Die Bürgerlichen legen zu

Parteien in Neukirchen, Ottrau und Oberaula analysieren Kommunalwahl

Wahlscheine liegen auf einem Tisch
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Kommunalwahl 2021: Auch in Ottrau, Neukirchen und Oberaula wurden viele Briefwahlstimmen abgegeben.

Alle Ergebnisse der Kommunalwahlen liegen vor, heute schauen wir in unserer Analyse auf den südlichen Knüll – Neukirchen, Ottrau und Oberaula.

Neukirchen

Das größte Minus gab es in Neukirchen bei der Wahlbeteiligung, diese fiel von knapp 58 Prozent im Jahr 2016 auf 51,6 Prozent, bei den Kreistagswahlen sogar auf 49 Prozent. Die Zustimmung zur AfD im Kreis ist bei den Neukirchenern zugleich die zweithöchste (10 Prozent, 2016: 17 Prozent), nur in Willingshausen ist noch 0,5 Prozentpunkte darüber.

Doch hier der Blick auf die Stadtverordnetenversammlung, wo sich leichte Veränderungen zeigen. Diese bestätigen den Trend für Freie Wähler Gruppierungen mit Verlusten für die Volksparteien. Am stärksten, aber moderat verliert dabei die CDU, minus gut 2 Prozentpunkte, dabei geht wieder wie 2016 ein Mandat verloren auf nun acht. Ein Mandat errang übrigens Altbürgermeister Klemens Olbrich. Eins runter geht es auch wieder für die SPD, die nun neun Plätze besetzt, vor zehn Jahren waren es noch elf.

Kommunalwahl 2021: Neukirchen

Die beiden Mandate gehen an FDP und FWG, sodass die Bürgerlichen klar gestärkt aus dieser Wahl hervorgehen. Auch wenn die beiden Lager angeblich nicht mehr bestehen sollen, haben CDU, FDP und FWG nun eine leichte Mehrheit gegenüber SPD, Grünen und UBL (16 zu 15), dies kehrte sich um. Auch Grüne und UBL verschlechtern sich leicht. Man wird sehen, ob die Lager wirklich ganz überholt sind.

Willi Berg (SPD), bisher Stadtverordnetenvorsteher, ist jedenfalls nicht sehr unzufrieden beim Minus von rund 1,1 Prozent, wobei ihm die Erfolge der Sozialdemokraten an der Urne „etwas zu kurz kamen“. Es gehe der SPD nicht um Parteipolitik, sondern um „das Lösen von Sachproblemen“, heißt es in seiner Antwort auf eine HNA-Anfrage.

Jürgen Lepper, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes teilt uns mit, auch er sei mit dem Ergebnis zufrieden, und auch die SPD habe ja einen Sitz verloren. Lepper: „Für uns ist es wichtig, dass dabei die Entscheidungen in den Sachfragen im Vordergrund stehen und dass wieder ein fairer Umgang zwischen allen Parteien erfolgt.“ Und: „Wie eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat gebildet werden kann, muss in den nächsten Tagen in Gesprächen sondiert werden.“

Ottrau

Mit einem Zuwachs von gut fünf Prozent sind die Freien Wähler (FWG) in Ottrau der Wahlsieger. Die FWG hat in der Gemeindevertretung in der kommenden Legislaturperiode vier Sitze – wie SPD und CDU, lediglich die UWG muss sich mit drei Sitzen begnügen. Keine Fraktion hat alleine eine Mehrheit.

Man sei über das Wahlergebnis glücklich, sagte FWG-Fraktionssprecher Markus Knoch: „Unser Ziel war es, den fünften Sitz zurückzugewinnen.“ Knoch sieht in der Personenwahl einen wesentlichen Grund für das gute Abschneiden seiner Partei. Die Liste haben die Menschen angesprochen, meint Markus Knoch und sagt, dass die Kommunalwahl mittlerweile fast schon zu einer „Persönlichkeitswahl wird.“ Neben den richtigen Personen habe die FWG mit „Wasserversorgung“ und dem „Ausbau der Zusammenarbeit im Gemeindeverwaltungsverband „Südlicher Knüll“ im Wahlkampf offenbar auch die richtigen Themen angesprochen.

