Hessenforst renaturiert Feuchtwiese Ackermanns-See

Frielendorf: Der Sendberg bekommt seinen Tümpel zurück

Hessenforst hat den Ackermanns-See auf der Spitze des Sendbergs bei Todenhausen renaturiert. Ein alter Entwässerungsgraben wurde zum Tümpel erweitert. Auch auf dem markanten Basaltkegel leidet der Wald. Im Hintergrund kann man gut die getrockneten Nadelbäume erkennen.
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Warten auf Regen: Hessenforst hat den Ackermanns-See auf der Spitze des Sendbergs renaturiert. Ein alter Entwässerungsgraben wurde zum Tümpel erweitert. Auch auf dem markanten Basaltkegel leidet der Wald. Im Hintergrund kann man gut die Getrockneten Nadelbäume erkennen.

Auch in unseren Wäldern zeigen sich die Folgen des Klimawandels immer deutlicher. Teilweise sind ganze Baumbestände vertrocknet. Das gilt auch für den Sendberg bei Todenhausen. Da es auf dem markanten Basaltkegel nur wenig Wasser gibt, haben die Dürresommer der vergangenen Jahre Spuren hinterlassen.

Todenhausen - Mit Renaturierungsmaßnahmen versucht Hessenforst, nun eine Feuchtwiese auf dem Gipfel des Berges zu retten. Wir sprachen mit dem Leiter des Forstamts Neukirchen, Florian Koch, über das Projekt.

Leiter Forstamt Neukirchen, Florian Koch.

Wieso wurde renaturiert?

Der Nasswiesencharakter, der dieser Fläche auch seinen Rufnamen Ackermanns-See gab, ging im Laufe der vergangenen Jahrzehnte weitgehend verloren und sei vor der Maßnahme kaum noch feststellbar gewesen, erklärt der Forstamtsleiter. Gras, Pappel- und Birkenaufwuchs begannen mit der Besiedlung der sich im Austrockenen befindenden Nasswiese. Ein Entwässerungsgraben führte kontinuierlich das Niederschlagswasser ab. Typische Pflanzen, die derartige Biotope charakterisieren, seien nur noch in rudimentärem Umfang zu finden gewesen, so Florian Koch: „An deren Stelle war ein Filz aus verschiedenen Grasarten getreten. Ehemalige Kleintümpel waren vollständig verschwunden, das Vorkommen von Amphibien und wasserliebenden Insekten war nach Art und Zahl zurückgegangen.“

Welches Ziel soll erreicht werden?

Ziel sei eine ökologische Aufwertung der Fläche, erklärt der Forstamtsleiter: „Hierzu soll der Nasswiesencharakter mit seiner typischen Vegetation durch natürliche Entwicklung mittelfristig wieder herzustellen.“ Wesentliches Mittel war es, die Drainierung durch den von Menschen gemachten Graben zu unterbinden. Nicht nur der an nasse Standorte angepassten Vegetation, sondern auch einer Vielzahl von Amphibien und Libellen, soll so ein geeigneter Lebensraum zurückgegeben werden. Ferner wird ein positiver Effekt für die in der Region vorkommenden Vogelarten erwartet.

Welche Arbeiten wurden durchgeführt?

Zunächst wurden die ehemaligen Wasserflächen von Pappel- und Birkenaufwuchs befreit. Der alte Entwässerungsgraben wurde verbreitert und stark im Profil abgeflacht. In der Nähe des Grabens seien drei kleine Flachwassertümpel angelegt worden, sagt Florian Koch: „Diese wurden mit unterschiedlicher Überflussregulierung an den ehemaligen Graben angeschlossen. Die Tümpel haben flache Ufer und eine nennenswerte Vertiefung in der Mitte, die auch in Trockenzeiten weiterhin Wasser für Amphibien vorhält.“ Den vorläufigen Abschluss bildete im Herbst die Errichtung eines regulierbaren Staubauwerks. Damit soll ein Abfließen des Wassers verhindert werden. Mit der Stauhöhe könne der Wasserstand situationsbedingt reguliert werden, so der Forstamtsleiter.

Ein kleines Stauwehr soll am Sendberg verhindern, dass Wasser abfließt.

Sind weitere Arbeiten geplant?

Nach dem Sommer sollen laut Hessenforst die nachgewachsenen Reitgrasinseln nochmals bearbeitet und Baumaufwuchs entfernt werden. Außerdem wird an zwei Tümpeln jeweils eine Uferseite steiler profiliert, damit sich Amphibien wirkungsvoller vor Fressfeinden verstecken können.

Mit Blick auf die immer trocken werdenden Sommermonate: Wie nachhaltig sind solche Maßnahmen? Besteht nicht die Gefahr, dass die Feuchtwiese austrocknet?

Durch die Umgestaltung stehe der Fläche vorhandenes Wasser nachhaltiger zur Verfügung als zuvor, ist Florian Koch überzeugt. „Die neu angelegten Tümpel fallen, wenn überhaupt, in extremen Dürrejahren trocken und bieten Amphibienlarven ausreichend Möglichkeiten, ihre Entwicklungszyklen zu durchlaufen.“

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