Als erste Gemeinde im Kreis will Kommune selbst Wohnraum stellen

Familien sollen im Ex-Gasthof einziehen

Unterkunft: Dieser Blick in eine Asylunterkunft vermittelt eine Vorstellung, wie Zimmer in Flüchtlingsheimen ausgestattet sind. Foto: Archiv

Ottrau. Die Gemeinde Ottrau plant, das ehemalige Gasthaus Kelch in Immichenhain zu kaufen, um darin Flüchtlinge unterzubringen. Es wäre kreisweit das erste Modell dieser Art. Acht von elf Gemeindevertreter stimmten am Donnerstagabend dafür, dass für den Erwerb der seit langem leerstehenden Immobilie 50 000 Euro bereitgestellt werden, die beiden UWG- sowie ein SPD-Vertreter enthielten sich der Stimme.

Die Situation: Aktuell leben zehn Asylbewerber in Ottrau, doch weil die Zahl der Menschen, die im Kreis unterzubringen sind, stark ansteigt –um voraussichtlich bis zu 880 auf 2300 – rechnet auch Ottrau mit weiteren Zuweisungen. Der Eigentümer des Ex-Gasthofes hat dem Kreis die Immobilie zur Flüchtlingsunterbringung angeboten, sie wurde als geeignet eingestuft. Offenbar kurzfristig ist seitens der Gemeinde die Idee entstanden, den „Kelch“ zu dem Zweck zu übernehmen.

Die Diskussion: Aus der Debatte am Donnerstag war zu hören, dass das zusätzlich auf die Tagesordnung genommene Thema am Dienstag im Ausschuss noch hitzig diskutiert worden war. Doch es zeichnete sich ab, dass die meisten Skeptiker inzwischen zu dem Schritt bereit sind.

Die Immobilie: Etwa 20 Menschen in Familienstrukturen wünscht sich die Gemeinde als Bewohner des „Kelchs“, der als Wohnheim laut Reinhard Becker (SPD) schon vor Jahren im Gespräch war. Es gibt rund 430 Quadratmeter Fläche, davon 150 als Wohnraum, 280 Quadratmeter als Gemeinschaftsunterkunft (Saal).

Das sagt der Bürgermeister: Laut Norbert Miltz haben die Ottrauer Integrationsbereitschaft unter Beweis gestellt, man stehe auch weiter zur gesamtstaatlichen Verantwortung und will gern Herr des Verfahrens sein. Wortlaut der Beschlussunterlage: „Bei der Bewältigung dieser großen Herausforderung für unser Land muss aber auch immer die Leistungsfähigkeit einer Gemeinde, eines Ortsteil berücksichtigt werden.“ Durch die Bereitstellung von Wohnungen solle eine „menschenwürdige Unterbringung ermöglicht“ werden.

Das sagen die Fraktionen: Eher Zustimmung signalisierte Reinhard Becker (SPD), es gebe deutliche Signale der Willkommenskultur in Immichenhain. Pro sprach sich Matthias Wettlaufer (CDU) aus, auch er meint, so bleibe die Gemeinde Herrin des Verfahrens. Markus Knoch (FWG) ist die Bereitschaft des Ortsbeirates wichtig. Von Unsicherheiten sprach Heiner Stumpf (UWG), der Zweifel hat, dass die Gemeinde die zitierte Herrin des Verfahrens bleibe. Weitere Zuweisungen könnten bald trotzdem zur zwangsweisen Belegung etwa der Gemeinschaftshäuser führen.

So könnte es weiter gehen: Kommende Woche soll die Immobilie zunächst von den Gemeindegremien besichtigt werden. Außerdem soll in Immichenhain eine Bürgerversammlung angesetzt werden, in der es zusätzlich um die Windkraftproblematik für den Ort gehen soll. KOMMENTAR, WEITERE BERICHTE

Von Anne Quehl

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