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Ehepaar Thurau übernimmt den Reisemobilpark Urbachtal

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Ariane und Kai Thurau stehen nebeneinander und halten sich im Arm.
Ariane und Kai Thurau zogen aus der Nähe von München nach Neukirchen. Zum Jahreswechsel werden sie die neuen Eigentümer des Reisemobilparks Urbachtal. © Privat

Der Reisemobilpark Urbachtal in Neukirchen hat eine neue Betreiberfamilie, Ariane und Kai Thurau sind aus Bayern übersiedelt und werden zum Jahreswechsel auch Eigentümer.

Neukirchen – Wahrscheinlich gibt es wirklich keine Zufälle. Ariane und Kai Thurau hielten jedenfalls die Augen weit offen. Immer stärker hatten sie das Gefühl, dass sie ihr Leben noch einmal völlig umkrempeln sollten.

In Maisach im schnell wachsenden, teuren Münchner Speckgürtel im Landkreis Fürstenfeldbruck fühlten sie sich immer weniger daheim. „Man steht zum Semmelnholen im Stau.“ Als der Berufsschullehrerin (52) dann auch noch der Umzug ihrer Schule ins Haus stand und damit viel weitere Wege zur Arbeit, stand der Entschluss zum Neustart fest. Nur die Region war festgelegt, es sollte in der Nähe von Kai Thuraus Eltern in Wernswig sein.

Beim Reisemobilpark machte es klick

Voriges Jahr hat das Ehepaar ein gastronomisches Projekt in Homberg für sich geprüft, aber verworfen. Dieses Jahr im Frühjahr aber machte es klick – in Gestalt eines Artikels in unserer Zeitung. Den schickte Kai Thuraus Vater seinem Sohn und seiner Schwiegertochter in den Italien-Camper-Urlaub hinterher, Inhalt: Der Reisemobilpark Urbachtal in Neukirchen steht zum Verkauf.

Das war um die Osterzeit, „ich fragte meinen Vater noch verdattert, was er denn damit meint“. Dann ging alles ganz schnell, spürten die Thuraus, dass der Platz in Neukirchen die für sie perfekte Perspektive eröffnet.

Das Foto zeigt vier Wohnmobile im Reisemobilpark Urbachtal.
Großzüge Anlage: Üppig Platz für Reisemobile sowie für Menschen und Hunde bietet der Reisemobilpark Urbachtal oberhalb von Neukirchen. Die Betreiber haben jetzt gewechselt. © Matthias Haaß

Denn das Reise- und Campingthema ist in der Familie ebenso verwurzelt wie die Gastronomie. Arianes bereits verstorbene Eltern hatten ein kleines Gasthaus, das es leider nicht mehr gibt. Und Kai Thuraus Vater, selbst Wohnmobilist und vertraut mit der Anlage in Neukirchen, hatte schon vor vielen Jahren die Idee, in der Kreisstadt einen Campingplatz aufzubauen – was damals scheiterte, als der Compagnon absprang. So ganz verblasste dieser Traum in der Familie aber nie.

„Wir waren sofort schockverliebt“

Jedenfalls sei schon der erste Besuch in Neukirchen der Hammer gewesen, „wir waren sofort schockverliebt“, erzählen die Thuraus. Die gesamte Anlage sei eben traumhaft, „es ist fantastisch, was Hünerkopf hier geschaffen hat“. Seit August leben die beiden schon im Hauptgebäude, in der Wohnung im ersten Stock, und haben den Betrieb übernommen.

Alles laufe wie es die Gäste gewohnt seien, wobei es einige Erweiterungen geben wird. Für die vielen Wohnmobilgäste, die mit Hund oder Hunden reisen – „mindestens einen hat mindestens die Hälfte dabei“ – wird der Auslauf erweitert und ein Spielparcours gestaltet. Das Stadtparlament hat der Abgabe von Grundstücken dafür soeben zugestimmt. Die Almhütte in Modulbauweise wird versetzt, die Küche erweitert.

Reisemobilpark soll auch für Einheimische attraktiv sein

Zusätzlich und verzahnt mit dem immer noch wachsenden Reisemobilsegment setzen die Thuraus darauf, auch für die Einheimischen attraktiv zu sein. Jetzt nach der langen Coronazeit gehen die beiden davon aus, dass die Menschen großen Nachholbedarf haben. Auch der Biergarten solle ein Anziehungspunkt bleiben, für Radfahrer, Wanderer, kurz alle.

Bereits im Juli hatten die Thuraus ihre Pläne zur Weiterentwicklung im Magistrat vorgestellt, die Rede ist von Clubtreffen, Eventlocation Almhütte, regelmäßigen kulinarischen Angeboten und diversen Möglichkeiten für Sitzungen, Tagungen und Festivitäten bis hin zu Hochzeiten, vom Mittagstisch bis zur Wein- und Bierprobe. Vernetzungen bestehen zahlreich, bis hin zur Schlittenhund-Community.

In der Arbeitsteilung haben die Thuraus gewissermaßen traditionell entschieden: Er übernimmt die – regional ausgerichtete – Küche, sie den Service. Das Kochen sei ihm von Kindesbeinen an sehr vertraut und ein befreundeter Profi werde unterstützen.

Ob Kai Thurau, ausgebildeter evangelischer Prädikant, dieser Mission noch wird nachgehen können, ist erstmal offen. Als es in Maisach Engpässe gab, hatte er mit dem Engagement in der Kirchengemeinde begonnen, Schwerpunkt Jugendarbeit, „ich habe meine eigenen Kinder mit konfirmiert“.

Von der Andacht zu Voice Of Germany

Die Zwillingstöchter, inzwischen 20 Jahre alt, bleiben fürs Erste in Bayern, wo sie jobmäßig schon gebunden sind. Immerhin verrät es einiges über die Thuraus, was 2016 passiert ist und Kai Thurau ein großes Medienecho verschaffte. Er hatte in einer Andacht darüber gesprochen, dass man seine Träume auch leben muss, er selbst habe immer davon geträumt, ein berühmter Sänger zu sein. Da habe eine seiner Töchter mit sanftem Zwang dafür gesorgt, dass ihr Vater sich glaubwürdig zeigt und ernst macht.

Thurau bewarb sich bei The Voice Of Germany und nahm tatsächlich teil, „dass sich keiner der Juroren umgedreht und für mich gebuzzert hat, war dann aber auch okay“.

Für Neukirchen haben die Thuraus gewissermaßen leidenschaftlich gebuzzert. Die Verträge sind alle fertig, ab 1. Januar sind sie Eigentümer. Die Freude darüber ist unüberhörbar. Wer die beiden kennenlernen möchte, kann sich etwa das erste Adventswochenende vormerken: Dann ist im Reisemobilpark Adventsmarkt. (Anne Quehl)

Zu den Personen

Ariane Thurau (52) stammt aus Maisach (Landkreis Fürstenfeldbruck) und ist Berufsschullehrerin, die Beamtin ist zurzeit beurlaubt. Die Familie von Kai Thurau ist in Wernswig zu Hause, er ist 49, studierter Betriebswirtschaftler, war als Soldat zweimal in Afghanistan, hat später einige Semester Theologie studiert und ist evangelischer Prädikant. Sein Hobby ist Schlittenhundefahren, 2016 hat er bei The Voice of Germany teilgenommen. Sie sind Eltern von Zwillingstöchtern (20).

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