Arbeit im Krisenmodus

Babybesuch mit Schutzmaske: Wie eine Hebamme in der Corona-Krise Schwangere betreut

Schwalm-Eder-Kreis: Wie eine Hebamme Schwangere in der Corona-Krise betreut
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In Corona-Zeiten müssen auch Hebammen ihre Arbeitsweise ändern: Hebamme Isabelle Vaupel allein in ihrem neuen Gruppenraum in Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis (Nordhessen).

Wegen Corona hat sich die Arbeitsweise von Hebammen geändert. Doch sie stehen Schwangeren weiter zur Seite, trotz Einschränkungen.

  • Wegen Corona arbeiten viele Menschen gerade im Homeoffice
  • Hebammen stellt die Corona-Krise jedoch vor Herausforderungen
  • Eine Hebamme aus dem Schwalm-Eder-Kreis (Nordhessen) berichtet von ihrer Situation

Schwalmstadt/Frielendorf - Nicht für alle Berufe ist Homeoffice eine Option. Frisch gebackenen Müttern und Neugeborenen brauchen auch in Zeiten der Corona-Pandemie Beistand. Hebamme Isabelle Vaupel hat sich auf die aktuelle Situation eingestellt.

Auch für die Frielendorferin ist seit Mitte März alles anders. Eigentlich wollte die 42-Jährige im Frühjahr die neue Praxis in der umgebauten Ausstellungshalle des ehemaligen Autohauses Homberger offiziell einweihen – stattdessen Arbeit mit Mundschutz im Krisenmodus.

Hebamme aus dem Schwalm-Eder-Kreis berichtet: Keine Kurse in Corona-Zeiten

Der große Gruppenraum in Vaupels Praxis ist verwaist. Es gebe zur Zeit weder Vorbereitungs- noch Rückbildungskurse oder Babymassage, sagt die Hebamme mit Blick in den freundlich eingerichteten Raum: „Normalerweise gehen hier in der Woche rund vierzig Frauen ein und aus.“

Um den werdenden Müttern trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können, bedient sich die Hebamme digitaler Hilfsmittel. Mittels Videochat möchte die 42-Jährige mit den Müttern in Kontakt bleiben: „Ich hoffe, meine Internetleitung gibt das her.

Schwalm-Eder-Kreis: Hausbesuche trotz Corona? Arbeitsweise der Hebamme hat sich verändert

Es gibt zwar keine Kurse, weniger zu tun, hat die 42-Jährige trotzdem nicht. Babys kommen trotz Corona zur Welt und auch Hausbesuche gehören weiterhin zum Arbeitsalltag. Gerade in diesen schwierigen Zeiten werde sie von den Müttern sehnsüchtig erwartet, weiß Vaupel: „Die sind froh, wenn die Hebamme kommt.“

Aus Infektionsschutzgründen und Verantwortung für Mutter und Kind muss sie die Besuche aber auf das absolut notwendige medizinische Maß beschränken. Die Einladung zur Tasse Kaffee auf dem Sofa oder die kurze Spielrunde mit den großen Geschwistern sei in der jetzigen Situation leider nicht mehr machbar, bedauert Vaupel. Es gilt das Motto: Schnell rein und schnell wieder raus. Eine Arbeitsweise, die der engagierten Hebamme sichtlich schwerfällt, sind doch Nähe und Empathie zentrale Bausteine ihres Berufs. „Der persönliche Kontakt macht ganz viel aus.“

Hebamme in Corona-Zeiten: Persönliche Schutzausrüstung ist wichtig

Schutz gegen das Corona-Virus bietet bislang nur entsprechende Schutzkleidung. Und genau das wird zum Problem. „Ich habe noch genau drei FFP Masken“, erzählt Isabelle Vaupel kopfschüttelnd: „Seit Mitte März versuche ich, Schutzbekleidung zu bekommen.“

Eine ehemalige Patientin aus Gudensberg habe ihr Desinfektionsmittel und Handschuhe angeboten, berichtet die Frielendorferin lächelnd: „Das fand ich total nett.“

Es gebe zwar allgemeine Hinweise seitens des Hebammenverbands, aber im Hinblick auf die für die alltägliche Arbeit wichtige persönliche Schutzausrüstung keine konkrete Unterstützung, kritisiert die Frielendorferin und fügt an, dass sie im Schnitt wöchentlich in rund zwanzig Haushalten sei. „Dabei muss ich ja bei jedem Besuch davon ausgehen, dass jemand infiziert ist.“ Auch ein Anruf beim Gesundheitsamt habe nichts gebracht, sagt die 42-Jährige: „Man fühlt sich schon alleingelassen.“ 

Hebamme aus dem Schwalm-Eder-Kreis berichtet: Hausgeburt ist keine Option

Apropos alleingelassen: Die Entscheidung des Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist, Väter nicht mehr an der Geburt teilhaben zu lassen, findet die Hebamme nicht in Ordnung. 

Man hätte sicherlich auch eine andere Lösung finden können, meint Vaupel: „Das ist schon ein Rückschritt.“ Viele ihrer Patientinnen würden zur Entbindung jetzt die Klinik in Ziegenhain wählen, weiß die Frielendorferin: „Die Frage nach Hausgeburten ist auch schon aufgekommen. Das habe ich aber abgelehnt, ich bin keine Hausgeburtshebamme.“ Mit Blick auf die für solche Fälle notwendigen hohen Versicherungsbeiträge eine absolut nachvollziehbare Entscheidung.

Video: Eine Hebamme in Corona-Zeiten

Von Matthias Haaß

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Im Kreißsaal am Eschweger Krankenhaus (Nordhessen) sollen Schwangere auch in Corona-Zeiten weiterhin nicht alleine sein. Eine Begleitperson ist erlaubt, weitere Besucher nicht.

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