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Eisenbahnfreunde holen historische Technik in die Schwalm

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Von: Matthias Haaß

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Die Eisenbahnfreunde konnten eine Lok als Dauerleihgabe in die Schwalm holen. Am Samstag kann die Dampflokomotive in Treysa besichtigt werden.
Die Eisenbahnfreunde konnten eine Lok als Dauerleihgabe in die Schwalm holen. Am Samstag kann die Dampflokomotive in Treysa besichtigt werden. © Eisenbahnfreunde Treysa

Dampfloks üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Die stählernen Ungetüme begeistern durch ihre Größe und die ursprüngliche Technik.

Treysa – In Treysa steht jetzt wieder eine Dampflokomotive unter Dampf. Die Eisenbahnfreunde konnten eine 1943 gebaute Lok als Dauerleihgabe in die Schwalm holen. Damit wird eine Lücke im Bestand geschlossen.

„Wegen Corona und Kostensteigerungen wurde es bald klar, dass wir unser Ziel der betriebsfähigen Aufarbeitung unserer vereinseigenen Dampflok „52 8106-0“ bis zu unserem Vereinsjubiläum im nächsten Jahr nicht schaffen können“, erklärt Andre Heide, Technischer Leiter der Eisenbahnfreunde.

Das Problem: Während der Hochphase der Coronapandemie konnten die Eisenbahnfeunde Treysa keine Fahrten organisieren und dementsprechend auch keine Einnahmen generieren. Man habe fast 100 Prozent Ausfall gehabt, der entstandene Fehlbetrag bewege sich im sechsstelligen Bereich, berichtet Andre Heide im Gespräch mit der HNA. Geld, das für die Sanierung der 52 8106-0 fehlt.

Andre Heide Eisenbahnfreunde Treysa
Andre Heide Eisenbahnfreunde Treysa © Dörhöfer, Regina

Eisenbahner würden sich über mehr Zulauf freuen

Kaum zu glauben, auch das 9-Euro-Ticket wirkte sich negativ aus. „Wer will denn dann bei uns noch Zug fahren“, so Heide. Viele Menschen verzichteten auf die in ihren Augen teure Fahrt im Nostalgiezug und fuhren stattdessen mit der normalen Bahn. Es habe sogar Leute gegeben, die dachten, sie könnten mit dem 9-Euro-Ticket mitfahren, berichtet der Verein.

Auch mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, der Finanz- und Energiekrise habe man sicher daher dazu entschlossen, den Zeitplan für die Sanierung der vereinseigenen Lok zu strecken. „Man weiß ja nicht was kommt – es ist eine schwierige Zeit. Aktuell scheut man sich als Verein, große Investitionen zu machen.“

Damit stehen die Treysaer Eisenbahnfreunde aber nicht allein dar. Landauf landab haben Betreiber von historischen Loks mit ähnlichen Problemen zu kämpfen – und genau das kam den Schwälmer Dampflokenthusiasten nun zu Gute. Die Stadt Goslar ist im Besitz einer Dampflok, die bislang von der Interessensgemeinschaft „Werrabahn Eisenach“ betrieben wurde. Als die Eisenacher die Lok nun abgeben wollten, sprangen die Treysaer kurzfristig ein.

Die Lok fuhr bis in die 1980er Jahre in der DDR

In enger Zusammenarbeit und vielen Gesprächen mit dem bisherigen Betreiber, der Lokmannschaft und dem Besitzer sei es gelungen, die Dampflok für mehrere Jahre zu übernehmen und somit die Dampflok 52 1360-8 dauerhaft in Treysa zu beheimaten, freuen sich die Verantwortlichen. Die Überführung in die Schwalm habe vier Stunden gedauert, berichtet Andre Heide.

Die Dampflok 52 1360-9 sei relativ baugleich zur vereinseigenen Lok, so der Technische Leiter: „Wir kümmern uns um den Unterhalt und halten sie technisch in Schuss.“

Öffentliche Vorstellung am Sonntag, 11. September

Hersteller waren die Borsig-Lokomotiv-Werke. Mit Baujahr 1943 handelt es sich um eine sogenannte Kriegslokomotive. Nach dem Krieg fuhr die Dampflokomotive für die Deutsche Reichsbahn bis in die 1980er-Jahre in der DDR – nun ist sie in Treysa angekommen und soll am Sonntag, 11. September, am Tag des „Offenen Lokschuppens“ der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wenn bis dahin alle Formalien erledigt sind, wolle man die Dampflok auch fahren lassen. „Sie fährt den Zubringer, wenn alle behördlichen Genehmigungen vorliegen.“ Die Lok ist in Treysa übrigens keine Unbekannte und Bahnbegeisterte werden sie erkennen.

Man habe die 52 1360-8 bereits in der Vergangenheit für Nostalgiefahrten genutzt, sagt der Technische Leiter. Von der neuen Maschine im Fuhrpark erhoffen sich die Eisenbahnfreunde jetzt mehr Flexibilität bei Planung. Nun sei es möglich, Fahrten – auch für Betriebe und Vereine – mit einer ständige verfügbaren Dampflok zu organisieren, sagt Andre Heide.

Homepage: eftreysa.de

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