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Fischereiclub bringt Nadelbäume als Laichhilfe für Zander, Hecht und Co. aus

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(von links) Carsten Peppler, Stefan Krumpholz, Anton Hildebrand und Adrian Hildebrand.
Mitglieder des Fischereiclubs Neptun Ziegenhain haben Weihnachtsbäume im Großen Wallgraben ausgebracht: (von links) Carsten Peppler, Stefan Krumpholz, Anton Hildebrand und Adrian Hildebrand. © Lea Beckmann

Spaziergänger am Großen Wallgraben in Ziegenhain sieht man in diesen Tagen oft stehen bleiben und den Kopf schütteln. Viele Leute haben sich beim Fischereiclub Neptun Ziegenhain gemeldet und vermutet, dass Anlieger ihre Weihnachtsbäume in dem Gewässer entsorgt hätten, berichten Vorsitzender Stefan Krumpholz und 1. Schriftführer Adrian Hildebrand.

Ziegenhain – Tatsächlich wurden 30 nicht verkaufte Nadelbäume des Gartencenters Meckelburg nach dem Fest nicht geschreddert, sondern vom FC Neptun abgeholt und in den Großen Wallgraben eingebracht. Sie sollen dort Fischarten wie Zander, Barsch und Kleinfischen als Laichhilfen dienen.

Denn bei der Kampfmittelräumung wurden auch die Seerosen, sonstige Wasserpflanzen sowie Totholz aus dem Gewässer entfernt – auf solche Strukturen sind die Fische aber angewiesen, um ihren Laich abzustreifen. Bis diese einigermaßen nachgewachsen sind, greift der FC Neptun den Fischen mit den Weihnachtsbäumen „unter die Arme“, so die Vereinssprecher.

Weihnachtsbäume im Wallgraben: Sie sollen Fischen Laichgelegenheit und Schutz geben.
Weihnachtsbäume im Wallgraben: Sie sollen Fischen Laichgelegenheit und Schutz geben. © Adrian Hildebrand

Die als Weihnachtsbäume geschlagenen Bäume wurden am 31. Dezember an geeigneten Stellen versenkt. Schwimmer an der Wasseroberfläche kennzeichnen das Laichareal, in dessen Bereich nicht geangelt werden darf. Zugleich zeigen die Schwimmer den Anglern später, wo die Bäume, nachdem sie irgendwann vollgesogen sinken, wieder herauszuziehen sind, erklärt Krumpholz weiter. Schon jetzt beginne aufgrund der relativen Milde des bisherigen Winters das Laichgeschäft etwa von Zander und Hecht. Auch Karpfen, Schleie, Weißfisch und andere Arten gibt es im Wallgraben. Der Fischbestand habe unter den Räumungsarbeiten nicht gelitten. Der Club hat auch Laboruntersuchungen von Fischen veranlasst, so Krumpholz: „Es wurden überhaupt keine Schadstoffe nachgewiesen.“ Nach dem Ende der Arbeiten wurden mehrfach Besatzmaßnahmen vom Club durchgeführt, auch in sehr guter Zusammenarbeit mit der Justizvollzugsanstalt.

Laut Hildebrand erfüllen die Bäume auch noch einen weiteren Zweck: Mittlerweile sei eine sehr große Population an Kormoranen rund um Ziegenhain heimisch. Diese könne fast täglich beim Jagen in den Wallgräben oder Schwalm beobachtet werden. Teilweise unternähmen sie dies in einer Gruppenstärke von 25 Tieren. Die Weihnachtsbäume könnten den Fischen etwas Schutz bieten.

Stücke von Seerosenwurzeln: 2019 wurde versucht, die Pflanze anzusiedeln.
Stücke von Seerosenwurzeln: 2019 wurde versucht, die Pflanze anzusiedeln. © Stefan Krumpholz

Schon länger hätten sich die Clubmitglieder Gedanken gemacht, wie Fischen und Nutz- und Nährtieren im Gewässer Laichhilfen geschaffen werden können. Das Einbringen von Pflanzen („Laichkraut“) berge immer die Gefahr, dass deren Wachstum überhandnimmt und man ihrer nicht mehr Herr wird. Durch die Tannenbäume sei kurzfristig Abhilfe geschaffen, bis wieder Seerosen nachgewachsen sein werden. Diese Praxis unternähmen auch andere Angelvereine. Laut Krumpholz gibt es verschiedene Methoden, zum Beispiel würden andernorts Europaletten mit Grünschnitt ausgebracht.

Wann wirklich wieder Seerosen wachsen, ist unterdessen offen: Leider habe das Ausbringen von einer ganzen Schlepperladung Wurzeln im Zuge der Baggerarbeiten keinen Erfolg gehabt, es sei wohl nichts angewachsen, berichtete Krumpholz. Und eine Vereinsnachricht noch: Kürzlich gelang einem Neptun-Fischer ein besonders großer Fang, so Krumpholz: Ein Zander mit 5260 Gramm wurde am Freitag vor einer Woche von Thomas Scheuermann gefangen. (Anne Quehl)

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