Die gebürtige Alsfelderin hat 52 Schwälmer Puppen in Tracht hergestellt

Erika Decker lüftet die Geheimnisse ihrer Puppensammlung

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Puppenausstellung im Dorfmuseum: Erika Decker neben Hochzeitsgästen in alter Tracht, erstellt nach einem Bild von Gerhardt von Reutern. 

Holzburg. Zu einer Extraausgabe des „Erzählcafés - Geschichten aus alter Zeit“ hatte Heidrun Merk am späten Sonntagvormittag in das Schwälmer Dorfmuseum geladen. 

Erika Decker, die Schöpferin der 52 Schwälmer Puppen, die als Dauerleihgabe im großen Saal des Museums ausgestellt sind, erzählte, dass sie schon als Mädchen von der Farbenpracht der Schwälmer Gewänder begeistert war.

„In Alsfeld besuchten uns die Schwälmer regelmäßig zum Prämienmarkt und aßen bei meiner Mutter selbst gebackenen Streuselkuchen“, erinnerte sich die 90-Jährige. „Nur die Kittel der Männer fand ich sonderbar.“

1956 bat die Leiterin des Roten Kreuzes die gelernte Technische Zeichnerin und studierte Sozialpädagogin, für die Weltkonferenz in Lima ein Puppenpärchen in Schwälmer Tracht herzustellen. Erika Decker informierte sich über die typischen Merkmale der Tracht und schickte ihre zwei Puppen rechtzeitig an das Rote Kreuz. „Ausgestellt wurden meine Schwälmer Puppen jedoch nicht, denn sie sind irgendwo verloren gegangen“, sagte Decker.

Begleiter gebastelt

Der Verlust weckte in ihr den Wunsch, sich ein eigenes Schwälmer Mädchen – das klassische Rotkäppchen – zu nähen, doch kam sie erst im Ruhestand 1988 dazu. „Da stand dann mein Mädchen ganz allein und einsam im Schrank, deswegen bastelte ich ihr einen Begleiter“, sagte die Rentnerin rückblickend. So begann ihr neues Hobby. Im Laufe der nächsten 23 Jahre erstellte die Alsfelderin eine Puppensammlung unter dem Motto „Die Schwälmer Tracht von der Wiege bis zur Bahre“. Sie besuchte Schwälmerinnen in Merzhausen, Willingshausen und weiteren Orten und ließ sich in die Geheimnisse der Schwälmer Tracht einweihen.

„Marikott Knoch aus Merzhausen war für mich eine unerschöpfliche Informationsquelle“, so Decker. Die Hobbypuppenmacherin erlernte die speziellen Strickmuster für die Handschuhe und ließ sich von einem Enkel extra kleine Stricknadeln fertigen. Anfangs kaufte sie die Puppen, später nutzte sie nur noch die Puppenkörper und bastelte die Köpfe selbst, da ihr die Puppenköpfe gerade für die älteren Trachtenträger zu niedlich schienen.

„Einer meiner Enkel schenkte mir sogar zum Geburtstag seine abgeschnittenen Haare für meine kleinen Schwälmer“, berichtete Erika Decker. Sie erstellte maßstabsgerechte Schnittmuster für die Knöpfhose, die Kittel, die Westen, die Röcke sowie alle weiteren Kleidungsstücke und erlernte die Technik, wie die Schwälmer Knöpfe gewickelt werden. Auf Flohmärkten und von Privatleuten erstand sie originale Trachtenteile, Bänder und Leinen. „Insgesamt habe ich bestimmt knapp 10 000 Euro ausgegeben“, sagte Decker.

Mit einem Rundgang durch den großen Saal und vielen Anekdoten zu ihren Puppen endete das Erzählcafé.

Zur Person: 

Erika Decker, geborene Hartmann, erblickte am 30. Juli 1926 in Alsfeld das Licht der Welt. Nach der Schule erlernte sie auf Wunsch ihres Vaters als erstes Mädchen in Alsfeld den Beruf der Technischen Zeichnerin. Später studierte sie Sozialpädagogik und arbeitete an der Schule für Behinderte in Oberbreitenbach. Sie ist verwitwet, hat drei Kinder, sieben Enkel und fünf Urenkel. Sie wohnt in Reibertenrod. 

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