Warum ihm das Knülldorf so am Herzen liegt

Erbe als Dankeschön: Werner Lehmann vermachte Grebenhagen knapp 80.000 Euro

Vererbte Grebenhagen viel Geld: Werner Lehmann, wie ihn wohl die meisten Grebenhagener in Erinnerung haben. Foto: privat

Grebenhagen. 57 Jahre, einen Großteil seines Lebens, war Werner Lehmann Teil der Familie Ide und der Dorfgemeinschaft in Grebenhagen. Mit 77 Jahren starb er am 30. Mai 2017 im Hospiz in Gilserberg. Dem Schwarzenbörner Stadtteil vermachte er knapp 80.000 Euro.

Lehmann hat sich im Ort wohlgefühlt und das Erbe ist ein Dankeschön dafür, dass ihn die Grebenhagener so akzeptiert haben, wie er war. Wer war dieser Mann und warum liegt ihm das Knülldorf auch nach seinem Ableben so am Herzen?

Am 5. Januar 1940 in Berlin-Charlottenburg geboren, kam Lehmann 1956 nach Hephata in das dortige Lehrlingsheim, Abteilung Landwirtschaft. Im April 1960 folgte der Umzug nach Grebenhagen. Auf dem Bauernhof von Konrad und Elisabeth Ide fand der damals 20-Jährige Anstellung und Heimat.

Nach dem Tod von Konrad Ide übernahm Sohn Hans-Wilhelm Ide die Betreuung und kümmerte sich infolge auch um die Rentenangelegenheiten des Landwirtschaftshelfers. Die Geburtsurkunde aus Ostdeutschland zu bekommen sei 1987, damals gab es die DDR noch, eine mittlere Katastrophe gewesen, erinnert sich Ide und fügt mit Blick auf die Hephata-Akte nachdenklich an: „Das hier ist ein Menschenleben.“

Für den 77-Jährigen war Grebenhagen der Lebensmittelpunkt. Aus eigenem Antrieb heraus kümmerte er sich – neben seiner Arbeit auf dem Bauernhof – um das Ortsbild seines Dorfes. Er kehrte die Straße, zupfte Unkraut und stellte auch mal die Mülltonnen zurück. Ordnung sei ihm wichtig gewesen, erzählt Dr. Ide. Durch seine legendäre Neugier hatte der Grebenhagener immer alles im Blick und ging manchmal auch ohne Einladung auf eine Geburtstagsfeier. Sein unermüdlicher Einsatz für das Dorf brachte Lehmann bei seinen Mitmenschen Respekt und Anerkennung ein. „Er gehörte in Grebenhagen einfach zum Inventar“, bringt es Ide auf den Punkt.

Vom Kopf her vielleicht nicht der Schnellste und mit 55 Kilo Gewicht auch nicht der Stärkste, sei er auf seine Art ein Macher gewesen, betont Ide: „Im Rahmen seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten hat er von sich aus viel für die Gemeinde gemacht. Wir haben viele Mitbürger, die geistig und körperlich viel stärker sind und von sich selbst aus nichts machen, nichts tun und nach der Gemeinschaft rufen. Werner hat etwas gemacht, ohne dass er gerufen wurde.“

Mit der Nachlassverwaltung wurde nun Dr. Hans-Wilhelm Ide betraut. In Zusammenhang mit dem Erbe gebe es lediglich eine Auflage, erklärte er: „Das Geld muss für Grebenhagen verwendet werden.“ Ide bittet darum, für Werner Lehmann eine Gedenktafel in Grebenhagen anbringen zu lassen.

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