Mehr Freiheit durch einen Piks

Anna Maria Braun aus Obergrenzebach hat ihre erste Impfung bekommen

Anna Maria Braun steht mit ihrer Mutter vor dem Impfzentrum in Kassel
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Hat ihre erste Impfung gegen das Coronavirus bekommen: Anna Maria Braun mit ihrer Tochter Christa Braun vor dem Impfzentrum in Kassel.  

Im Kasseler Impfzentrum werden seit gut einer Woche Senioren gegen das Coronavirus geimpft. Auch Anna Maria Braun aus Obergrenzebach gehört zu den Glücklichen. Wir haben sie begleitet.

Kassel/Obergrenzebach – Es ist die Hoffnung, bald wieder Bekannte treffen zu können und nicht in permanenter Angst vor einer hochgefährlichen Krankheit zu leben. Es ist die Hoffnung auf ein bisschen Normalität, die Anna Maria Braun aus Obergrenzebach mit ihren 93 Jahren zum Impfzentrum nach Kassel führt. Nach Monaten der Sorge gehört die Obergrenzebacherin zu den Ersten, die in der umfunktionierten Sporthalle am Auestadion gegen das Coronavirus geimpft werden. Im Gegensatz zu anderen Impfwilligen hatte sie Glück und hat einen Termin bekommen. Dank ihrer Tochter hat es am dritten Tag geklappt. „Ich war sehr hartnäckig. Gleich am ersten Tag bin ich zweimal durchgekommen. Allerdings gab es dann Systemabstürze und man konnte uns keinen Termin geben“, berichtet Christa Braun. Es folgten unzählige weitere Versuche und am nächsten Tag konnten schließlich die persönlichen Daten der 93-Jährigen erfasst werden. „Einen Impftermin gab es trotzdem noch nicht“, beschreibt Christa Braun ihre Odyssee. „Am dritten Tag habe ich 55 Anläufe gebraucht, um mit einem Mitarbeiter zu sprechen. Nach erneuten Systemabstürzen gab es aber schließlich die Impftermine.“

Am Donnerstagnachmittag war es dann so weit und Anna Maria Braun fuhr mit ihrer Tochter und ihrem Enkel Nico in die nordhessische Großstadt – selbstverständlich war sie in Schwälmer Tracht unterwegs. Anna Maria Braun gehört zu den acht Frauen aus der Schwalm, die noch Trachtenträgerinnen sind. Übrigens trugen bereits zu ihrer Zeit in der „Speelstubb“ in ihrem Geburtsort Seigertshausen nur vier gleichaltrige Mädchen noch Tracht. Auf dem Parkplatz am Auestadion herrschte kaum Andrang. Das Gelände ist momentan ausschließlich für Impfwillige und ihre Angehörigen reserviert. Da die 93-Jährige schon länger keine so lange Fahrt unternommen hatte, war sie sichtlich nervös. „Wir sind froh, dass so weit alles gut geklappt hat“, so Christa Braun.

Mehr Freiheit durch einen Piks: Schwälmerin an Tracht erkannt

Der Eingang des Impfzentrums ist gar nicht zu verfehlen, große Hinweisschilder weisen den Weg. Bereits vor dem eigentlichen Gelände erfolgt die erste Anmeldung. An einem kleinen Pförtnerhäuschen werden die Unterlagen geprüft. Christa Braun hat für ihre Mutter zwischen Weihnachten und Neujahr eine aktuelle Meldebescheinigung organisiert, zusammen mit einem abgelaufenen Reisepass klappte es an der ersten Station. Ab hier haben nur der Impfling und ein Angehöriger Zutritt. An der Anmeldung wurde Anna Maria Braun direkt als Schwälmerin erkannt und herzlich begrüßt, berichtet die Tochter. „Die Stimmung wurde zunehmend entspannter.“ Sie hatten kaum im Wartebereich Platz genommen, als sie schon aufgerufen wurde. Ein junger Bundeswehrarzt führte ein Erstgespräch durch, informierte sich über den Gesundheitszustand der 93-Jährigen und warf einen Blick auf den Medikamentenbogen.

Die Impfung wurde von einer Ärztin durchgeführt. Von dem Piks habe sie gar nichts gespürt, erzählt Anna Maria Braun später. Sie war begeistert, wie freundlich sich alle um sie kümmert haben. Um eine mögliche Impfreaktion abzuwarten, musste die 93-Jährige mit ihrer Tochter noch einen Augenblick im Ruhebereich ausharren. „Uns wurde dann sogar ein Rollstuhl angeboten“, sagt Christa Braun. „Ein Soldat aus Schwarzenborn hat meine Mutter dann bis zum Ausgang begleitet, wo wir uns wieder mit Nico getroffen haben.“ Auch gestern, am Tag nach der Impfung, geht es Anna Maria Braun sehr gut. „Ich habe vorhin mit meiner Mutter gesprochen. Sie spürt gar nichts von der Impfung. Nicht mal Schmerzen am Arm.“ Nach der anfänglichen Anspannung herrsche nun Erleichterung in der Familie und es wachse die Hoffnung, dass bald das Leben in Obergrenzebach wieder etwas sorgenfreier wird. Mitte Februar hat Anna Maria Braun den nächsten Termin. Nach der guten Erfahrung beim ersten Mal blickt die 93-Jährige der zweiten Impfung ganz entspannt entgegen. (Felix Busjaeger)

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