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Der antiautoritäre Garten in Willingshausen ist zertifiziert

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Eine Pflanze mit Zukunft: Das hübsche Argentinische Eisenkraut vermehrt sich zuverlässig durch Selbstaussaat, kommt mit der Trockenheit des diesjährigen Sommers gut zurecht und ist bei Bienen und Schmetterlingen sehr beliebt.
Eine Pflanze mit Zukunft: Das hübsche Argentinische Eisenkraut vermehrt sich zuverlässig durch Selbstaussaat, kommt mit der Trockenheit des diesjährigen Sommers gut zurecht und ist bei Bienen und Schmetterlingen sehr beliebt. © Anne Schönfeld

Leben und Arbeiten in und mit der Natur – viele zwischen Schwalm und Knüll lieben das. Wir haben uns in Willingshausen einen antiautoritären Garten angesehen.

Willingshausen – Am Ortsrand von Willingshausen liegt ein fast schon wie ein kleiner Park wirkender Garten mit großen Bäumen, vielen Hecken, naturnah gestalteten Teichen und abwechslungsreich bepflanzten Blumen- und Gemüsebeeten. Erika Schäfer hat hier einen Naturgarten wie aus dem Bilderbuch geschaffen, der zahlreichen Vögeln, Bienen, Schmetterlingen und anderen Tieren einen Lebensraum bietet.

Dass dieser Garten etwas Besonderes ist, darauf weist den Besucher bereits die am Eingang hängende „Natur-im-Garten“-Plakette hin. Die Bewegung entstand in Österreich und gewinnt auch in Deutschland zunehmende Popularität. Zu den Kernpunkten der Zertifizierung gehören neben der naturnahen Gartengestaltung auch eine ökologische Bewirtschaftungsweise ohne chemisch-synthetische Pestizide, Dünger und Torf.

Diese Anforderungen zu erfüllen ist Erika Schäfer nicht schwer gefallen. Im großen Gemüsegarten hat sie zum Beispiel von Anfang an auf Mischkulturen gesetzt. Hier wachsen Klassiker wie Zwiebeln, Kartoffeln und Erbsen, Salat und Erdbeeren neben Raritäten wie Braunkohl und Taybeere, eine reichlich Früchte tragende Kreuzung aus Brombeere und Himbeere. Weiterhin achtet die erfahrene Gärtnerin auf die Fruchtfolge in ihren Gemüsebeeten und lässt jedes Jahr einen Teil des Gartenlandes brach liegen, damit sich das Land erholen kann. Zusätzlich sät sie Phacelia als Gründüngung. Das tut dem Boden gut und den vielen Bienen, die sich über das reichhaltige Nektarangebot freuen.

Eine große Hilfe ist im Willingshäuser Naturgarten Manuel Hassenpflug, er arbeitet in der Hephata-Gärtnerei.
Eine große Hilfe ist im Willingshäuser Naturgarten Manuel Hassenpflug, er arbeitet in der Hephata-Gärtnerei. © anne schönfeld

Trockenheit erschwert alles

Die größte Herausforderung stellt die immer größere Trockenheit dar. „In diesem Jahr ist es ganz schlimm“, weiß auch Erika Schäfer, und sie ist froh, dass sie in Manuel Hassenpflug so eine große Hilfe gefunden hat. Er lebt bei ihr in Willingshausen und arbeitet in der Hephata-Gärtnerei. Zusammen sorgten die beiden dafür, dass das Gemüse und die Blumen jeden Tag genug Wasser bekamen. Doch bei der Größe des Gartens ist es unmöglich, alle Pflanzen so zu versorgen. Auch in den Teichen sinkt der Wasserstand ständig weiter. Ein großer Teich ist direkt neben der Terrasse angelegt. Seerosenblüten ziehen den Blick des Besuchers auf sich, auf ihren großen Blättern sitzen Grünfrösche. Mit etwas Glück entdeckt man im Wasser eines der vielen Moderlieschen, die sich hier fleißig vermehrt haben. Die kleinen Fische werden in Deutschland auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Die Gärtnerin hat sich sehr bewusst für sie entschieden.

Von der Terrasse aus beobachtet die naturverbundene Gartenbesitzerin die Tierwelt. Besonders freut sie sich, wenn der Eisvogel ihr mal wieder einen Besuch abstattet. Manchmal hat Erika Schäfer auch schon Ringelnattern gesehen. Regelmäßige Gäste sind auch Zauneidechsen und Blindschleichen.

Pflanzen mit Zukunft

Am anderen Teichufer bilden blühende Stauden einen bunten Saum. Eine besonders üppige Pflanze mit fast drei Metern Höhe sticht daraus besonders hervor. „Das ist die Durchwachsene Silphie“, erklärt die Gärtnerin. Der aus Nordamerika stammende Korbblütler ist eine Pflanze mit Zukunft: Als Energiepflanze könnte sie eine interessante Alternative zu Mais darstellen. Ihre Vorteile liegen in ihrer großen Trockenheitstoleranz. Außerdem ist sie eine sehr gute Bienenweide.

Pflanzen mit Zukunft spielen im Gartenkonzept von Erika Schäfer eine zunehmend große Rolle. Daher hat sie auch alle arbeitsintensiven Exoten abgeschafft und setzt auf Pflanzen, die mit der veränderten Wetterlage und der zunehmenden Trockenheit klar kommen. Eine dieser Pflanzen ist das Argentinische Eisenkraut. Die elegante, lila blühende Blume vermehrt sich zuverlässig durch

Selbstaussaat oder Black-Box-Gardening: Die Pflanzen suchen sich ihren Standort selbst

Selbstaussaat, ist absolut trockenheitstolerant und bietet noch dazu Schmetterlingen und Bienen einen gedeckten Tisch. Das gleiche gilt auch für Wilde Malven, Stockrosen, Löwenmäulchen, roten Sonnenhut, Muskatellersalbei und Jungfer im Grünen. Wenn man sie lässt, samen sich diese Pflanzen alle selber aus.

Der große Vorteil liegt darin, dass die Pflanzen an dem Standort, den sie sich selber ausgesucht haben, meist viel robuster wachsen. Sie brauchen weniger Pflege und weniger Wasser. Anstatt viele Gießkannen zu tragen, liegt die Herausforderung für den Gärtner nun darin, den Pflanzen die Freiheit zu geben sich ihren Platz selber auszusuchen. So gestaltet sich der Garten zunehmend von alleine – eben antiautoritär. VON ANNE SCHÖNFELD

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