Ende droht im kommenden Jahr

Weberei Egelkraut in Trutzhain am Scheideweg

Am Scheideweg: Udo van der Kolk, Eigentümer der Weberei Egelkraut in Trutzhain, fürchtet das Ende des kleinen Unternehmens. Fotos: Haaß

Trutzhain. Die Weberei Egelkraut steht am Scheideweg. Spätestens im kommenden Jahr muss der Traditionsbetrieb in Trutzhain seine Tore schließen.

Der Fortbestand der Manufaktur steht auf dem Prüfstand. „Offiziell läuft der Mietvertrag Ende des Jahres aus, ich konnte ihn aber mündlich noch bis 2016 verlängern“, sagt der Inhaber der Weberei Udo van der Kolk.

Seit 2011 führt der 41-Jährige Deutschlands einzige Brokat-Weberei. „Den Betrieb habe ich übernommen, weil die Kinder von Helmut Egelkraut kein Interesse hatten“, erzählt van der Kalk. Insgesamt 20 Webstühle und -maschinen stehen für Webarbeiten zur Verfügung, darunter historische Jacquard- und Schaftwebstühle.

„Wir sind in Deutschland die Letzten, die so arbeiten.“

„Im Gegensatz zu großen Webereien können wir individuell Aufträge bearbeiten. Erst vor Kurzem habe ich Stoff für ein Mieder und zwei Westen produziert. Wir sind in Deutschland die Letzten, die so arbeiten“, erzählt Udo van der Kolk sichtlich stolz.

Einzigartige Manufaktur: Im Gegensatz zu großen Betrieben werden n der Weberei Egelkraut in Trutzhain Aufträge noch individuell bearbeitet. Fotos: Haaß

Heute sind in dem Betrieb neben van der Kolk ein Weber und eine Bürokraft beschäftigt. „Der Laden läuft, es gibt Aufträge“, freut sich der Firmeninhaber. Die Anfang der 1960 Jahre errichteten Produktionsgebäude entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik und müssten saniert werden. Alles in der Weberei versprüht einen musealen Charme. Darüber hinaus beabsichtigt der Sohn des ehemaligen Besitzers, die Hallen für eine Autowerkstatt zu nutzen.

Trotzdem sei das Verhältnis zwischen der Familie Egelkraut und ihm nach wie vor gut: „Es gibt keine schlechte Stimmung. Die Familie ist sehr kompromissbereit.“

Um die Expertise des Traditionsbetriebs zu erhalten, plant der Firmeninhaber den Umzug in den Knüllwälder Ort Berndshausen. Für Umbau und Umzug rechnet der 41-Jährige mit Kosten in Höhe von 500 000 Euro. Geld, das er nicht hat und das ihm Banken nicht geben wollen. Mit Ausnahme des Dorferneuerungsprogramms hat der Weber bislang auch keine Fördertöpfe gefunden, auf die er zugreifen könnte. „Es interessiert sich keiner für Industriekultur und alte Maschinen.“

Er habe schon über alles Mögliche nachgedacht, komme aber zu keiner Lösung. Ideal wären private Investoren, auch in Form von Kleinkrediten. „Ich will das Geld natürlich nicht geschenkt“, sagt der Unternehmer.

Einen Notfallplan hat van der Kolk in der Tasche: „Wenn der Neubau nicht finanzierbar ist, wird bei den historischen Maschinen zusammengestrichen.“ Dass es so weit kommen muss, möchte der 41-Jährige aber vermeiden: „Die Weberei Egelkraut ist eine Perle, die man nicht einfach sterben lassen darf.“

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