Neueinweihung der Säule „Deutsche Ostgebiete“ vor Behördenhaus in Ziegenhain

Das Denkmal ist zurück

Wegbereiter, Mitglieder des Ortsbeirates und des Magistrats: Horst W. Gömpel, Jürgen Schenk, Karsten Schenk, Norbert Schidleja, Georg Käufler, Siegbert Ortmann vom Bund der Vertriebenen, Bürgermeister Dr. Gerald Näser und Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Otto (von links). Fotos: Rose

Ziegenhain. Bürgermeister Dr. Gerlald Näser sprach am Sonntag von einem Gemeinschaftsprojekt – einem gelungenen noch dazu: Denn das Denkmal „Deutsche Ostgebiete“ wurde am Sonntag unter reger Anteilnahme neu eingeweiht.

Lange war um den Standort des von Vincent Burek entworfenen und dem Steinmetz Herbert Heidenreich erarbeiteten Obelisken gerungen worden (wir berichteten). Das Land Hessen – hier das Hessische Immobilienmanagement – hatte im Zuge der Umgestaltung des Vorplatzes am Behördenhaus das Denkmal am Rande des Bediensteten-Parkplatzes versetzt.

„Wir müssen vor allem jungen Menschen vor Augen führen, dass in den 1940er-Jahren hier jeder vierte oder fünfte Mitbürger, also 20 Prozent, vertrieben war“

Dr. Gerald Näser

Ziegenhainer, der Ortsbeirat, der Magistrat und nicht zuletzt Vertriebene und Zeitzeugen hatten sich darüber geärgert. Der Widerstand mündete in Gesprächen, in dessen Folge das Land einlenkte, das Denkmal wieder am vormaligen Platz aufzustellen. Künftig ziert es die Sichtachse des Platzes mit seiner Präsenz. Näser erklärte, dass das Denkmal heute aktueller denn je sei.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsströme rücke das Thema Flucht und Vertreibung wieder stärker in den Fokus. „Wir müssen vor allem jungen Menschen vor Augen führen, dass in den 1940er-Jahren hier jeder vierte oder fünfte Mitbürger, also 20 Prozent, vertrieben war“, sagte der Bürgermeister. Die Heimatvertriebenen stellten also einen wesentlichen Teil der Bevölkerung dar. „Diese Erinnerung muss man wach halten und an folgende Generationen weiter geben.“ Das Denkmal dokumentiere eine historische Situation. Der Respekt vor den Vertriebenen und der Schwalmstädter Bevölkerung gebiete es, dass das Denkmal nicht einfach beiseite geschoben werde. Hierfür habe sich maßgeblich der Ortsbeirat eingesetzt.

Die Feierstunde wurde musikalisch von den Egerländer Musikanten aus Melsungen umrahmt, die Mitglieder der Schlesischen Volkstanz- und Trachtengruppe Schreiberhaus aus Trutzhain zeigten Tänze.

Ein Sprachrohr für das Denkmal war auch Horst W. Gömpel aus Treysa, der zusammen mit seiner Frau Marlene ein Buch zur Vertriebenen-Thematik in Nordhessen erarbeitet hat. Fachlich wurde das Thema im Anschluss an den Festakt in der Kreissparkasse vertieft: Es sprachen Siegbert Ortmann, Landesvorsitzender vom Bund der Vertriebenen in Hessen und stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Margarete Ziegler-Raschdorf, Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Spätaussiedler sowie Norbert Schidleja aus Trutzhain als Vertriebener und Zeitzeuge.

Von Sandra Rose

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