1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schwalmstadt

Gesundes Grünland, gesunde Kühe

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Hier helfen alle mit: Um das Mähen, Wenden, Schwaden und Verdichten des Grünlandes und der Grassilage kümmert sich Familie Rathjens auf ihrem Hof in Neukirchen-Asterode selbst.
Hier helfen alle mit: Um das Mähen, Wenden, Schwaden und Verdichten des Grünlandes und der Grassilage kümmert sich Familie Rathjens auf ihrem Hof in Neukirchen-Asterode selbst. © Privat

5 Uhr morgens. Ein monotones Summen mischt sich unter das aufgeregte Gezwitscher der Vögel. Es ist noch empfindlich kalt an diesem Maitag. Aber das ist auch gut so, denn nur so kann die Drohne mit Wärmebildkamera sehen, ob sich im Grünland von Familie Rathjens ein Rehkitz versteckt hat. Doch in der Wiese ist nichts – grünes Licht also für den ersten Schnitt in diesem Jahr.

Um 7 Uhr geht es los. Das Mähwerk setzt an und schneidet das Gras sieben Zentimeter über der Bodenoberfläche ab. „So viel muss stehen bleiben, damit das Gras wieder schnell austreibt und nicht so viel Dreck, also Rohasche, in dem Mähgut landet,“ erklärt Roland Rathjens. Auf insgesamt 60 Hektar Grünland, verteilt auf Asterode, Olberode und Schorbach, lässt er Gräser, Kräuter und Leguminosen wachsen, die als Grassilage den 160 Milchkühen auf dem Hof als hochwertiges Futter dienen. Der erste Schnitt erfolgt etwa Mitte Mai, vor dem Ähren- und Rispenschieben der Hauptbestandsbildner. Auf der Fläche vor dem Stall wachsen unter anderem Wiesenschwingel und deutsches Weidelgras und ein bisschen Klee – die besten Voraussetzungen für eine nährstoffreiche Grassilage.

„Das hochwertige Futter entsteht auch durch die gute Auswahl an Gräsern – wo Lücken entstehen, durch Hitze oder Frost, wird sofort nachgesät“, sagt Anika Rathjens, die den Hof gemeinsam mit ihrem Mann, ihren Eltern und dem gesamten Team an Mitarbeitern und Aushilfskräften bewirtschaftet. Gedüngt wird entzugs- und bedarfsgerecht mit allem was laut aktueller Bodenprobe gerade fehlt – mit Stickstoff, Phosphor, Kali, Schwefel und Magnesium.

Ist das Grünland abgemäht, wird es etwa nach einem halben Tag noch einmal gewendet und geschwadet, damit das gesamte Schnittgut den gleichen Anwelkgrad hat. Am nächsten Tag kann das Schnittgut dann eingefahren, also geerntet werden. „Das Schnittgut sollte dann zwischen 30 und 40 Prozent Trockenmasse haben, damit der Gärprozess richtig in Gang kommt“, sagt der Landwirt.

Mit dem Feldhäcksler wird Schwade für Schwade abgearbeitet – die Gräser werden kleingehäckselt und direkt auf bereitgestellte Abtransportgespanne gepustet. Ist ein Hänger voll, geht es Richtung Silo. Dort wird das Schnittgut vom Transportgespann abgeladen.

„Wir bringen einzelne Schichten auf, die nicht höher als 30 Zentimeter sind. Das Mähgut wird auf der ganzen Länge des Silos, das sind bei uns etwa 50 Meter, verteilt“, erklärt Rathjens. Dann wird es direkt verdichtet. Ein schwerer Schlepper, oder eine sogenannte Silowalze, fährt über die Schicht und drückt so die Luft heraus. Erst wenn die Schicht richtig verdichtet ist, kann die nächste Schicht kommen. Bei den betrieblichen Strukturen auf dem Hof dauert das Ernten der 60 Hektar Grünland etwa einen Tag. Das Mähen, Wenden, Schwaden und Verdichten macht die Familie selbst. Das Einfahren übernimmt ein Dienstleister.

Es ist 21.30 Uhr als endlich der letzte Anhänger mit Gras abgeladen und verdichtet ist. Das Abdecken erfolgt möglichst zeitnah, spätestens jedoch am nächsten Morgen. Mit größter Sorgfalt wird die Grassilage luftdicht abgedeckt. Zuerst kommen UV-beständige Abdeckfolien auf das Mähgut, dann wird ein Krähenschutzgitter darübergelegt. „Das Krähenschutzgitter ist wichtig, denn die Krähen hacken sonst Löcher in die Folie und der Gärprozess wird durch die einströmende Luft empfindlich gestört“, erklärt Anika Rathjens.

Wenn alles gut abgedichtet ist, muss das Silo für mindestens sechs bis acht Wochen geschlossen bleiben, bis das Futter für die Kühe entnommen werden darf. Nach etwa sechs Wochen kann Rathjens bereits eine Probe entnehmen und diese beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen untersuchen lassen. An diesen Werten richtet sich die Ration für die Kühe aus. „Unsere Kühe sind besser ernährt als mancher Mensch“, lacht Anika Rathjens.

Und tatsächlich: Die Erfahrung zeigt, dass sich der Aufwand lohnt. Die Kühe auf dem Hof strotzen vor Gesundheit, leben länger und produzieren viel, aber vor allem gehaltvolle Milch. „Das ist für uns das Allerwichtigste: wir wollen gesunde Kühe und gesunde Milch“, ist sich das Ehepaar einig. (ebi)

Sonderveröffentlichung „Landwirtschaft in Nordhessen“

Ausgabe Kassel als PDF

Ausgabe Schwalm als PDF

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.
Die Redaktion