Ein kleiner Bach mit zwei Namen

Der Rehbach in Todenhausen

Rehbach 1987: Die alte Sandsteinbrücke gibt es nicht mehr.
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Rehbach 1987: Die alte Sandsteinbrücke gibt es nicht mehr.

Entscheidend für den Standort eine Siedlung war oft die Verfügbarkeit von Wasser. Viele Dörfer liegen darum an einem Bach. In unserer kleinen Serie schauen wir uns die Gewässer genauer an.

Todenhausen. Auftakt unserer Serie über kleine Wasserläufe und Bäche in der Region ist der Rehbach in Todenhausen. Ein Name, der wohl außerhalb des Frielendorfer Ortsteils nur den wenigsten Menschen bekannt sein dürfte – aber das ist wohl das Schicksal vieler kleiner Wasserläufe. Selbst der Google-Konzern benennt den kleinen Bach in seiner beliebten Anwendung Google-Maps als Grombach. Eine Bezeichnung, die so manch alteingesessenen Todenhäuser verständlicherweise ärgert.

Der amerikanische Internetkonzern Googel weiß zwar viel, aber auch nicht alles. Manchmal lohnt dann doch der Blick in historische Aufzeichnungen. Der mittlerweile verstorbene Chronist Heinrich Bischoff schreibt 1987 in der Ortschronik vom Rehbach und betitelt einen der Zuläufe als Grombach. Übrigens bezeichnet auch das Land Hessen den Bachverlauf in seinem Kartenmaterial zumindest innerhalb des Dorfes als Rehbach, außerhalb heißt er dann wieder Grombach. Wie oft im Leben ist es wohl eine Frage des Standpunkts. Bleibt zu hoffen, dass auch irgendwann Googel ein Einsehen hat, und den historisch verbürgten Namen Rehbach – zumindest für das Teilstück bei Todenahusen – verwendet.

Löschwasserreserve im Brandfall

Mit einer Länge von rund vier Kilometern zählt der Rehbach/Grombach wohl zu den kürzeren Bächen. Bereits in Frielendorf, auf Höhe der Bundesstraße 254, nimmt der Wasserlauf den Hohlenbach auf, um dann in die Ohe zu münden. Erst die immer intensiver betriebene Landwirtschaft machte aus dem Rehbach überhaupt einen Bach. Chronist Bischoff berichtet, dass noch 1858 durch Todenhausen nur bei Regenwetter ein Bach geflossen sei. Gerade im Hinblick auf die Nutzung als Löschwasserversorgung im Brandfall sei dies problematisch gewesen, schlussfolgert der Chronist.

Der Rehbach durchfließt den Ort Todenhausen und mündet dann in die Ohe bei Frielendorf

Doch die Dorfbewohner waren erfinderisch. Um trotzdem im Brandfall im ganzen Dorf ausreichend Wasser zu haben, konnte ein direkt am Bach gelegener Teich bei Bedarf geöffnet werden. Man zog den „Zapfen“, schreibt Heinrich Bischoff treffend. Das Wasser fließt dann ab und wird an im Ort verteilten Staustufen gestoppt – bevor es Wasserleitungen und Hydranten gab, ein effektives und einfaches Mittel.

Der Rehbach erhält sein Wasser aus drei Bächlein aus der Gemarkung Linsingen und teilweise aus dem Sendberg. Die Zuläufe aus dem Hausberg der Todenhäuser sind teilweise verrohrt, sodass sie nicht mehr ins Auge fallen und nur noch älteren Todenhäusern bekannt sein dürften. Auch Dränagen in den Feldern speisen das Bächlein.

Hochwasser überschwemmt Teile des Ortes

Während in anderen Dörfern Bäche bei größeren Baumaßnahmen oft verrohrt wurden, blieb dem Rehbach dieses Schicksal erspart. Nach wie vor schlängelt sich der Bach durch Todenhausen und teilt den Ort in zwei Hälften. Drei befahrbare Brücken und einige Fußgängerbrückchen überwinden das Gewässer. Im Zuge der Dorferneuerung wurde der Rehbach soweit wie möglich renaturiert. Steine sorgen für mehr Sauerstoff im Wasser und ruhigere Zonen. Flora und Fauna profitierten von der Maßnahme.

Viel Raum hat der Rehbach trotzdem nicht. Welche Folgen das haben kann, zeigte am 12. Juni 2007 ein Hochwasser. Starkregen über dem Nachbarort Linsingen ließ den Bach zu einem kleinen Flüsschen anschwellen. Das Wasser trat über die Ufer und überflutete Keller. Die Feuerwehr war im stundenlangen Dauereinssatz.

War es 2007 zu viel Wasser, ist es seit dem Hitzesommer 2018 zu wenig. In den Sommermonaten gleicht der Bach eher einen grünen Band, als einem Wasserlauf – ein deutliches Zeichen für Trockenheit und Dürre. Quellen, die den Bach bislang speisten, versiegen oft monatelang. (Matthias Haaß)

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