Marburger Institut mischt Windkraftgegner-Szene auf

Ein Robin Hood für die Linsinger Wälder

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Linsingen und der Waltersberg: Im Waldgebiet rechts sind zwei Windräder im Genehmigungsverfahren.

Die Frielendorfer Windkraftgegner haben sich in einer MIO-Ortsgruppe zusammengeschlossen. MIO steht für Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie. Warum ist eigentlich so?

Sie nennen sich die „Windkraftskeptiker“ und die „Windkraft-im-Wald-Überdenker“. Es eint sie nicht nur der Widerstand gegen einen Windpark im Waldgebiet des Waltersberg bei Linsingen, sondern auch die Vereinigung in einer Ortsgruppe des Marburger Instituts für Ornithologie und Ökologie (MIO). Für diese private Vereinigung bringt sich als Vorsitzender der Marburger Ornithologe Prof. Dr. Martin Kraft ein.

Kraft tritt insbesondere in Verbindung mit Windschutzgegnern in Erscheinung 

Gibt man Krafts Namen oder den seines Instituts in eine Internetsuchmaschine ein, so taucht beides weniger mit ornithologischen Expertisen auf. Über Krafts Renommee als Wissenschaftler ist wenig zu erfahren. Ansprechpartner reden, wollen aber öffentlich nicht genannt werden.

Insbesondere im Zusammenhang mit Windkraftgegnern tritt Kraft in Erscheinung. Gern gesehener Redner ist er zum Beispiel bei „Gegenwind“-Initiativen im Bereich Marburg-Biedenkopf/ Vogelsberg. „Gegenwind“ zählt unter anderem zum „Vernunftkraft“-Netzwerk, das erst kürzlich in einem Beitrag des ARD-Magazins Monitor in die Nähe von Verschwörungstheoretikern gerückt wurde.

Vernunftkraft Hessen

Bereits im Juli hatte Kraft einen Vortrag im Frielendorfer Dietrich-Bonhoeffer-Haus vor Windkraft-Gegnern gehalten. Eingeladen dazu hatte auch „Vernunftkraft-Hessen“. Ein weiterer Redner, Dr. Stephan Kaula, zählt zum Vorstand von „Vernunftkraft-Hessen“. Gespielt wird mit Emotionen: „Mit unserer neuen MIO-Ortsgruppe Frielendorf werden wir gemeinsam gegen die bei Frielendorf geplanten Windräder kämpfen“, verspricht Kraft in seinem Facebook-Blog. Sein Herz schlage im Takt eines Robin Hoods für die Wälder, meint er dort in einem Beitrag: „Wir geben euch alles zurück, was euch die verblendeten Ideologen genommen haben.“ In dem sozialen Netzwerk ruft Kraft weiter die Frielendorfer zum Kampf gegen die Windkraft auf: „Wir werden dies aber mit sehr viel Sachverstand und Überzeugungskraft tun, um die herrliche Natur und alle Menschen vor diesen sinnlosen Vogelquirlen zu bewahren.“

Vogelschutzbeauftragter Kraft in Marburg

Kraft ist nicht mehr Marburgs Vogelschutzbeauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte. Auch ist sein fachlicher Sachverstand bei den anerkannten Naturschutzverbänden wie die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Nabu und dem BUND nicht mehr gefragt.

„Besonders auffällig ist diese spontane Wandlung der Natur in Planungsverfahren, wo die Bürgerinitiativen von dem Marburger Ornithologen Dr. Martin Kraft mit Gutachten versorgt werden“, heißt es beispielsweise in einer Pressemitteilung des BUND-Marburg-Biedenkopf. Auch bei der Ornithologen Gesellschaft spielt Kraft keine Rolle. Das spiegelt unter anderem das Programm deren Jahresversammlung wider. Die Ornithologen treffen sich in dieser Woche in Krafts Heimatstadt.

Methodik stimmt nicht

Für den 66-jährigen Ornithologen ist das alles nicht weiter verwunderlich. „HGON und Nabu schreiben ständig Gefälligkeitsgutachten für die Windkraft-Lobby“, ist er überzeugt. Auch aus der Ornithologen Gesellschaft sei er ausgetreten, bestätigt er dieser Zeitung. „Die Methodik stimmt nicht“, sagt er.

Nach Angaben von Volker Fenner, Sprecher der Linsinger Windkraft-im-Wald-Überdenker, vereinigen sich in der hiesigen MIO-Ortsgruppe circa 100 Menschen. Dem Verein MIO seien allerdings nur einige von ihnen beigetreten. Erst kürzlich hat die Gruppe einen Kurzfilm unter dem Titel „Nicht im Wald“ im Videoportal Youtube veröffentlich. Laut Fenner mussten 1500 Euro für das professionell gemachte Video aufgebracht werden, eigentlich sollte es 5000 Euro kosten. 2500 Menschen haben es sich inzwischen angesehen. Im Abspann des Films ist ein Spendenkonto des Marburger Instituts für Ornithologie und Ökologie im Namen der Frielendorfer Ortsgruppe genannt. Kraft: „Das Geld werden wir für unsere Arbeit verwenden.“

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