Schwälmer Damenwahl 

Drei Frauen aus dem Altkreis Ziegenhain sind Abgeordnete im neuen Landtag

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Oppositionsfrauen: Heute ziehen Regine Müller (SPD), Wiebke Knell (FDP) und Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Linke) in den Landtag ein. Das Foto zeigt sie im Innenhof des Landtags, im Hintergrund die Fenster des Plenarsaals.

Schwalm. Heute konstituiert sich der neue Landtag in Wiesbaden. Auch drei Frauen aus dem Altkreis Ziegenhain werden als Abgeordnete vertreten sein. 

Wenn sich heute in Wiesbaden der Landtag konstituiert, kann die Schwalm im Plenarsaal mit einer Besonderheit aufwarten: Der kleine südliche Zipfel Nordhessens stellt gleich drei Landtagsabgeordnete. Und pünktlich zu 100 Jahren Frauenwahlrecht ist das eine absolute Damenwahl. Wiebke Knell (FDP, Neukirchen-Nausis), Regine Müller (SPD, Ziegenhain) und Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Linke, Treysa) sind die drei Oppositionsfrauen aus dem Wahlkreis 8.

Aus Sicht von Regine Müller ist das eine einmalige Situation – und die 59-Jährige weiß, wovon sie spricht. Seit Januar 2008 sitzt sie im Landtag. Bei der Wahl im Oktober gewann die Ziegenhainerin erneut das Direktmandat. Angesichts dessen, dass vor 100 Jahren Frauen erstmals wählen durften, findet auch Heidemarie Scheuch-Paschkewitz, „das passt“. Toll sei es, dass aus der doch recht ländlich geprägten Region gleich drei Frauen nach Wiesbaden gehen. 

Für die ehemalige Landesvorsitzende der Linken ist der Einzug in den Landtag eine Premiere. „Wir sind die starke Schwälmer Opposition in Wiesbaden“, scherzt Wiebke Knell. Die 37-Jährige ist seit 2017 Landtagsabgeordnete. Insgesamt sind alle drei politisch „alte Häsinnen“ (Scheuch-Paschkewitz) und in der Region seit Jahrzehnten als beharrliche Kommunalpolitikerinnen bekannt. Regelmäßig treffen sie sich bereits bei den Kreistagssitzungen, sind oder waren auch in ihren Stadtparlamenten aktiv.

Gemeinsam für die Region

Sie duzen sich und über Parteigrenzen hinweg „verstehen wir uns gut“, versichert das Landtags-Trio. Es werde durchaus Situationen geben, in denen sie sich bei kommunalen Themen für die Region gemeinsam einsetzen werden, ist Regine Müller überzeugt. Überhaupt sei insbesondere die Arbeit in den Landtagsausschüssen sehr sachorientiert, sagt sie. Und in den Ausschüssen könnte es auch zu einer direkten Zusammenarbeit der drei kommen.

Die Linken wie auch die Liberalen haben ihre neuen Ausschuss-Mitglieder bereits in dieser Woche benannt. Wiebke Knell, die im Landtag stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP ist, soll wie auch Heidemarie Scheuch-Paschkewitz dem Umweltausschuss angehören.

Die SPD-Fraktion wird die Ausschussbesetzungen erst in der kommenden Woche vorstellen. Regine Müller hofft wieder auf den Petitions- , den Umwelt- und den Unterausschuss Justizvollzug, dessen Vorsitz sie bis jetzt innehatte.

Eine Fahrgemeinschaft wird wohl nicht funktionieren, zu unterschiedlich sind die Terminlagen. Die beiden Schwalmstädterinnen bevorzugen außerdem die Bahn, der Nausiserin mit ihrer jungen Familie verschafft das Auto mehr Unabhängigkeit beim Pendeln.

Zu den Personen

Regine Müller wurde 1959 geboren und lebt in Ziegenhain. Seit 2008 ist sie im Landtag. Zuvor war sie Leiterin des Kindergartens in Obergrenzebach. Sie ist Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Ziegenhain und kooptiertes Mitglied in verschiedenen parteilichen Gremien auf Stadt- und Kreisebene. Im Landtag arbeitete sie zuletzt in drei Ausschüssen: Petitionsausschuss, Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Zudem war sie Vorsitzende des Unterausschusses Justizvollzug. 

Wiebke Knell, geboren 1981, lebt mit Mann und Tochter in Nausis. Nach ihrem Abitur an der Melanchthon-Schule Steinatal studierte sie Politikwissenschaften in Gießen, Brest (Frankreich) und Mainz. Seit 2017 ist sie im Landtag. Zuvor hat sie als Pressesprecherin eines Handwerksverbandes gearbeitet. Knell ist Fraktionsvorsitzende im Kreistag und im Stadtparlament Neukirchen. Im Landtag war sie bis zur heutigen Konstituierung Sprecherin der FDP-Fraktion für Umwelt sowie für Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Heidemarie Scheuch-Paschkewitz wurde 1959 in Gemünden-Wohra geboren. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Gärtnerin und studierte danach sechs Semester Agrarwissenschaften. Anschließend studierte sie an der Uni Kassel und schloss ihr Studium als DiplomSozialpädagogin ab. Scheuch-Paschkewitz arbeitete in heilpädagogischen Einrichtungen und Wohnheimen für Behinderte und als Dozentin und Seminarkoordinatorin in einem Bildungsinstitut. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Männer dominieren im Landtag

Insgesamt wächst der Landtag in der neuen Legislaturperiode deutlich an - von 110 auf 137 Abgeordnete. Sie teilen sich auf in 46 Frauen und 91 Männer. Das entspricht einem Frauenanteil von 33,5 Prozent. Den geringsten Frauenanteil hat die neu in den Landtag gewählte AfD-Fraktion. Zwei der insgesamt 19 Abgeordneten der AfD-Fraktion sind weiblich, das entspricht einem Anteil von 10,5 Prozent. 

Ähnlich männlich dominiert sieht es bei den Liberalen aus: Unter den elf Abgeordneten der FDP befinden sich zwei Frauen, das entspricht einem Anteil von 18 Prozent. Spitzenreiter in Sachen Frauenquote ist die Fraktion der Linke mit einem Frauenanteil von 55,5 Prozent (fünf Frauen, vier Männer). Auch bei den Grünen ist der Frauenanteil mit 52 Prozent überproportional (15 Frauen, 14 Männer). Dahinter folgen die SPD (45 Prozent, 13 Frauen, 16 Männer) und die CDU-Fraktion (22,5 Prozent, neun Frauen, 31 Männer).

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