Neuer Leiter der Gastelterninitiative „Kinder von Tschernobyl“: Frank Köhler (49) folgt auf Georg Ebener

Für drei Wochen gesunde Luft

Neuer Verantwortlicher: Frank Köhler (links) übernimmt künftig die Aufgaben von Georg Ebener. Foto: Rose

Treysa. Von 2001 bis 2015 lenkte Georg Ebener zusammen mit seiner Frau Sigrid die Geschicke der Gastelterninitiative „Kinder von Tschernobyl“: Jetzt gibt der Treysaer den Stab an Frank Köhler (49) aus Obergrenzebach weiter. Ganz zurückziehen wird sich das Ehepaar Ebener aber nicht. „Ihre Erfahrungen sind Gold wert“, sagt Köhler, der sich ebenfalls seit vielen Jahren bei der Initiative engagiert.

Seit 1992 ermöglichen die Organisatoren Kindern aus der Region unweit von Tschernobyl einen Ferienaufenthalt in der Schwalm. Bis Ende der 1990er-Jahre war Hans Berndhardt Motor der Initiative. Für drei Wochen im Jahr werden die Kinder der Gemeinschaftsschule - immer die der sechsten Klasse - aus dem Dorf Rudnja nach Schwalmstadt eingeladen. Das Dorf liegt nur etwa 70 Kilometer vom Katastrophenreaktor entfernt.

„Bis heute erkranken die Menschen dort an den Folgen. Besorgniserregend sind vor allem die Zunahme von Geburten mit schweren Schädigungen“, erzählen Ebeners. Doch den Aufenthalt zu organisieren, fordert viel Kraft und vor allem viele zupackende Hände: „Bis jetzt haben sich immer genügend Gasteltern gefunden. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Sigrid Ebener. Auch die Stadt unterstütze das Projekt: Im Jugendzentrum würden die Kinder während der Ferien stets vormittags betreut. Auch die Schwälmer Wirte seien sehr spendabel. Sie sorgten reihum für das tägliche Mittagessen und gäben sich große Mühe, lecker für die jungen Gäste zu kochen.

Häufig behandelten auch Optiker, Zahnärzte und zum Teil Fachärzte die Kinder - meist kostenfrei. Dabei sind in jedem Jahr alle heilfroh, wenn alle Teilnehmer nach mehr als 20 Stunden Busfahrt endlich heil in Treysa ankommen.

Freundschaften entstanden

Zwischen Schwälmern und weißrussischen Familien sind Freundschaften gewachsen: „Man schickt sich Karten, Weihnachtspäckchen und hält auch über Facebook Kontakt“, erzählt Frank Köhler.

Neben den Aufenthalten organisierte die Initiative auch Hilfstransporte: Gut erinnert sich Sigrid Ebener an einen Transport 1994, wo ihr das mitgebrachte Nutella quasi aus den Händen gerissen wurde. 2011 erhielt die Initiative ausrangierte Rollstühle und Rollatoren, die in der JVA repariert und nach Rudnja transportiert wurden. Mehr als 400 Kinder waren seit 1992 in der Region zu Gast. Auch konnte aktuell der Bau einer Kirche in Rudnja realisiert werden - mithilfe einer Spende einer Schwalmstädter Familie für das komplette Holz.

Sorgen, dass das das Engagement der Gasteltern nachlässt – etwa durch den Zuzug von Flüchtlingen – machen sich Köhler und das Ehepaar Ebener nicht: „Viele sind uns seit Jahren treu“, sagt Sigrid Ebener. Sie selbst geht mit ihrem Mann beispielhaft voran. Denn das Paar kümmert sich aktuell zusätzlich um die Flüchtlinge vor Ort.

Von Sandra Rose

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