Landärzte finden keine Nachfolger

Brüder aus Frielendorf entwickeln Praxisportal

Einblick in die Praxis Fleischhut in Frielendorf: Joachim Fleischhut mit Ute Fleischhut in einem der Behandlungsräume.
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Einblick in die Praxis Fleischhut in Frielendorf: Joachim Fleischhut mit Ute Fleischhut in einem der Behandlungsräume.

Drei Brüder aus Frielendorf haben ein Praxisportal entwickelt, auf dem sie die Vorzüge des Landarztberufs aufzeigen. Unter anderem ist ihr Ziel, einen Nachfolger für ihren Vater zu finden.

Frielendorf – Den Vater bei der Suche nach einem Nachfolger unterstützen, der im besten Fall die allgemeinmedizinische Praxis im Frielendorf übernimmt: Das ist der Plan von Johannes Fleischhut und seinen Brüdern Nikolas Kindler und Tobias Fleischhut. Als sie im Herbst 2019 zusammensaßen, entwickelten sie gemeinsam die Idee, eine Internetseite zu schaffen, die Informationen über Arztniederlassungen mit Einblicken in die Region verbindet. „Natürlich gibt es auch andere Portale, die in die Richtung gehen. Uns fehlte aber die Seele bei den Anzeigen“, erklärt Johannes Fleischhut das Vorhaben. Gut ein Jahr dauerte es, bis ihr Portal schließlich an den Start gehen konnte. „Wir haben vielleicht anfangs den Arbeitsaufwand unterschätzt“, so Fleischhut. „Aber nach und nach haben wir alles entwickelt und uns die nötigen Programmierkenntnisse beigebracht.“

Neben den eigentlichen Praxisinseraten bietet ihre Internetseite viel mehr: Einen Blog, der sich mit den Themen Niederlassung und Landarztsein beschäftigt. Die Brüder wechseln sich gegenseitig mit dem Schreiben der Beiträge ab. Inzwischen erscheint wöchentlich ein neuer Eintrag. „Das Thema ist es wert, dass man sich viel Mühe gibt“, sagt Fleischhut über seine Motivation. „Wir glauben daran, dass junge Ärzte auch aufs Land wollen, wenn sie wissen, wie schön es hier ist.“ Mit ihrem Portal wollen sie neben Ärzten, die auf der Suche nach einer Niederlassung sind, auch regionale Entscheider auf Kreisebene ansprechen und zusammenbringen.

Neues Praxisportal: Brüder wollen verstärkt die Empfänger ansprechen

Schon jetzt bauen die Brüder den Social-Media-Bereich aus und haben einen Newsletter entwickelt. „Unser Ziel ist es, das Portal über den Schwalm-Eder-Kreis hinaus bekanntzumachen“, sagt Fleischhut. Aktuell würden bereits Gespräche in Thüringen und Nordbayern laufen. „Es ist aber momentan aufgrund der Coronapandemie schwer, das Thema auf die Tische der Verantwortlichen zu bringen.“ Es sprechen viele Gründe für eine Landarzttätigkeit, da ist sich Fleischhut sicher. „Unter anderem bietet die Praxis auf dem Land Sicherheit.“ Er hofft auf mehr Sensibilisierung für die Thematik, auf beiden Seiten. „Es braucht mehr Unterstützung seitens der Politik. Aber auch auf der anderen Seite muss das Thema auch an die Universitäten kommen“, erklärt er. Bei der Seite der Brüder steht nicht nur die Praxisbörse im Mittelpunkt. „Es ist zwar ein großer Teil, aber uns ist auch wichtig, dass Interessierte einen genauen Eindruck von der Region bekommen.“ Zudem sei ein Ziel, Mediziner möglichst früh in ihrer Ausbildung anzusprechen und umfangreich über das Thema zu informieren und zu beraten.

Ein nächster Schritt wird nun sein, die Empfänger stärker anzusprechen und in den Fokus zu rücken. „Wir planen, verstärkt auf die Fachschaften zuzugehen und über Instagram sowie Facebook mehr Reichweite zu erreichen.“ Auch wenn ihr Vorhaben in den vergangenen Monaten gewachsen ist: Das große Ziel bleibt – den Vater und andere Ärzte bei der Suche nach einem passenden Nachfolger zu unterstützen. (Felix Busjaeger)

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