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Forstamt Neukirchen bildet wieder zum Forstwirt aus

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Ausbilder Stefan Heipel sieht sich mit seinen vier Auszubildenden einen gefällten Baum an.
Baum fällt: Ausbilder Stefan Heipel (Mitte) bespricht mit seinen vier Auszubildenden, was beim Fällen von Bäumen zu beachten ist. © Forstamt Neukirchen

Nach sechs Jahren ohne Auszubildende kümmern sich jetzt wieder ein Auszubildender im zweiten Lehrjahr und drei Auszubildende im ersten Lehrjahr um die Wälder des Forstamtes Neukirchen.

Neukirchen – Das Neukirchener Forstamt betreut im östlichen Schwalm-Eder-Kreis von Malsfeld im Norden bis Alsfeld im Süden 28 000 Hektar Wald. Es arbeiten im Forstamt 50 Mitarbeiter, dazu kamen Anfang August die vier Auszubildenden.

Nicolas Klippert kniet mit der Motorsäge vor einer Eiche.
Noch steht die Eiche, die der Auszubildende Nicolas Klippert mit der Motorsäge fällen möchte. © Privat

Leonhardt Waldeck ist schon in seinem zweiten von drei Ausbildungsjahren. Er war vor der Forstwirt-Ausbildung Landschaftsgärtner und wechselte diesen Sommer vom Forstamt Nidda nach Neukirchen. Der 24-Jährige wollte eigentlich schon früher Forstwirt werden, doch da hätten die Forstämter keine Auszubildende eingestellt.

In ihrem ersten Ausbildungsjahr sind Noah Bernhardt (18), Nicolas Klippert (17) und Lara Sofie Ibkendanz (19), alle hatten schon vor der Ausbildung eine Verbindung zum Wald. Bernhardt und Klippert absolvierten ein Praktikum im Forstamt, Ibkendanz absolvierte in ihrer Heimat in Uelzen (Niedersachsen) ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim dortigen Forstamt. Sie ist eine von nur drei angehenden Forstwirtinnen in Hessen, die zum 1. August in die Ausbildung eingestiegen sind. „Mein Großvater war viel mit mir im Wald, außerdem will ich handwerklich arbeiten. Ein Bürojob oder andere typisch weibliche Berufe wären nichts für mich“, erzählt sie. Die 19-Jährige zog für ihre Ausbildung nach Neukirchen, da es relativ weit im Norden liegt und Hessen mit seinen Buchenwäldern ein interessantes Arbeitsumfeld biete.

„Während unserer ersten zweieinhalb Ausbildungsmonate haben wir schon viel sehen können“, berichtet Noah Bernhardt. In viele Tätigkeitsfelder der Forstwirte wie die Holzernte und die Pflege der Bestände habe man schon reinschnuppern können. Die Pflanzung neuer Bäume stehe dann im Januar und Februar an.

Bewerber aus ganz Deutschland

„Seit 2016 ist das unser erster Ausbildungsjahrgang“, führt Stefan Heipel aus, Ausbilder im Forstamt Neukirchen. „Früher wurde auf die Ausbildung kein großer Wert gelegt. So war es zum Beispiel extrem schwer, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Das hat sich zum Glück geändert.“

Die vier angehenden Forstwirte sind die ersten Auszubildenden für den 39-Jährigen. Mittlerweile gebe es die Zusage, dass alle mit einer guten Endnote übernommen werden.

2024 wolle man in Neukirchen wieder Auszubildende einstellen, im nächsten Jahr habe man leider keine Kapazitäten.

Forstwirt ist ein gefragter Beruf. Über 60 Bewerbungen hatte das Forstamt Neukirchen auf die Ausbildungsstellen bekommen. „Aus ganz Deutschland hatten wir Bewerber, von Kiel bis Bayern“, sagt Heipel. Er vermutet, dass durch den Klimawandel grüne Berufe besonders bei der jungen Generation gefragt sind. Außerdem seien die Jugendlichen nach den Coronabeschränkungen froh, ohne Maske in der Natur zu arbeiten.

Arbeitsumgebung Wald

Der Wald als Erholungsraum habe wieder an Wert gewonnen. „Als Forstwirt hat man ein breites Arbeitsspektrum, nie hat man die gleiche Arbeitssituation“, zählt Heipel die Vorteile der Arbeit im Wald auf. Die Auszubildenden müssten lernen, weitsichtig zu handeln. Bäume wüchsen langsam. „Der Klimawandel und der Borkenkäfer werden die Forstwirte in den nächsten Jahren beschäftigen.“

Viele Freiflächen würden bezeugen, dass es dem Wald aktuell nicht gut geht. Es müssten weniger Fichten gepflanzt werden, die gegen Käfer und Klimaveränderung anfällig seien. Weniger anfällig sind Heipel zufolge etwa Eichen, Buchen und Douglasien. Nachhaltigkeit gewinne immer mehr an Bedeutung.

„Besonders gefällt mir die Ruhe im Wald, das ist eine sehr entspannte Arbeitsumgebung“, schwärmt Azubi Noah Bernhardt. „Es redet einem keiner rein, man kann in der Natur sein eigenes Ding machen.“ Alle Auszubildenden stimmen ihm da zu. „Die Arbeit mit der Motorsäge macht einfach viel Spaß“, ergänzt Klippert. (Philipp Knoch)

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