Batterie geklaut: Gericht sah von Diebstahl mit Waffe ab

Treysa. Ein Prozess vor dem Amtsgericht Treysa wegen Diebstahls fand für den Angeklagten mit zwanzig Tagessätzen à zwanzig Euro ein relativ glimpfliches Ende.

Man kannte sich. Bereits zum dritten Mal stand der 43-Jährige wegen des Vergehens vor Gericht. Zweimal musste die Verhandlung verschoben werden: Beim ersten Mal fehlte die entscheidende Zeugenaussage und beim zweiten Mal musste sich der als Zeuge geladene Detektiv entschuldigen lassen.

Jetzt waren alle Protagonisten anwesend, und der mittlerweile in der Schweiz lebende ehemalige Kaufhausdetektiv hatte die Anreise auf sich genommen.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete Diebstahl. Im August vergangenen Jahres soll der 43-jähriger Bauschlosser aus dem Altkreis Ziegenhain in einem Drogeriemarkt eine Batterie im Wert von 4,95 Euro gestohlen haben. Die Tat wurde von dem Kaufhausdetektiv mittels Videokameras beobachtet und dokumentiert, der Täter auf frischer Tat ertappt.

Besonders pikant an der Geschichte: Bei der Tat soll der Mann laut Protokoll des Detektivs ein großes Klappmesser bei sich getragen haben. Damit wäre aus einem geringwertigen Diebstahl ein Diebstahl mit Waffen geworden, für den der Gesetzgeber bis zu sechs Monate Haft vorsieht.

Der 43-jährige Angeklagte stritt Tat und Waffenbesitz, wie bei den vergangenen Terminen, ab. Er habe weder Batterien geklaut noch ein Messer bei sich getragen. „Der Detektiv hat behauptet, ich hätte ein Messer. Da habe ich ihn ausgelacht. Das ist doch mein Arbeitswerkzeug“, erklärte der Mann und legte ein Multifunktionswerkzeug vor.

Da sich auch der Detektiv bei der Befragung nicht mehr an ein Messer erinnern konnte, ließ der Staatsanwalt den Vorwurf des Diebstahls mit einer Waffe fallen: „Das mit dem Messer glauben wir Ihnen.“

Blieb noch der Diebstahl der Batterien. Aufgrund der Videoaufzeichnung konnte der Detektiv den Vorfall sehr genau beschreiben. Der 43-Jährige sei am Tattag direkt zu dem Regal mit Batterien gegangen und habe sich verdächtigt verhalten. Danach habe eine Batterie gefehlt und diese Batterie sei bei dem Angeklagten gefunden worden, erinnerte sich der Detektiv.

Als der Angeklagte dazu erklärte: „Ich gehe doch nicht in einen Laden, klaue was und kaufe dann noch etwas. Das ist doch unlogisch“, erwiderte der erfahrene Kaufhausdetektiv trocken: „Doch! Das nennt man Alibikauf.“

Auch die Erklärung des Bauschlossers, er habe die Batterie vorher in einem anderem Geschäft gekauft, konnte das Gericht nicht überzeugen: „Es wäre doch sehr merkwürdig, wenn Sie genau so eine Batterie einstecken haben, wie sie fehlt“, befand der Vorsitzende Richter und verurteilte den 43-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro.

Auf Nachfrage beim Staatsanwalt bezüglich Aufwand und Nutzen eines solchen Prozesses erklärte dieser: „Es hat der Wahrheitsfindung gedient. Sechs Monate wegen Diebstahls mit Waffe oder 20 Tagessätze wegen einfachen Diebstahls sind doch für den Angeklagten ein himmelweiter Unterschied.“

Von Matthias Haaß

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