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Ein Lieferfahrer flieht betrunken vor der Polizei

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Verhandlung vor dem Amtsgericht: Ob bei einer Polizeikontrolle Vater oder Sohn am Lenkrad saßen, blieb am Ende offen.
Verhandlung vor dem Amtsgericht: Ein 64-Jähriger soll sich betrunken ein Auto-Rennen mit der Polizei geliefert haben. © Johannes Rützel

Ein 64-jähriger Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis erhält ein Fahrverbot. Er hatte betrunken Bestellungen ausgefahren.

Schwalmstadt – Ein 64-jähriger Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis musste sich vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten. Die Anklage lautete auf illegales Autorennen. Das Gericht sprach ihn in diesem Punkt frei. Aufgrund der anderen Vergehen wurde er allerdings zu einer Geldstrafe von 1350 Euro und einem Jahr Fahrverbot verurteilt.

Der Angeklagte soll an einem Abend Ende November 2021 betrunken durch einen Ort im Altkreis gefahren sein. Als eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife ihn kontrollieren wollte, habe er das Tempo erhöht und sei in diesem Moment rücksichtslos und grob verkehrswidrig gefahren, so die Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte sei ein Rennen mit der Polizei gefahren

Er habe unter anderem ein Stoppschild ignoriert und die Polizeisignale missachtet. Die Anklage sah darin begründet, dass sich der Angeklagte mit der Polizei ein Rennen geliefert habe. Die Streife konnte ihn schließlich stoppen und stellte einen Blutalkoholwert von 0,8 Promille fest.

An besagtem Abend habe er mit einem Lieferwagen Bestellungen ausgefahren, dabei habe es sich ergeben, dass er Bier trank, gab er unumwunden zu. Dass er vor der Polizei habe flüchten wollen, bestritt er. „Ich muss sagen, es tut mir leid, dass ich alkoholisiert gefahren bin, aber ich habe mit der Polizei kein Rennen geliefert.“ Er habe aufgrund der Beladung seines Fahrzeugs gar nicht so schnell fahren können. Außerdem habe er die Polizisten nicht bemerkt.

Polizisten vergleichen Fahrer mit Ex-Formel-1 Pilot

„Der ist gefahren wie Jacky Ickx“ (Anmerkung der Redaktion: ehemaliger belgischer Formel-1- Rennfahrer), gab einer der Polizisten zu Protokoll, die den 64-Jährigen kontrolliert hatten. Beide Beamte zeichneten das Bild einer rasanten Verfolgungsjagd durch den Ortskern. „Für die örtlichen Gegebenheiten sind wir schon am Anschlag gefahren“, berichteten sie weiter. Wie der Angeklagte Blaulicht und Martinshorn nicht bemerkt haben will, blieb der Polizei ein Rätsel.

Immer wieder verlor sich die Gerichtsverhandlung in Details. Der Fahrtweg des Angeklagten wurde genauestens nachgezeichnet und an jeder Kreuzung etwaiges Fehlverhalten beleuchtet. Die Verteidigung beschleunigte das Verfahren auch nicht. Unter anderem brachte sie das Argument vor, dass die Polizei den Angeklagten durch ihre Verfolgung zur Tempoverschärfung veranlasst habe.

4 Stunden Verhandlung, 1 Jahr Fahrverbot, 1350 Euro Geldstrafe

Nach der vierstündigen Gerichtsverhandlung entschied das Gericht, den Angeklagten wegen Trunkenheit am Steuer zu einer Geldstrafe von 1350 Euro und einem Jahr Fahrverbot zu verurteilen. Der Angeklagte habe sein Fahrvermögen aufgrund seines Alkoholkonsums falsch eingeschätzt und die Gefährlichkeit seiner Manöver unterschätzt.

Die Polizei, die er unmöglich übersehen habe können, habe den 64-Jährigen zwar motiviert schneller zu fahren, kennzeichnend für ein illegales Autorennen sei das nicht. Man könne die genaue Geschwindigkeit des Lieferwagens nicht mehr beurteilen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Von Philipp Knoch

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