Ein Schwälmer Haus in Kassel

Handwerker errichteten Fachwerkgebäude für eine Gewerbeausstellung

1905 in der Karlsaue in Kassel für eine Jubiläums-Gewerbeausstellung errichtet: Seit 1906 steht das Schwälmer Haus im Kasseler Stadtteil Brasselsberg. Es ist in Privatbesitz.
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1905 in der Karlsaue in Kassel für eine Jubiläums-Gewerbeausstellung errichtet: Seit 1906 steht das Schwälmer Haus im Kasseler Stadtteil Brasselsberg. Es ist in Privatbesitz.

Im Kasseler Stadtteil Brasselsberg gibt es ein Haus, das dort als „Schwälmer Haus“ bekannt ist. Anlass für den Bau des Hauses war eine Jubiläums-Gewerbeausstellung im Jahr 1905.

Schwalm/Kassel. Die Gartenstadt ist nicht der erste Standort des schönen Fachwerkhauses. Es wurde nicht von der Schwalm aus nach Kassel verlegt. Nein. Errichtet wurde es zuerst in der Kasseler Karlsaue. Anlass für den Bau des Hauses war eine Jubiläums-Gewerbeausstellung im Jahr 1905.

Der Kasseler Dachdecker Friedrich Schneider engagierte sich damals in der Handwerker-Vereinigung Kassel und baute anlässlich der Gewerbeausstellung mit Kollegen aus der Vereinigung einen Nachbau eines Schwälmer Fachwerkhauses.

Bereits 1902 hatten die Handwerksmeister den „kühnen Entschluss gefasst, ein Schwälmer Bauernhaus aus eigenen Mitteln und mit eigener Hand so echt wie möglich“ in der geplanten Ausstellung zu errichten, heißt es im Brasselsberger Heft des Vereins Stadtteilkultur Brasselsberg. Die Aufgabe, der Umfang des Unternehmens und die damit verbundenen Kosten seien enorm gewesen.

Rund 45 Bau- und Handwerksleute sollen an dieser schwierigen und aufwendigen Arbeit beteiligt gewesen sein. Auch ein in Kassel bekannter Holzbildhauer war an den Arbeiten beteiligt. Es entstand ein zweistöckiges Wohnhaus in einer wuchtigen Holzkonstruktion mit echten und angedeuteten farbigen Schnitzereien. Die Kosten beliefen sich seinerzeit auf eine Summe von 9750 Mark.

Gastwirtschadt im Erdgeschoss

Pünktlich zur Eröffnung der Ausstellung, die über Juli und August lief, war das Schwälmer Haus vollendet und „übte seine Anziehungskraft auf Einheimische und Fremde aus“. Sogar Schwälmer sollen vor allem an Sonntagen angereist sein.

Im Erdgeschoss gab es eine Gastwirtschaft mit Außenbewirtung. Im oberen Stockwerk wurden neben typischen Schwälmer Gebrauchsgegenständen auch Gemälde von Carl Bantzer, Wilhelm Thielmann, Adolf Lins und anderen Schwälmer Malern gezeigt.

Nach der Ausstellung kaufte ein Fabrikant das Schwälmer Haus. Es sollte 1906 auf festem Fundament und mit einigen Erweiterungen an einem dauerhaften Standort neu errichtet werden.

Zu dieser Zeit wurde auch der Grundstein für die „Gartenstadt Brasselsberg“ gelegt. Zunächst sollte das Fachwerkhaus Wanderern als Raststätte dienen, wurde aber später als Bauernhof genutzt. Es ist noch immer in privatem Besitz. (Sylke Grede)

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