Gaunertrio bestahl Rauschgifthändler – Das Geld war für einen Täufling

Falsche Polizei schlug zu

Treysa. Ein vor dem Schöffengericht in Treysa verhandelter Fall hätte durchaus auch aus der Feder eines Autors für Vorabendkrimis stammen können. Der schwere gemeinschaftliche Diebstahl bot Action, Verrat, eine Prise Humor und enttäuschte Liebe.

Laut Anklageschrift hatte ein Gaunertrio aus Baden-Württemberg im vergangenen Jahr im Altkreis Ziegenhain einem Kleindealer rund 2200 Euro gestohlen.

Dabei gaben sich die Männer als Kriminalpolizisten aus. Bei einer fingierten Wohnungsdurchsuchung im Frühsommer fielen dem Trio Geld und Schmuck in die Hände. Um die Tat durchführen zu können, hatten die Täter zuvor Dienstausweise und einen Durchsuchungsbefehl gefälscht, erklärte der Staatsanwalt.

Alle polizeibekannt

Da sich der Rädelsführer der Bande wegen schweren Raubes bereits vor einem anderen Gericht verantworten musste, erschienen nur zwei Täter zur Verhandlung. Bei dem einen Mann handelte es sich um einen 37-jährigen Stuckateur, bei dem anderen um einen 59-jährigen Autohändler. Beide Männer waren keine unbeschriebenen Blätter und standen zur Tatzeit unter Bewährung.

Die zwei Möchtegernpolizisten gaben den Diebstahl zu und berichteten dem Gericht bis ins letzte Detail den Hergang der fingierten Hausdurchsuchung. Hierbei tat sich besonders der ältere der beiden Männer als durchaus eloquenter Wortführer hervor.

Eigentlich habe er nur einen Bekannten nach Hessen fahren wollen. Sein Freund sei nur mitgefahren, weil er nicht alleine zurückfahren wollte. Erst bei der Freundin des Haupttäters habe man von dem Tatplan erfahren. 20 000 Euro Beute hätten im Raum gestanden, sagte der 59-Jährige: „Wir haben uns halt breit schlagen lassen.“

Angesichts des offiziellen Anscheins verlief der Diebstahl bei dem Kleindealer reibungslos, berichtete der bei der Tat unter den Namen Oberkommissar Fernandez Mirosch auftretende Autohändler: „Der war ja dann sehr kooperativ.“

Nach der Aktion habe jeder 600 Euro bekommen, sagte der ältere Angeklagte und sein Kumpel nickte zustimmend.

In Anbetracht der laufenden Bewährungsstrafe sei das doch nicht wirklich helle gewesen, kommentierte der Staatsanwalt den geringen Betrag: „Da hält man doch die Füße still.“

Als die Männer erfuhren, dass es sich bei ihrer Beute um das Taufgeld eines Kindes handelte, fühlten sie sich bei der Ehre gepackt und gaben das Geld größtenteils wieder zurück. Während des Verfahrens stellte sich aber heraus, dass die gut gemeinte Geste den Kleinen nie erreicht hat. Der Haupttäter sackte das Geld ein.

Dass die Tat im Milieu relativ schnell aufflog, war der Ex-Freundin des Rädelsführers zu verdanken. Beim Putzen fand die 44-Jährige einen USB-Stick mit den gefälschten Dienstausweisen und brachte ihn umgehend zur Polizei. „Auf dem Stick habe ich etwas gesehen, was sich nicht gehört. Das war ein Verbrechen“, sagte sie als Zeugin aus.

Für die Tat verurteilte das Gericht die Männer zu zwei Jahren Haft, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Darüber hinaus muss das Duo den Schaden wieder gutmachen.

Von Matthias Haaß

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