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Eine Schlägerei, die keine war, vor dem Amtsgericht Schwalmstadt

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Von: Johannes Rützel

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Drei Jahre Bewährung gab es am 20. Juli für einen 27-Jährigen. Erst am 8. Juni 2022 wurde er vom Amtsgericht wegen Körperverletzung verurteilt.
Drei Jahre Bewährung gab es am 20. Juli für einen 27-Jährigen. Erst am 8. Juni 2022 wurde er vom Amtsgericht wegen Körperverletzung verurteilt. © Johannes Rützel

Der Vorwurf der Körperverletzung gegen drei Angeklagte wurde fallengelassen. Ein Mann wurde dennoch zu vier Monaten Haft verurteilt.

Schwalmstadt – Am 20. Juli mussten sich zwei Männer, 29 und 27 Jahre alt, und eine 29-jährige Frau aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht Schwalmstadt in Treysa wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der Vorwurf der Körperverletzung gegen die Angeklagten wurde im Verlauf des Verfahrens fallengelassen.

Der 27-jährige Angeklagte wurde aber dennoch zu vier Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, verurteilt. Denn ihm wurden außerdem noch der Versuch der Nötigung, Bedrohung und Hausfriedensbruch nachgewiesen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft warf den drei Angeklagten vor, am 24. November 2021, zusammen einen am Boden liegenden 25-Jährigen getreten und geschlagen zu haben. Die Angeklagten bestätigten den Streit, es sei aber nicht zu Schlägen oder Tritten gekommen. Auch habe der 25-Jährige die Angeklagten im Vorfeld provoziert und beleidigt.

Richterin: „Das Verhalten des Zeugen war darauf ausgerichtet, eine Schlägerei zu provozieren.“

Die Aussage des 25-Jährigen Zeugen bestätigte die Angaben der Angeklagten. Der Zeuge räumte ein, es, nach einer Beleidigung seiner Freundin durch den 27-Jährigen, auf eine körperliche Auseinandersetzung angelegt zu haben. Er sei auch weder geschlagen, noch getreten worden und wurde auch nicht verletzt. Daraufhin wurden die 29-Jährige und ihr 29-jähriger Lebensgefährte vom Gericht entlassen. Sie wurden zwar nicht freigesprochen, die Kosten des Verfahrens trägt für sie dennoch die Staatskasse.

Andere Delikte wurden weiter verhandelt

Gegen den 27-Jährigen gab es allerdings noch weitere Vorwürfe. Er hatte im September 2021 einen Mann, dem er einen geringen Geldbetrag geliehen hatte, zu Hause aufgesucht, mit Schlägen gedroht und gegen die Haustür geschlagen.

Am Folgetag hat er ihm Beleidigungen und Drohungen per Sprachnachricht gesendet. Im Dezember 2021 hatte er außerdem trotz Hausverbot einen Supermarkt betreten.

Diese Vorwürfe räumte der 27-Jährige ein. Zu Gunsten des Angeklagten wurde gewertet, dass er geständig war und sich ausführlich eingelassen hat, außerdem während der Sprachnachrichten offensichtlich alkoholisiert war und vorher von seinem Schuldiger provoziert wurde. Da der Angeklagte auch sein Aggressionsproblem eingesehen hat, bescheinigte ihm Richterin Pöllmann eine positive Sozialprognose.

Der Angeklagte hat seine Kindheit in verschiedenen Heimen verbracht, die Schule ohne Abschluss verlassen. Außerdem nehme er regelmäßig Drogen, er sei daher erhöht haftempfindlich, stellte die Richterin fest. Zu seinen Lasten wurde das Vorstrafenregister mit 13 Vor- und Haftstrafen seit 2009 gewertet.

Vier Monate Haft wurden zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt. Der Mann muss für diese Dauer monatlich an einer Sucht- und Drogenberatung teilnehmen und ein Antiaggressionstraining absolvieren.

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