Genormte Sicherungspflicht?

Nach Drama um ertrunkene Kinder im Schwalm-Eder-Kreis: Löschteiche im Fokus

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Löschteiche sind für die Kommunen riskant

Schwalm-Eder. Nach dem tragischen Fall von Neukirchen-Seigertshausen, wo 2016 drei Kinder ertranken, stehen Löschteiche und ihre Sicherungspflicht im Fokus der Justiz.

Landauf, landab geht es um die Frage, ob es sich bei Teichen um genormte und damit sicherungspflichtige Löschteiche handelt oder nicht, denn gegen den Bürgermeister Neukirchens, Klemens Olbrich, wurde das Hauptverfahren eröffnet, Termin noch offen. Die Anklage geht davon aus, dass er für die Einzäunung des Gewässers verantwortlich gewesen wäre, weil es sich um einen Löschteich handele.

Im Kern geht es um die Definition des Seigertshäuser Teichs – und aller anderen. Und diese kann verändert werden, denn wenn der Grundschutz durch die zentrale Wasserversorgung sichergestellt ist, sind zusätzliche Löschwasserentnahmestellen wie Teiche nicht mehr erforderlich.

Historisch betrachtet wurden sie früher oft als Löschwasserreservoir angelegt. Seitdem es fast überall Wasserleitungen und im Schnitt alle 150 Meter einen Hydranten gibt, haben die Gewässer ihre ursprüngliche Funktion weitgehend verloren, dienen oft nur als Reserve. Neubauten von Löschteichen sind dem Schwalm-Eder-Kreis in jüngerer Zeit überhaupt nicht bekannt.

Vor dem Hintergrund der juristischen Vorwürfe gegen Olbrich haben die Kommunen – deutschlandweit – einen genauen Blick auf ihre Löschteiche geworfen. In der Folge wurden inzwischen offenbar viele umgewidmet, bestätigt wird das aber nur hinter vorgehaltener Hand.

Homberg und Borken haben etwa nach eigenen Angaben gar keine genormten Löschteiche. Die Verantwortlichen sind damit auf der sicheren Seite. Zum Beispiel in Spangenberg gibt es aber noch drei Löschteiche, so Jörg Schanze von der Stadtverwaltung.

Gemeinden setzen auf Zisternen

Grundlage für die Bereitstellung einer den örtlichen Verhältnissen angemessenen Löschwasserversorgung ist das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz. Jede Gemeinde ist für die Umsetzung verantwortlich.

Eine angemessene Löschwasserversorgung ist gegeben, wenn der Feuerwehr mindestens 48 Kubikmeter in der Stunde zur Verfügung stehen. Sofern eine ausreichende Löschwasserversorgung nicht durch die zentrale Wasserversorgung sichergestellt werden kann, müssen ergänzende Löschwasserentnahmestellen herangezogen werden. Das können beispielsweise Teiche, aufgestaute Bäche aber auch Zisternen sein.

Im Schwalm-Eder-Kreis wurden nach Angaben des Landkreises in den vergangenen Jahren vorrangig Zisternen gebaut.

Das Drama und die Konsequenzen aus den Todesfällen in Seigertshausen beschäftigt die HNA schon lange. In einem separaten Artikel erfahren Sie, warum ein Richter den Prozess rund um die ertrunkenen Kinder ablehnte.

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