Karl Heinz Merle aus Wiera plant ein Familienbuch über den Stadtteil Florshain

Forschen über Vorfahren

Ahnenforscher: Karl Heinz Merle aus Wiera plant ein Familienbuch über Florshain. Foto: Rose

Florshain. Karl Heinz Merle ist seinen Vorfahren auf der Spur: Der Wieraer beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Ahnenforschung, ist Autor mehrerer Familienbücher. Sein Forschungsgebiet umfasst den Kirchenkreis Ziegenhain. Aktuell beschäftigt er sich mit der Geschichte Florshains. Jüngst hatten der Kirchenvorstand und der Förderkreis der Kirche zu einer Infoveranstaltung eingeladen, in der Merle sein Projekt vorstellte.

Als Quellen zieht der Wieraer für seine Recherchen Kirchenbücher, Saalbücher, das Hessische Mannschaftsregister, Steuerlisten und Standesamtsnebenakten heran.

„Die Standesamtsakten wurden doppelt geführt. Das war weitsichtig, denn ging durch Brand oder Bombenangriffe etwas verloren, gab es eine zweite Ausführung“, erläuterte der Heimatforscher.

In den Kirchenbüchern selbst fänden etwa das Heirats- oder Taufregister. Auch Bußprotokolle seien aufschlussreich: „Die Pfarrer hatten gleichzeitig auch Polizeigewalt.“

Kirchenbücher selbst gäbe es erst seit Luther: Das älteste Deutschlands läge in Brandenburg, das älteste Hessens sei das aus Treysa aus dem Jahre 1567.

Das Florshainer Buch gehe auf 1654 zurück. Bis 1940 enthielte es Informationen über 630 Familien, insgesamt 2500 Menschen. Mitunter seien die Einträge schwierig zu entziffern: Ein Johann Ludwig Andermühle aus Verna etwa habe ursprünglich Nickel geheißen. Denn amtliche Schreibweisen gab es erst mit der Einführung des Dudens 1903.

Der bekannteste Name in Florshain war laut Merle wohl Heinmüller: „Es finden sich 45 Familien mit diesem Namen.“

Die Kirchenbücher gaben auch Aufschluss über Hausnummern, Berufe, Ämter, den Sterbe- oder Beerdigungstag. Auch enthielten sie Bemerkungen über Auswanderung oder Unglücke. 1918 grassierte etwa die Spanische Grippe, die den Ort Florshain zwar verschonte, aber insgesamt mehr Tote forderte als der Erste Weltkrieg, erklärte Merle: „Die Toten waren zu 80 Prozent Männer zwischen 40 und 50.“

Erst Anfang der 1990er-Jahre habe man durch DNA-Analysen feststellen können, dass es sich hierbei um eine Art der Vogelgrippe gehandelt habe.

Der Zweck eines Familienbuches sei neben der persönlichen Ahnenforschung die Sippenforschung sowie die Erforschung der Ortsgeschichte.

Auch soziale Aspekte wie Kindersterblichkeit oder Epidemien seien aufschlussreich. Rückschlüsse ließen die Kirchenbücher auch über die Geschichte der Häuser zu.

Denn erst nach Gründung der Brandversicherungsanstalt erhielten die Häuser auch eine entsprechende Nummer. In den Kirchenbüchern seien jedoch bereits ab 1830 Nummern angegeben. Ob und in welcher Form das Familienbuch entsteht, darüber werden die Florshainer in den nächsten Tagen beraten. 

Von Sandra Rose

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