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Sachsenhausen bereitet 800-Jahrfeier vor

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Idyllische Lage: Sachsenhausen wurde 1224 erstmals urkundlich erwähnt.
Idyllische Lage: Sachsenhausen wurde 1224 erstmals urkundlich erwähnt. © Regina Ziegler-Dörhöfer

Auch wenn die Dorfchronik verschwunden ist, das Datum der Ersterwähnung kennt man in Sachsenhausen und so freut sich das Dorf auf das Jahr 2024, wenn man am ersten Juli-Wochenende (5. bis 7. Juli) das 800-jährige Bestehen feiern möchte.

Gilserberg. Schon im vergangenen Jahr gründete sich der Heimat- und Brauchtumsverein, der die Planungen zum Jubiläumsjahr federführend übernehmen wird. „Wir werden Arbeitsteams bilden, weitere Mitstreiter suchen und in die konkreten Planungen einsteigen“, sagen die Vorstandsmitglieder.

Auch wenn im Jahr 1224 „Sassenhussen“ erstmals urkundlich erwähnt wurde, soweiß man, dass sich auch schon lange zuvor Wanderhirten im Tal niedergelassen hatten, Wälder rodeten und Felder anlegten. „Sachsenhausen wurde wie auch viele andere Dörfer der Region immer wieder mal anderen Landsherren zugeschlagen“, erklärt Richard George. So zählte Sachsenhausen um 1300 beispielsweise zum Besitz des Klosters Haina. Von 1424 bis 1905 war das Wasser der Katzbach zur Wasserversorgung Treysas herangezogen worden und so waren die Sachsenhäuser maßgeblich an der Legende des Johannismännchens beteiligt.

Die Sage der Lacheller ist eine weitere bis heute überlieferte Begebenheit, der man am Rande des Dorfes bis heute mit einem Aussichtspunkt mit Blick über ganz Sachsenhausen gedenkt. Schon lange vor dem Dreißigjährigen Krieg war das Unterdorf aufgegeben worden. Die Bevölkerung siedelte sich im Oberdorf an. 1613 zählte Landmesser Dillich um die Kirche zehn Häuser und die ,,Kuppelsmühle“, die im Dreißigjährigen Krieg fast völlig zerstört wurde.

Mitte des 18. Jahrhunderts gab es rund 30 Anwesen mit strohgedeckten Fachwerkhäusern. Lediglich die herrschaftlichen Anwesen, die zum Kloster Haina gehörten, waren massiv gebaut und hatten bleiverglaste Fenster. Sachsenhausen wuchs mehr und mehr zu einem Straßendorf heran. Die Landwirtschaft blieb bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts der wichtigste Erwerbszweig. Zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert war es um die Versorgungssituation der Menschen hier jedoch nicht gut bestellt. Die Böden waren karg und so wanderten 90 Dorfbewohner, viele auch im jugendlichen Alter, nach Amerika aus.

„Einige Verbindungen nach Amerika bestehen bis heute. Die Auswanderer bauten sich eigene Farmen auf oder waren sehr erfolgreich in der Mähdrescherentwicklung. Die Sachsenhäuser sind alle was geworden“, weiß Richard George, der selbst noch Verwandte in Amerika hat. Während des Zweiten Weltkrieges schickten die Auswanderer gar Päckchen ins Heimatdorf. „Was genau sich in den Päckchen befand, versuchen wir noch herauszufinden. Viele Zeitzeugen gibt es leider nicht mehr“, so die Vorstandsmitglieder Dirk und Christian Viehmeier, die gerne einen Blick in die vermisste Dorfchronik werfen würden, um so manch geschichtlichen Hintergrund noch zu erfahren. Die Kirchenbücher seien vorhanden, doch die Chronik, die von den Dorfschullehrern geschrieben wurde, sei seit einigen Jahrzehnten verschollen. „Vielleicht liegt sie noch auf irgendeinem Dachboden und wartet darauf, wiederentdeckt zu werden“, so die Hoffnung im Verein.

Während des Zweiten Weltkrieges fanden viele sudetendeutsche Familien in Sachsenhausen eine neue Heimat und belebten das Dorfleben. Neben der Landwirtschaft gab es Handwerksbetriebe wie Schmieden, Stellmacher und Leineweber, die für das Auskommen sorgten. Heute sind aber auch die meisten Handwerksbetriebe schon wieder Geschichte: Heute leben in dem Gilserberger Ortsteil noch gut 450 Einwohner. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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