Technik auf dem Acker

Getreideernte mit 300 PS: So funktioniert ein Mähdrescher

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Kaum Verluste: Beim Dreschvorgang kann ein moderner Mähdrescher bis zu 99 Prozent der Körner aus den Ähren gewinnen. Mit gut vier Metern Höhe und sechs Meter Breite sind die Ausmaße einer solchen Maschine beeindruckend.

Todenhausen. Agrar-Betriebswirt Sebastian Bächt aus Todenhausen hat uns in einer Erntepause die Funktionsweise der Mähdrescher erklärt. 

Die Getreideernte ist im vollen Gange und auf den Feldern drehen wieder Mähdrescher eingehüllt in dicke Staubwolken ihre Runden. In den imposanten Fahrzeugen steckt eine Menge Technik.

Die Maschine:

Bei einem Mähdrescher spreche man von einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine, erklärt Bächt: „Dafür braucht man zwar kein Nummernschild aber eine Betriebserlaubnis.“ Auf der Straße bewegt sich solch ein Gefährt mit 25 Kilometern in der Stunde, auf dem Feld beträgt die Arbeitsgeschwindigkeit drei bis acht Kilometer pro Stunde.

Wenn alles gut laufe, könne er mit seinem 300 PS starken und vier Meter hohen grasgrünen John Deere 9580i Mähdrescher mehr als zwanzig Hektar am Tag abernten, sagt der 30-Jährige: „Die ganz großen Mähdrescher schaffen sogar fünfzig bis achtzig Hektar.“

Die Sensoren:

Während der Fahrer früher Staub und Hitze ausgesetzt war, sitzt er heute in einer mit Technik vollgestopften, klimatisierten Kabine: Viele Arbeitsschritte werden mit Sensoren überwacht, die Schnitthöhe passt sich automatisch dem Gelände an.

Je nachdem welches Erntegut gedroschen werden soll, empfiehlt der Mähdrescher dem Landwirt die richtige Einstellung. Moderne Modelle verfügen über Satellitennavigation und Spurführungssysteme.

Das Schneidwerk:

Vorne am Fahrzeug befindet sich das Schneidwerk mit dem Messerbalken, dem Schneidtisch, der Haspel und der Querförderschnecke. Das Schneidwerk könne bis zu 14 Metern breit sein, weiß der Todenhäuser : „Bei uns in der Region beträgt die Breite in der Regel 5,5 bis 6 Meter.“

Durch ein hydraulisches Hangausgleichsystem kann Bächts Mähdrescher Schrägen von bis zu zwanzig Prozent ausgleichen. Mit dem Schneidwerk wird das Getreide abgeschnitten und dann über den Schrägförderer in das Fahrzeug transportiert. Direkt hinter dem Schrägförderer befindet sich eine Steinfangmulde, welche dafür sorgt, dass Steine die empfindliche Technik nicht beschädigen.

Der Dreschvorgang:

Im Dreschaggregat – bestehend aus Dreschkorb und Dreschtrommel– werde durch Reibung und Zentrifugalkraft das Korn vom Stroh getrennt, erklärt der 30-Jährige: „Die Ähren öffnen sich und die Körner fallen raus.“

Ein Rad greift in das andere: Sebastian Bächt zeigt einen Elevator, mit dessen Hilfe das Korn im Mähdrescher bewegt wird.

Bereits hier werden bis zu neunzig Prozent des Ernteguts gewonnen, der Rest folgt dann auf durch asymmetrischen Wellen in Bewegung versetzten Schüttler im Abscheidesystem und in der abschließenden Reinigung. Dort wird mit Sieben und Luft buchstäblich auch noch die letzte „Spreu vom Weizen“ getrennt.

Über einen Elevator – eine Förderanlage – gelangen die Körner schließlich in den Korntank. Das Stroh landet gehäckselt oder als Schwade auf dem Acker. Durch die verschiedenen Stufen könne man die Kornverluste auf ein Prozent reduzieren, sagt Sebastian Bächt: „Das ist das Ziel.“

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