner Herkunft.“ Dahinter stecke, dass Gott die Idee hatte. „Jeder Mensch ist eine eigene Idee und gewollt.“ Er erfand Menschen in verschiedenen Variationen, „aber innen haben alle ein Herz“.

Schönheit stecke vor allem auch in Beziehungen, darin, etwas zu geben, zu lieben. „Geliebt fühlen wir uns schön“, erklärte die Theologin.

Die Sehnsucht danach sei groß. Glücklich würden wir unter anderem, wenn wir unser Spiegelbild mit Gnade betrachteten. „Die Schönheit, die von innen kommt, auch sehen und ausstrahlen.“ Es gelte, den Kern in uns zu finden, selber bei sich zuhause zu sein.

Von Sandra Rose

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