Demo gegen Kappung der Radwege

Schwalm: Weiterbau der A 49 - Fahrradclub kritisiert mangelhafte Ausweichmöglichkeiten

zwei Bauarbeiter markieren einen Fahrradweg
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Am 14. März 2021 finden in Hessen die Kommunalwahlen statt. Hierbei wird auch der Ortsbeirat gewählt. Doch was ist das eigentlich?

Mit einer Fahrraddemonstration soll am Freitag darauf aufmerksam gemacht werden, dass Konzepte für blockierte Radverbindungen im Zuge des A 49-Weiterbaus derzeit komplett fehlen.

Schwalm. Durch den Bau sind zahlreiche Strecken bis Ende 2024 nicht nutzbar oder werden ganz verschwinden. Veranstalter Ulrich Wüstenhagen, ehemaliger Radverkehrsbeauftragter Schwalmstadt – das Amt legte er kürzlich aus Protest gegen eine wie er sagt riskante Radweganbindung bei Treysa nieder – organisiert die Demo auf der Strecke Treysa-Florshain-Mengsberg-Momberg-Neustadt-Wiera-Treysa. Wüstenhagen ist Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub).

Nach Informationen der HNA ist das Anliegen des ADFC mehr als nachvollziehbar, die Verantwortlichen hätten längst reagieren müssen. Es gab seit dem Frühjahr drei offizielle Gespräche: Bei keinem soll Bürgermeister Stefan Pinhard dabei gewesen sein.

Neustadt und Schwalmstadt wollen für den D4 (Mittellandroute, in unserer Region Oberaula-Neukirchen-Neustadt-Stadtallendorf), der von der A49-Trasse zerschnitten wird, einen Ersatz, zunächst als Umleitung. Doch es wird auch eine dauerhafte Lösung benötigt.

Dafür bietet sich laut Neustadts Bürgermeister Thomas Groll der Wirtschaftsweg durch das „Frauenrodt“ von Wiera nach Neustadt an. Laut Groll müsste diese Route asphaltiert werden, doch die Autobahnprojektmanagement-Gesellschaft Deges, die die Kosten tragen soll, positioniere sich nicht.

Die Raddemonstration wurde vorige Woche genehmigt in Abstimmung mit Ordnungsämtern und Polizei. Zu Beginn gibt es eine Kundgebung auf dem Ziegenhainer Paradeplatz, Beginn 16.15 Uhr.

Die Veranstalter unterstreichen, dass es sich nicht um einen Protest gegen die Autobahn handele, sondern gegen die Nichtberücksichtigung der Nahmobilität im Zusammenhang mit dem Bau der A49. Auswärtige oder Radler, die nicht so weit fahren wollen oder können, können sich gegen 18 Uhr in Neustadt (Zentrum/Marktstraße) anschließen und den Rückweg mitfahren, der komplett auf der B454 praktisch ohne Steigungen verläuft.

Unterwegs gibt es an Stopps Erläuterungen zu den Bauplänen, zum Beispiel am Gewerbegebiet, das zwischen Florshain und Treysa entstehen soll. Titel der Demo ist: „Bitte wenden! Wege frei für nachhaltig mobile Menschen!“.

Mobilitätsverhalten als Antreiber der Klimakrise

Von den Organisatoren heißt es, fast alle redeten vom Klimaschutz, viele begriffen, dass das derzeitige Mobilitätsverhalten der Klimakrise massiv Vorschub leiste, aber sobald es um Konkretes zur Erreichung der Mobilitätswende geht, werde sehr schnell klar, dass an der seit Jahrzehnten betriebenen

Privilegierung des Autoverkehrs nicht gerüttelt werden soll. Das zeige sich etwa daran, dass 850 Kilometer neue Autobahnen geplant seien.

Das vom Demonstrationsfeld umrundete Gebiet umfasse eine Fläche von 15 Quadratkilometern, wo es zu mehrjährigen Sperrungen kommen werde. Der Radfernweg zwischen Neustadt und Momberg und weiter nach Wiera/Treysa werde rund drei Jahre unterbrochen. Trotz eindringlicher Hinweise des ADFC existiere kein Plan für eine komfortable und sichere Führung des Radverkehrs in dieser Zeit. Der ADFC-Kreisverband Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder, aber auch andere Verbände hielten die Situation für völlig inakzeptabel und fordern die Städte Schwalmstadt und Neustadt sowie Hessen Mobil und beteiligte Baufirmen auf, unverzüglich für Abhilfe in Form gesicherter Querungsstellen zu sorgen.

Veranstalter Ulrich Wüstenhagen ist es dabei wichtig, dass der aus dem Lateinischen stammende Begriff Demonstration soviel wie „zeigen“ bedeute. Das demokratische Grundrecht sei heute leider in Verruf geraten: Eine Teilnahme solle keine Wertung darstellen, ob man für oder gegen die A49 oder das Gewerbegebiet Florshain („Area49“) ist. Ziel der Demonstration sei, sich vor Ort von kompetenten Menschen zeigen zu lassen, welche Folgen bestimmte politische Entscheidungen mit sich bringen, davon könnten sich die Teilnehmer ein eigenes Bild machen. Derzeit werde von bis zu 100 Radlern ausgegangen.

Route: Freitag, 25. Juni, Start Ziegenhain, Paradeplatz 16.30 Uhr, Fahrstrecke 28 Kilometer, ca. 20.15 Uhr Abschlusskundgebung am Ziel auf dem Haaßehügel, Ende der Veranstaltung gegen 20.45 Uhr, reine Fahrzeit 2,5 Stunden. Für Teilnehmer, die von weiter her mit der Bahn in Treysa ankommen, wurde eigens ein Lotsendienst eingerichtet. (Anne Quehl)

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