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„Es ist nicht vorhersehbar“: Engpässe bei Medikamenten – Apotheker aus dem Kreis alarmiert

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Apotheker, Ärzte und Patienten im Schwalm-Eder-Kreis sind alarmiert. Immer mehr Medikamente sind nicht mehr zu bekommen.

Schwalm-Eder –„Es ist nicht vorhersehbar, bei welchen Medikamenten Lieferschwierigkeiten auftreten“, berichtet Dr. Bernd Adam, Inhaber der Stadtapotheke in Treysa. „Das hat in den vergangenen fünf Jahren ständig zugenommen, die Industrie hat ihre Produktion nach Asien verlegt. Das spüren wir jetzt.“ Lieferketten sind wie bei vielen anderen Alltagsprodukten gestört. Teilweise ist das Medikament zwar vorhanden, jedoch fehlen Verpackungsmaterial, Dosierungshilfen oder Papier für Beipackzettel.

Alexander Gerhold von der St. Martinapotheke in Fritzlar: „Zu Beginn des Ukrainekrieges war die Solidarität der Menschen überwältigend. Arzneispenden haben zusätzlich die Lager geleert.“

Medizinische Versorgung in der Krise: Verband warnt vor Lieferengpässen bei Medikamenten.
Auch im Schwalm-Eder-Kreis sind Apotheker angesichts von Engpässen bei Medikamenten alarmiert. (Symbolfoto) © IMAGO-Images/Wolfgang Maria Weber

Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten im Schwalm-Eder-Kreis: Apotheker alarmiert

Ein weiterer Grund für die Lieferschwierigkeiten ist, dass es durch die Maskenpflicht Erkältungswellen in den vergangenen Jahren praktisch nicht gab. „Die Hersteller haben Produktionskapazitäten zurückgefahren“, erklärt Adam. Eva Seitz von der Aesculap Apotheke in Melsungen hatte sich und ihre Apotheke schon für das Schlimmste vorbereitet. „Wir waren kurz davor, Fiebersäfte für Kinder selber herzustellen. Die Grundsubstanzen haben wir besorgt, die sind mittlerweile auch nicht mehr lieferbar. Fiebersäfte haben wir jetzt wieder vorrätig.“

„Herstellung lohnt sich nicht“

Derzeit sind fast 300 fehlende Medikamente vom Bundesministerium für Gesundheit ausgewiesen. Es fehlen teilweise einzelne Packungsgrößen, aber auch gesamte Wirkstoffe. Die meisten der fehlenden Medikamente sind Generika, also Arzneien, die keinen Patentschutz mehr haben. Sie können von jedem Pharmahersteller produziert und vertrieben werden. „Die Gewinnmarge der Produzenten liegt bei wenigen Cent, die Herstellung lohnt sich nicht“, sagt Timo Henkel.

Die Behandlungssicherheit ist laut Dr. Axel Figge, Sprecher des Hausärzteverbandes im Schwalm-Eder-Kreis, gegeben. „Aber natürlich ist es nicht ideal, andere Medikamente zu verschreiben, wenn Patienten und ihr Körper an ein bestimmtes Medikament gewöhnt sind.“

Bei Medikamenten-Mangel: Mit weiteren Lieferengpässen wird gerechnet

Wenn bestimmte Medikamente nicht vorrätig sind, bieten die Apotheken Produkte von anderen Herstellern oder andere Packungsgrößen an. „Manche sind verunsichert, wenn ihre Medikamentenpackung ein anderes Aussehen hat. Aber die allermeisten Kunden akzeptieren die Alternativen“, berichtet Timo Henkel, Inhaber der Sternapotheke in Homberg.

Bernd Adam Stadtapotheke Treysa
Bernd Adam Stadtapotheke Treysa © Philipp Knoch

Alle Befragten gehen davon aus, dass sich die Lieferengpässe in Zukunft fortsetzen werden. (Philipp Knoch)

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