Eule war Namensgeberin

Dorfbäche im Altkreis Ziegenhain: Die Aula im Knüll

Heinz Herget zeigt den historisch ursprünglichen Entstehungsort: Der Wiesengrund galt lange Zeit als der Geburtstort der Aula.
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Heinz Herget zeigt den historisch ursprünglichen Entstehungsort: Der Wiesengrund galt lange Zeit als der Geburtstort der Aula.

Entscheidend für den Standort einer Siedlung war oft die Verfügbarkeit von Wasser. Viele Dörfer liegen darum an einem Bach. In unserer kleinen Serie schauen wir uns die Gewässer genauer an.

Oberaula. Wo Häuserbach und Hollenbach sich küssen, sie ihren Namen büßen müssen. Analog zum berühmten Gedicht der Vereinigung von Fulda und Werra bei Hannoversch Münden zum Weserfluss, kann man auch die Geburt der Aula poetisch beschreiben. Jedenfalls wenn es nach Heinz Herget geht. Der Ortschronist und gebürtige Oberaulaer erzählt den Geburtsort der Aula anders als das neueste Lexikon. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Aula erst ab dem Wiesengrund unterhalb von Oberaula als Fluss aufgezeichnet. Erst eine neuere Wanderkarte von 1911 benennt die Aula schon im oberen Hollenbachtal.

Jedenfalls wendet sich die Aula, die wohl die Namensgeberin von Oberaula sowie Niederaula war, gen Osten. Ihr Flussbett ist natürlich belassen. Das Gewässer schlängelt sie sich durch das Aulatal des FFH-Schutzgebietes bis nach Wahlhausen, wo sie unterhalb der Mühle entlang plätschert.

Wieder könnte man poetisch werden, so idyllisch weilt sie zwischen hohem Gras entlang satter Wiesen. Nach Wahlshausen verlässt sie den Schwalm-Eder-Kreis und fließt in den Kreis Hersfeld-Rotenburg weiter nach Osten. Sie durchfließt Kirchheim und nimmt die rechts zufließende Ibra auf.

Im weiteren Verlauf unterquert sie die A 7 und erreicht die Gemeinde Niederaula. Danach fließt sie westlich an Niederaula vorbei, um in die Fulda zu münden. Auf ihrem 20 Kilometer langen Weg hat die Aula einen Höhenunterschied von 166 Metern überwunden.

Der Name Aula kommt begrifflich von Eule und wurde wahrscheinlich abgewandelt, erzählt Herget. In Oberaula selbst gibt es ein Geflecht aus Zuflüssen und Mühlengräben, teils verrohrt. Dafür wurde eine Brücke gebaut, die über den Osterbach führt. In den Folgejahren kam es immer wieder zu einem Streit, weil Hochwasser und Eis vor der Brücke stauten und Wasser in den Keller der benachbarten Apotheke – heute Gasthaus zur Alten Post – eindrang. Auch bei Eislieferungen zur Kühlung von Lebensmitteln im Sommer wurden Reste immer in den Osterbach geworfen. In der Vergangenheit gab es viele Mühlen, unter anderem die Kirchhofsmühle und Wiesenmühle, die von der Aula betrieben wurde und wo sich nun der Edeka-Markt befindet.

Die Knüllbahn fuhr lange Jahre Seite an Seite mit der Aula. Am 22. August 1977 brach der Staudamm des Kirchheimer Sees. Der Stauinhalt von 500 000 Kubikmetern Wasser ergoss sich in einer hohen Flutwelle ins Tal von Ibra und Aula, insbesondere durch die Dörfer Reimboldshausen, Gershausen, Kirchheim, Kleba und Niederaula zur Fulda.

Es entstand ein Gesamtschaden in Höhe von 30 Millionen Mark. In der Folge wurde die Knüllbahn zwischen Niederaula und Oberaula still gelegt. (Christine Thiery)

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