Erzählungen vom Menschen: Vereinigung Malerstübchen zeigt Werke von Wilhelm Thielmann in der Kunsthalle

Einfühlsamer Maler mit viel Humor

Thielmann-Ausstellung in der Kulturhalle: Kuratiert wurde die Ausstellung von Kati Werkmeister, hier mit dem Vorsitzenden der Vereinigung Malerstübchen Helmut Geißel. Foto: Rose

Willingshausen. „Erzählungen vom Menschen“ heißt eine neue Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen, initiiert von der Vereinigung Malerstübchen, die am Samstagnachmittag eröffnet wurde. Dass die Ausstellung mit Werken von Wilhelm Thielmann gelang, war im Vorfeld fraglich gewesen.

„Geplant war die Bilderschau bereits für 2013. Im vergangenen Jahr strich uns der hessische Museumsverband die Förderung. Und für einen kleinen Verein wie uns wäre das alleinige finanzielle Risiko zu groß gewesen – zumindest wären, wenn Prof. Dr. Bernd Küster die Ausstellung kuratiert hätte, etwa 10 000 Euro auf uns zugekommen“, erläuterte der Vorsitzende Helmut Geißel. Seit der Hauptversammlung im Juni sei Küster zudem nicht mehr im Vorstand. Die Mitglieder hätten sich erst vor wenigen Wochen dazu entschieden, die Ausstellung „allein zu packen“.

Das Ergebnis vieler fleißiger Hände – vor allem auch Fahrer, die die Exponate vom Schwarzwald bis zur Ostsee in die Schwalm holten – kann sich sehen lassen: Bis Ende November zeigt der Verein die Werke Thielmanns, die überwiegend aus Privatbesitz und Sammlungen stammen. Ausschließlich drei Werke sind aus Museen entliehen. Kuratiert hat die Ausstellung Kati Werkmeister. „Sie sehen hier viele Werke aus dem Nachlass erstmals öffentlich – und das wird nicht alle Tage wieder passieren“, erklärte die Leiterin der Kunsthalle. Die Schau widme sich den Porträts und Genredarstellungen.

„Thielmann konnte sich besonders gut in das Wesen und den Charakter der dargestellten Menschen hinein fühlen“, erklärte Werkmeister. Schon als Kind habe er kleine Porträts seiner Freunde angefertigt.

Der als Zeichenlehrer in Kassel tätige Künstler ließ sich 1903 in Willingshausen nieder. Thielmann galt als humorvoll und offen. Mit dem Maler Hermann Kätelhön verband ihn eine tiefe Freundschaft. „Kätelhön war bei Thielmanns Hochzeitsreise dabei“, sagte Helmut Geißel. Seine Frau Alexandra eröffnete im Ort eine Stickschule. Thielmann widmete sich künstlerisch den Dorfbewohnern, die ihn in ihren Trachten faszinierten.

Werke gingen nach Berlin

Die Malerei sicherte das Einkommen: Früh habe Thielmann Werke verkauft, nach Kassel und Berlin, so Werkmeister. Immer habe er sich einer künstlerischen Freiheit bedient, etwa beim Bild „Nach der Taufe“ von 1916. „Die Szene ist nicht authentisch, weil die Abgebildeten diese Kleidung nie zu einer Taufe getragen hätten“, erklärte die Kunsthistorikerin.

Thielmann habe Motive bewusst selbst komponiert. Was alle Figuren kennzeichne, seien die ausdrucksstarken Gesichtszüge. „All diese Werke lassen sich als Erzählungen vom Menschen bezeichnen.“

Von Sandra Rose

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