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Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis bereiten sich vor

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Von: Matthias Haaß

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Durch die trockenen Sommer kommt es auch im Schwalm-Eder-Kreis immer häufiger zu Vegetationsbränden. Allein im Juli mussten die Feuerwehren beinahe täglich zu solchen Einsätzen ausrücken. Unser
Durch die trockenen Sommer kommt es auch im Schwalm-Eder-Kreis immer häufiger zu Vegetationsbränden. Allein im Juli mussten die Feuerwehren beinahe täglich zu solchen Einsätzen ausrücken. Unser Foto entstand in Kirchhof bei Melsungen.  © entstand in Kirchhof bei Melsungen. Foto: Horst Wenderoth

Beinah täglich kam es im Juli irgendwo im Schwalm-Eder-Kreis zu Vegetationsbränden. Wir ließen uns erklären, worauf dabei zu achten ist.

Schwalm-Eder– Der Klimawandel ist in aller Munde. Lange Trockenperioden werden in Zukunft auch bei uns wohl eher die Regel sein. Der Sommer 2022 ist ein Vorgeschmack. Abgesehen von Schauern fehlt seit Wochen ein ergiebiger Landregen. Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass die Brandgefahr immens groß ist. Viele Pflanzen sind verdorrt und brennen wie Zunder. Darauf richten sich auch die Feuerwehren im Landkreis ein. Bereits 2019 organisierte der Kreisfeuerwehrverband Melsungen ein Waldbrandseminar, um Einsatzkräfte zu schulen. Nach der coronabedingten Zwangspause werde man 2023 abermals ein Seminar anbieten, erklärt Frank Nuhn, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands der HNA.

Einsatztaktik

Man kann Waldbrände offensiv an der Feuerfront oder von den seitlichen Feuerflanken angreifen oder auch aus dem verbrannten Bereich. Dies habe den Vorteil, dass Löschmannschaften schon auf verbranntem Untergrund stehen und somit kein brennbares Material an diesem Punkt zur Verfügung steht, erklärt Patrick Merz, Stadtbrandinspektor in Melsungen und maßgeblich an der Organisation des Waldbrandseminars beteiligt: „Bei der offensiven Brandbekämpfung verbrennt weniger Wald, muss aber auch aufgrund von Gefahren sehr gut beobachtet werden.“ Ein defensiver Löschangriff könne besser geplant werden, berge aber den Nachteil, das mehr Wald verbrenne, da man hier an einer Schneise – zum Beispiel Waldweg – auf das Feuer „wartet“.

Ausrüstung: Mit einem Löschrucksack können kleinere Brände bekämpft werden. Im Bild Mario Nickel (Feuerwehr Todenhausen) bei einer Übung.
Ausrüstung: Mit einem Löschrucksack können kleinere Brände bekämpft werden. Im Bild Mario Nickel (Feuerwehr Todenhausen) bei einer Übung. © Feuerwehr Frielendorf

Einsatztechnik

Es gibt eine Vielzahl von Einsatzmitteln. Angefangen von Handwerkzeugen wie Schaufel, Spate, Hacken zum Ziehen von Gräben oder Furchen. „Für die manuelle Brandbekämpfung stehen auch heute noch die guten, alten Feuerpatschen zur Verfügung“, sagt Patrick Metz. Mittlerweile haben einige Feuerwehren auch schon spezifische Handwerkzeuge für die Waldbrandbekämpfung beschafft.

Weniger ist manchmal mehr: Um im unwegsamen Gelände schnell vorgehen zu können, nutzen die Feuerwehren leichte und dünne Schläuche. Mit Wasser gefüllt müssen trotzdem etliche Kilo durch den Wald gezogen werden.
Weniger ist manchmal mehr: Um im unwegsamen Gelände schnell vorgehen zu können, nutzen die Feuerwehren leichte und dünne Schläuche. Mit Wasser gefüllt müssen trotzdem etliche Kilo durch den Wald gezogen werden. © Kreisfeuerwehrverband

Die Brandbekämpfung kann mit Kleinlöschgeräten wie Kübelspritzen oder extra für Vegetationsbrände hergestellte Löschrucksäcke erfolgen. Für den Löschangriff nutzen die Wehren auch vorhandenes Material. „Allerdings ist im Bereich Waldbrand manchmal etwas weniger dann doch mehr, denn mit kleinen Schläuchen ist man deutlich beweglicher in unwegsamem Gelände und spart Wasser“, weiß der Feuerwehrmann.

Schutzbekleidung

Gemäß der Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes sollte bei Vegetationsbränden eher auf etwas dünnere Einsatzkleidung gesetzt werden, erklärt Metz: „Allerdings darf man in unseren Bereichen auch nicht die Aufgaben des abwehrenden Brandschutzes – Gebäudebrände, Retten von Menschen aus brennenden Gebäuden – vernachlässigen.“

Was für eine Einsatzkleidung letztlich zur Verfügung steht, entscheidet jede Kommune für sich selbst. Aber: Die Hitzeerschöpfung bei Vegetationsbränden ist enorm, da diese Art von Bränden meistens mit der entsprechenden Umgebungstemperatur auftritt. „Weiterhin sollten dichtschließende Schutzbrillen für die Augen sowie FFP2 Masken von Einsatzkräften an der Feuerfront getragen werden“, Patrick Metz.

Sicherheit

Wichtig ist es, auf die Eigengefährdung der eingesetzten Kräfte zu achten. „Vegetationsbrände sind dynamische Brände, die sich von einer auf die andere Sekunde extrem verändern können.

Auffrischender Wind, steiles Gelände können Einsatzkräfte gefährden und sogar einschließen“, warnt Metz. Generell ist laut Feuerwehr ein frühzeitiges Erkennen und schnelles Eingreifen hilfreich, um eine Brandausbreitung zu verhindern. Waldbesucher sollten schnellstmöglich den Wald verlassen, zur Not auch zu Fuß und an einem der Rettungspunkteschilder den Notruf absetzten (112) und auch dort auf die ersten Einsatzkräfte warten.

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