Der Kleiber ist einzigartig

Ein Baumeister und Akrobat

Schwalmstadt. Winterzeit ist Vogelfütterungszeit und damit eine gute Möglichkeit, einen wirklich einzigartigen Charakter unserer Vogelwelt kennenzulernen – den Kleiber. Dieser Singvogel ist zwar in alten Wäldern mit viel Laubwald, Parks oder Ortslagen mit altem Baumbestand nicht selten, aber durch seine unauffällige Lebensweise nicht leicht zu beobachten.

Am Futterhaus gehört er aber zu den dominanten Gestalten, der sich, nur etwa sperlingsgroß, mit seinem kräftigen Schnabel gegen die Vielzahl der Meisen und auch gegen viele Finken durchzusetzen vermag.

Dann nimmt er etwas Fettfutter auf und schnappt sich ein oder zwei Sonnenblumenkerne, mit denen er, die Kerne im Schnabel, die nächsten Bäume anfliegt. Statt sich auf einem Zweig zu setzen, landet er dort direkt am Stamm und bewegt sich wie ein Specht an der Rinde.

Kurz darauf hat er die Sonnenblumenkerne in einer Rindenspalte versteckt. Nun zeigt er ein unter den europäischen Vögeln einzigartiges Verhalten: er läuft den Stamm kopfunter hinab, nur gehalten durch seine großen und kräftigen Beine, Zehen und Krallen. Eine derart akrobatische Fortbewegung haben nicht einmal die Spechte in ihrem Repertoire – entweder sie rutschen, den Schwanz voraus, rückwärts den Stamm hinunter oder sie fliegen ein paar Stockwerke tiefer.

Und noch eines unterscheidet ihn von allen heimischen Vögeln: Als geschickter Baumeister ist der Höhlenbrüter in der Lage, jedes Einflugloch nach seinem persönlichen Maß zuzumauern. Dazu verwendet er einen Mörtel, gewöhnlich aus Lehmboden, der nach dem Trocknen überaus widerstandsfähig und fest ist und die Brut vor Feinden schützt. Die Altvögel halten sich in der Regel über das ganze Jahr in ihrem Revier auf. Auch die Jungvögel siedeln sich gewöhnlich innerhalb eines Radius von wenigen Kilometern, die Hälfte der Jungen sogar nur innerhalb eines Kilometers vom Geburtsort an. Damit zählt der Kleiber auch zu den standorttreusten Vögeln.

Ähnlichkeit zum Eisvogel

Sein Gefieder ist von der Oberseite her blaugrau mit schwarzem Augenstreif, weißlicher Kehle, die übrige Unterseite ist ockergelb bis hell rostfarben. Nicht nur die ungefähre Farbverteilung, auch der kräftige Schnabel und der kurze Stummelschwanz erinnern etwas an den Eisvogel.

Bei genauem Hinsehen ist die Ähnlichkeit aber doch nur sehr oberflächlich – Eisvögel sind vielfach bunter und langschnäbliger.

Als echter Waldvogel bewohnt der Kleiber in verschiedenen Unterarten die Wälder Europas, von der Iberischen Halbinsel über England, Südskandinavien sowie die boreale Waldzone durch Russland bis nach Japan.

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