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Der Spion, der aus Treysa kam: Otto John ist Protagonist in ARD-Serie

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Von: Sylke Grede

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Der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (1950-54), Otto John (Mitte) ) spricht am 6. August 1954 im Ost-Berliner Café Warschau mit dem Präsidenten des Nationalrats der DDR, Erich Correns (rechts) und dem Architekten Hermann Henselmann. Archiv
Der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (1950-54), Otto John (Mitte) ) spricht am 6. August 1954 im Ost-Berliner Café Warschau mit dem Präsidenten des Nationalrats der DDR, Erich Correns (rechts) und dem Architekten Hermann Henselmann. Archiv © DPA

Der ehemalige Widerstandskämpfer, der erste Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz und Spion, Otto John (1909 bis 1997), wuchs in Treysa auf.

Treysa – Jetzt ist er einer der Protagonisten des ARD-Mehrteilers „Bonn – Alte Freunde, Neue Feinde“. Zu sehen ist die hochkarätig besetzte historische Event-Serie ab sofort in der ARD-Mediathek. Am 17., 18., 24. Januar werden jeweils zwei Folgen ab 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

Die sechsteilige Serie ist ein politischer Thriller zwischen rivalisierenden Geheimdiensten, Seilschaften im Altnazi-Milieu und einer jungen Frau, die sich ihren Platz in einer von Männern dominierten Gesellschaft erkämpft. Aber auch eine spannende Familiengeschichte mit dunklen Geheimnissen, die im Rheinland und in der damaligen bundesdeutschen Hauptstadt spielt.

Die Drama-Serie beruht auf wahren Begebenheiten im Spannungsfeld des Kalten Krieges. Spannend für sich ist auch die Geschichte von Otto John. Widerstandskämpfer während des Naziregimes, verurteilter Landesverräter der Bundesrepublik: Eine der mysteriösesten Spionageaffären Deutschlands steht in direkter Verbindung zu Schwalmstadt.

Der als Spion verurteilte erste Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John, wuchs im ehemaligen Hotel Zur Burg in der Treysaer Burggasse auf. Gerade mal vier Jahre war der Mann aus Treysa in dieser Führungsfunktion tätig, als er mit der wohl spektakulärsten Flucht eines Geheimagenten in der Geschichte der Bundesrepublik für Schlagzeilen sorgte.

Denn von seinem Überwechseln in die DDR gibt es unterschiedliche Versionen. Es heißt, der Geheimdienstchef sei benebelt vom Alkohol von einem obskuren Arzt von West- nach Ostberlin chauffiert worden. Johns spätere Behauptung, er sei entführt worden, nahm ihm der Bundesgerichtshof nicht ab.

Gerade mal etwas länger als ein Jahr währte sein Aufenthalt im Osten, bis die DDR den Überläufer in den Westen entkommen ließ. In der DDR war er monatelang als Vorzeige-Überläufer mit Dienstwagen und mietfreier Villa gefeiert worden. John hielt flammende Reden gegen das Adenauer-Kabinett und soll zudem westliche Agenten an den KGB verraten haben.

Zunehmend unbeliebter machte er sich allerdings bei der Stasi durch Alkoholexzesse und sexuelle Affären. In der BRD musste er sich wegen Landesverrats verantworten und wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. John behauptete bis an sein Lebensende, in die DDR verschleppt worden zu sein und versuchte 40 Jahre lang, sich zu rehabilitieren.

John starb 1997 in Innsbruck. Seine Unschuld konnte er nicht beweisen.

In dem ARD-Mehrteiler ist er während seiner Zeit beim Verfassungsschutz abgebildet. Otto John (Sebastian Blomberg), der als Leiter des Bundesverfassungsschutzes untergetauchte Kriegsverbrecher aufspürt, wird auf die junge Toni Schmidt (Mercedes Müller) aufmerksam.

Sie ist Fremdsprachensekretärin bei der Organisation Gehlen, der Vorläufer-Organisation des heutigen Bundesnachrichtendienstes, BND. John ist überzeugt, dass Tonis Chef Reinhard Gehlen (Martin Wuttke) Altnazis unterstützt und seine Arbeit massiv behindert. Kurzentschlossen setzt John seinen besten Mitarbeiter Wolfgang Berns (Max Riemelt) auf Toni an, um sie als Spionin für seinen Nachrichtendienst anzuwerben. Die ambitionierte junge Frau gerät zwischen die Fronten der Geheimdienste. (Sylke Grede)

ARD-Mehrteiler „Bonn – Alte Freunde, Neue Feinde“: Ab sofort in der ARD-Mediathek und am 17.,18.,24. Januar werden jeweils zwei Folgen ab 20.15 Uhr in der ARD

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