Im Dritten Reich trugen Adjutanten der Hitlerjugend die Gabor-Rune

Nazi-Symbol aus Mist: Bauer streut Dung als Wolfsangel auf Feld

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Auf so einem Feld streute ein Bauer aus Kirtorf den Mist in Form einer Wolfsangel aus. In rechtsextremen Kontexten ist das NS-Symbol verboten.

Das Wolfsangel-Symbol ist verboten. Dennoch streute ein Bauer im Vogelsberg das Nazi-Zeichen, das einem Hakenkreuz ähnelt, mit Mist auf sein Feld.

Aktualisiert am 1. Februar um 9.20 Uhr - Eine Spaziergängerin traute ihren Augen nicht, als sie am Freitag durch die Felder bei Kirtorf im Vogelsbergkreis ging. Auf einem Feld sah sie ein Zeichen aus Mist, das einem Hakenkreuz ähnelte. Für die herbeigerufenen Polizisten stellte sich heraus, dass es sich bei dem Symbol nicht um das Nazi-Logo handelte, sondern um eine sogenannte Wolfsangel - ein ebenfalls in der rechtsextremistischen Szene gern verwendetes Zeichen, das weitgehend verboten ist.

Wolfsangel in der Nazi-Zeit: Hitlerjugend trug es auf Ärmel

Im Dritten Reich trugen es die Adjutanten der Hitlerjugend als Aufnäher auf dem Ärmel. Die Gabor-Rune, wie die Wolfsangel auch genannt wird, steht für Wehrhaftigkeit. Die von Heinrich Himmler gegründete Organisation Werwolf schmückte sich ebenfalls mit ihr. Heute taucht das Symbol noch in manchen Wappen von Städten und Gemeinden auf und wird in der Forstwirtschaft verwendet, im rechtsextremistischen Kontext ist das Zeigen aber strafbar.

Darum ermittelt nun die Polizei gegen den 56-Jährigen aus Kirtorf, der den Dung auf seinem Feld in dieser Form aufgestreut hatte. Der Vorwurf: Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole. In der Vergangenheit soll der Mann laut Polizei Fulda mehrfach wegen seiner politischen Ansichten auffällig geworden sein. Die Beamten sorgten auch dafür, dass der Landwirt den Mist auf seinem Feld weiter verteilen musste. Der Dung ist nun quasi politisch neutraler Mist.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kirtorf mit braunen Umtrieben Schlagzeilen macht. Drei der hessischen Polizisten, gegen die ermittelt wird, weil sie "rechtsextremistisches Gedankengut" in einer WhatsApp-Gruppe geteilt und eine Anwältin bedroht haben sollen, stammen aus dem 3000-Einwohner-Städtchen.  

Hakenkreuz auch im Kellerwald

Hakenkreuze in der Natur waren früher keine Seltenheit. Anfang der 90er-Jahre sorgte beispielsweise ein NS-Symbol aus Bäumen in der Uckermark für Aufsehen. Die Nazis hatten Lärchen in den 30er-Jahren in der Form der Swastika gepflanzt. In der DDR war das niemandem aufgefallen. Das Symbol wurde erst 1992 bei Luftaufnahmen entdeckt. Auch auf dem Wüstegarten im Kellerwald hatten die Nazis einst mit neu gepflanzten Bäumen einst ein Hakenkreuz gebildet.

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Verfassungsfeindliche Symbole - Übersicht

Um ihre Gesinnung in der Öffentlichkeit zu zeigen, bedienen sich Anhänger der rechtsextremen Szene verschiedener Symbole und Zeichen. Einige von ihnen sind nach deutschem Recht verboten. Darunter viele Zahlen und Abkürzungen. Zum Beispiel:

  • 192: Diese Zahlenkombination steht für den ersten, neunten und zweiten Buchstaben im Alphabet: A, i und b. Es soll heißen: "Adolf is back"
  • 444 steht für DdD und damit für "Deutschland den Deutschen"
  • SGH steht für "Sieg Heil"

An dieser Stelle finden Sie eine ausführliche Zusammenstellung verbotener Zeichen.

Für was steht das Hakenkreuz?

Das wohl bekannteste Nazi-Symbol ist das Hakenkreuz. Es sieht ähnlich aus wie die Swastika, die schon 10.000 Jahre vor Christus in Asien und Europa verwendet wurde. Es ist bis heute ein Glückssymbol, unter anderem im Hinduismus und Buddhismus. Die Nationalsozialisten veränderten es leicht und deuteten es für ihre Zwecke rassistisch und antisemitisch um. Es repräsentiert bis heute Ideologie, Gewaltherrschaft und die Verbrechen des Nationalsozialismus und ist verboten. Es gibt aber Ausnahmen, unter anderem darf es in Antinazisymbolen und in Kunstwerken, beispielsweise in Karikaturen, auftauchen.

Hier liegt Kirtorf:

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