Kommunalwahl 2021: Ottrau

Zufrieden mit dem zeigte sich auch Matthias Wettlaufer von der CDU. Entgegen dem allgemeinen Trend habe seine Partei zugelegt, freute sich der Fraktionsvorsitzende: „Ziel war es, stärkste Kraft zu werden.“ Bürgermeisterwahl und die gute Liste seien sicherlich Gründe für das Ergebnis, analysiert Wettlaufer: „Wir werden jetzt mit allen Fraktionen das Gespräch suchen.“ Neben drängenden Problemen wie der Wasserversorgung sieht Wettlaufer in den kommenden Jahren im Ausbau der Digitalisierung einen Schwerpunkt: „Da haben wir Nachholbedarf.“

Im Gegensatz zu FWG und CDU haben die Ottrauer Sozialdemokraten wenig Grund zu feiern. Wenn man vier Prozent verliere, sei das wenig erfreulich, bilanziert Fraktionssprecher Maximilian Schreiber: „Da hat sich auch der Bundestrend ausgewirkt.“ Einen weiteren Grund sieht Schreiber in der Liste. Insbesondere jüngere Wähler seien davon wohl nicht angesprochen worden, vermutet der Sozialdemokrat: „Wir konnten unsere Sitze aber verteidigen.“

Auch die UWG Ottrau musste bei dieser Wahl Federn lassen. Im Gegensatz zur Wahl 2016 holte die Partei diesmal nur 17,5 Prozent und verzeichnet damit einen Stimmenverlust von 4,5 Prozent. 2016 konnte die UWG noch 22,08 Prozent der Ottrauer Wähler überzeugen. Damit verliert die Partei einen Sitz im Parlament. Ursächlich für die Verluste sei wohl der Generationenwechsel auf der Liste. Das sei durchaus eingeplant gewesen und diesen Weg muss man irgendwann einmal gehen, erklärt Marco Kropf: „Es stimmt uns aber optimistisch, dass wir den dritten Sitz halten konnten.“

Die konstituierende Sitzung der Ottauer Gemeindevertretung ist für Donnerstag, den 22. April, geplant.

Oberaula

Im Oberaulaer Gemeindeparlament mischen künftig drei statt zwei Fraktionen mit. Die Freie Liste Oberaula (FLO) hat aus dem Stand 14,37 Prozent geholt und bekommt drei der insgesamt 23 Sitze in der Gemeindevertretung. Die CDU kann ihre absolute Mehrheit mit 52,41 Prozent knapp verteidigen, ihr bleiben 12 Sitze, damit zwei weniger als bisher.

Fraktionsvorsitzender Lothar Mauer ist zufrieden mit dem Ergebnis. Man fühle sich in der Arbeit von den Oberaulaern bestätigt. Als logisch bezeichnet Maurer das Ergebnis der neuen Freien Liste. „Die Menschen sind politikverdrossen.“ Für die kommenden fünf Jahre sehe er in der Gestaltung für Oberaula kaum Spielraum. Die angehobenen Steuern würde man gern wieder zurücknehmen, es stünden aber viele Pflichtaufgaben wie die Kläranlage, der Feuerwehrstützpunktneubau und der Erhalt des Schwimmbades auf der Agenda.

Kommunalwahl 2021: Oberaula

33,22 Prozent der Stimmen konnte die SPD für sich verbuchen und damit acht Sitze. Fraktionsvorsitzender Holger Hehr ist über das Ergebnis enttäuscht, zumal mit Blick auf die jungen Mandatsträger: Die SPD sei hinter ihrem Ziel zurückgeblieben, eine erneute absolute Mehrheit im Parlament zu verhindern, um damit in jedem Entscheidungsfall eine konstruktive Lösung über die Franktionsgrenzen hinaus zu finden. Zu begrüßen sei, dass trotz eines weiteren Bewerbers die Mandatsplätze der SPD weitgehend gehalten werden konnten. Mit acht Mandaten werde sich die Fraktion für die Belange der Bevölkerung einsetzen. Eine Zusammenarbeit mit allen Franktionen sei hierzu notwendig, „das ist so auch unsere Zielsetzung“.

Die Freie Liste Oberaula (FLO) trat zum ersten Mal an. Spitzenkandidatin Manuala Klimpel ist mit dem Ausgang sehr zufrieden, „wir hätten uns allerdings vier Sitze gewünscht“. Strategische Ziele seien, die Wohngemeinde Oberaula weiterzuentwickeln, Digitalisierung, ein kleines Gewerbegebiet und der Ausbau des ÖPNV. Man werde mit den Fraktionen übereinstimmende Themen suchen.

Die konstituierende Sitzung für die Gemeindevertretung Oberaula ist am Montag, 26. April.  (Anne Quehl, Matthias Haaß, Sandra Rose)

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