Stefan Becker führte in die Welt der Grimms

Eine amüsante Märchenstunde

Märchen: Der Schauspieler Stefan Becker schlüpfte bei seinem Gastspiel in Neukirchen in die Rolle des Wilhelm Grimm. Foto: Haaß

Neukirchen. Mit allerlei Tipps und Ratschlägen aus dem Grimmschen Haushalt begeisterte am späten Sonntagnachmittag der Schauspieler Stefan Becker alias Wilhelm Grimm in Neukirchen sein Publikum. Leider fanden nur knapp 20 Besucher den Weg in das angenehm kühle Märchenhaus gegenüber der Nikolaikirche. Umso mehr genossen die Anwesenden das einstündige Lesetheater.

Mit viel Spielfreude, ausgreifender Gestik und beeindruckender Mimik bezog Stefan Becker die Zuschauer von Beginn an in sein Spiel mit ein. Es hatte durchaus etwas von Ping-Pong, wenn sich der Theaterschauspieler in der Rolle des Wilhelm Grimm direkt an das Publikum wandte, um unter anderem kleine Rechenaufgaben zu stellen. „Bei den großen Zahlen hapert es in Neukirchen noch etwas“, so das Fazit des Grimm-Darstellers.

Über 30 000 Briefe

Erstmals gastierte der Schauspieler mit dem Soloprogramm in der Knüllstadt. Grundlage des Stückes waren Informationen aus über 30 000 Briefen, welche die Brüder Grimm im Laufe ihres Lebens geschrieben hatten. Auch das Märchen von den drei Spinnerinnen, der Bremer Stadtmusikanten und die jedem Horrorfilm zur Ehre reichende Urvariante von Rotkäppchen waren Teil des überaus amüsanten Märchennachmittags für Erwachsene. „Grimms Märchen“ sei dank vieler Leser in China mittlerweile das meistgelesene Buch der Welt, verriet Becker dem erstaunten Publikum.

Fast ein echter Grimm

Man konnte meinen tatsächlich einen der Grimm Brüder vor sich zu haben. Dringend riet der Schauspieler dem Neukirchener Publikum, die eigene Beerdigung bereits im Vorfeld zu planen und wegen des schlechten Salärs auf gar keinen Fall als Amtmann in hessische Dienste einzutreten.

Auf alle Fälle solle man aber nicht den Kopf in den Sand stecken, schließlich habe sein Bruder trotz abgebrochenem Studium in französischen Diensten später durchaus Wohlstand erlangt. „Vielleicht kommt Napoleon ja wieder“, erklärte Becker schmunzelnd.

In seiner Rolle als Wilhelm Grimm stellte Stefan Becker immer wieder den Bezug zur Gegenwart her und thematisierte so auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik: „Unsere Märchen sind ein Buch mit Migrationshintergrund.“

Wie im Fluge verging das kurzweilige und überaus fesselnde Programm. Mit Lachtränen in den Augen bedankten sich die Zuschauer bei Stefan Becker am Ende der Vorstellung mit herzlichem Applaus und verließen gut gelaunt das Märchenhaus. (zmh

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