Gegen Änderung beim Betreuungsgeld: Familien sind fassungslos

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Schwalmstadt. Die geplanten Änderungen in der städtischen Kinderbetreuung bringen Eltern auf die Barrikaden.

Die Gebühren sollen steigen, der Geschwisterrabatt fallen und der Busdienst gestrichen werden. Eine Mutter rechnet uns vor, was auf ihre Familie zukommen könnte - eine Erhöhung um jährlich 2730 Euro.

Kristina Boppert (32) ist seit Tagen abwechselnd zornig und ratlos. Die Krankenschwester aus Ziegenhain hat zwei Kinder, vier und acht Jahre alt. Wie ihr Mann arbeitet sie im Schichtdienst, ohne Kindergarten und Hort funktioniert ihr Alltag nicht. Als Kindergarten-Elternbeirätin weiß sie aber nun seit vorigem Freitag durch ein Schreiben des Magistrats, dass die Bopperts und alle Eltern von Kita- und Hortkindern schon ab März erheblich mehr bezahlen sollen.

Bisher zahlte die Familie für die Hortbetreuung von Sohn Jannik 85 Euro pro Monat. Die Ganztagsbetreuung von Tochter Sophie wurde zur Hälfte berechnet, da sie das zweite Kind der Familie ist - 67,50 Euro. Jährlich kamen so Gebühren von 1830 Euro zusammen, zusätzlich waren das Essen und eine monatliche Nebenkostenpaschale von je 10 Euro fällig.

Die Änderungen, die jetzt im Raum stehen, würden die Bopperts äußerst heftig treffen: Von 1830 Euro ginge es rauf auf 4560 Euro (250 Prozent), da für Jannik künftig monatlich 140 Euro fällig würden, für Jana Sophie 240 Euro.

„Das ist für uns schon existenziell“, argumentiert Kristina Boppert. Sie möchte gern weiterhin in ihrem Beruf arbeiten, auch, um den Anschluss zu halten und ihre Altersvorsorge nicht zu unterbrechen. Doch wenn die Familie künftig 380 Euro für die Betreuung aufbringen muss - plus Nebenkosten - dann wissen sie und ihre Mann nicht, wie sie es stemmen sollen. An ein paar Tage Urlaub oder irgendwann ein neues Auto wäre nicht mehr zu denken.

Rechnungen und Anschreiben: Kristina Boppert brachte die neue Kindergartengebührenkalkulation in die Redaktion. Auch dabei hatte die Ziegenhainerin auf unsere Bitte ihren privaten Wasserbescheid mit der um 40 Prozent gestiegenen Abwasserkostenpauschale und ihren Grundsteuerbescheid. Foto: Quehl

Und es gebe Familien, die es noch viel härter treffen würde, weiß die Elternbeiratsvorsitzende des Kindergartens im Ziegenhainer Steinweg. Sie hat von einer Treysaer Familie mit drei Kindern gehört, die monatlich 780 Euro plus Nebenkosten zahlen soll. Ein Vater von zwei Kindern aus Ziegenhain hat ausgerechnet, dass seine Gebühren von 2250 Euro auf 6000 Euro ansteigen würden und fragt in einem offenen Brief an den Magistrat entnervt: „Wo sollen wir das abzwacken? Das trifft die breite Masse hart und vollkommen unverhältnismäßig.“ Viele Elternteile müssten dann wohl ganz oder teilweise ihre Berufstätigkeit aufgeben - mit allen negativen Folgen für die Gesellschaft.

Von einigen Bekannten hat Kristina Boppert schon gehört, dass sie ihre Kinder abmelden werden, wenn alles wie geplant kommt. Das findet sie besonders schade für die Kinder, denen die Kontakte sehr fehlen würden. „In den Einrichtungen wird eine tolle Arbeit gemacht, wir wären ja auch bereit, mehr zu zahlen.“ Einen Betrag von 40 oder 50 Euro könnte man tragen, meint sie. Von einer rund 10-prozentigen Anhebung sei im vorigen Jahr die Rede gewesen, das akzeptierten viele Eltern. Diese Pläne aber sind in Kristina Bopperts Augen maßlos.

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