Verbundenheit mit Obergrenzebach

Ein Dorf mit Anziehungskraft: Zwei Auswärtige bleiben Obergrenzebach eng verbunden

Zeichen der Verbundenheit: Klaus Hahn (Mitte) spendete kürzlich 5000 Euro an den Kulturverein, vertreten durch Lothar Steinbrecher (links) und Bernd Richhardt.
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Zeichen der Verbundenheit: Klaus Hahn (Mitte) spendete kürzlich 5000 Euro an den Kulturverein, vertreten durch Lothar Steinbrecher (links) und Bernd Richhardt.

Obergrenzebach übt für manchen einen besonderen Zauber aus. Für die Dorfbewohner ist das selbstverständlich. Für einige aber ist das Örtchen zwischen Schwalm und Knüll sogar so etwas wie eine zweite Heimat geworden.

Obergrenzebach – Sie nehmen, wann immer sie können, am Dorfgeschehen teil, pflegen Freundschaften, sind Mitglieder in Vereinen. Da ist zum Beispiel Bernd Kuha. Er und seine Eltern lebten nach dem Krieg als Vertriebene in Obergrenzebach, er wurde 1947 dort geboren. Seit 1952 lebt er in Neuwied. „Meine frühe Kindheit in Obergrenzebach, verlief glücklich und in einer dörflichen Freiheit, wie sie heute kaum noch ein Kind erleben darf, wofür ich überaus dankbar bin“, erklärt der Neuwieder.

Bernd Kuha

Die unbefestigte Dorfstraße mit Schlaglöchern, im Winter hart gefroren und meist mit Schnee bedeckt, die Wiesen und Stoppelfelder, Wald und Steinbruch waren seine Spielplätze. Nach dem Fortzug verbrachte er regelmäßig seine Ferien in Obergrenzebach, konnte Kinderfreundschaften bis ins Erwachsenenalter pflegen und noch heute ist der ehemalige Lehrer mit dem Dorf über den Kulturverein eng verbunden.

Fünf Stunden mit dem Zug und anderthalb Kilometer Fußmarsch

Da ist auch Klaus Hahn. Er stammt aus Essen und hat in den Jahren nach 1950 mit seinen Eltern die weitläufige Verwandtschaft väterlicherseits in der Ruchmühle am Grenzebach zwischen Schönborn und Obergrenzebach besucht. Die Familie Hahn reiste fünf Stunden mit der Bahn an. In Kassel und Malsfeld mussten sie umsteigen, von dort fuhr ein Zug in Richtung Treysa. In Leimsfeld war die Reise zu Ende und ein Fußmarsch von anderthalb Kilometern mit Reisegepäck stand bevor.

In der Ruchmühle hat sich Klaus Hahn schon als Kind und Jugendlicher in die Landwirtschaft eingebracht. Schon beim Pflügen mit dem Traktor (Deutz Baujahr 1953, 15 PS) und Pflug durfte er mit viel Spaß, natürlich unter Aufsicht, die ersten Furchen ackern. Beeindruckend war für ihn, wenn die große Dreschmaschine millimetergenau in die Scheune rangiert wurde und der angeschlossene Stromwagen mit dem langen Antriebsriemen installiert war. Erst dann konnte der Dreschbetrieb aufgenommen werden.

Patenschaft für Kind in der Ruchmühle

Der Kontakt zur Ruchmühle wurde gepflegt und gefestigt. Die Essener kamen zu Familienfeiern und Klaus Hahn hat für ein Kind in der Ruchmühe die Patenschaft übernommen. Freundschaften zur Obergrenzebächer Dorfjugend und Vereinen wurden aufgebaut und Klaus Hahn fand das urig und wurde in Gesellschaften aufgenommen. Und eine Kirmes gab es im Ruhrgebiet nicht.

Ruchmühle Obergrenzebach: Der Mühlenbetrieb wurde laut Dorfchronik bereits vor dem Zweiten Weltkrieg eingestellt.
Dreschen 1956 in Obergrenzebach: Als Ferienkind in den Fünfzigern war der Essener Klaus Hahn beeindruckt von der großen Dreschmaschine. Den Urlaub verbrachte er in der Ruchmühle.

Freunde und Bekannte kamen mit Klaus Hahn gerne nach Obergrenzebach, hier wurde ausgiebig gefeiert. Die mitgereisten Gäste kamen bei „Krebse Will“ oder der Pension Schäfer unter. Wenn es sehr viele Gäste waren, wurde in Seigertshausen im Gasthof bei Resi übernachtet und nach manchem „berauschten“ Fest ausgeschlafen, erinnert er sich.

Mit neuer Lust auf Land und Dorf hat der Unternehmensberater aus Essen schließlicht einen Jagdbezirk in der Gemarkung Obergrenzebach gepachtet, welchen er einige Jahrzehnte pflegte. Zu Ehren wurde ein schöner Panoramaweg am südlichen Waldrand des Gerstenbergs benannt.Sein Lieblingsessen ist und bleibt die „Original Schwälmer Stracke“, die selten im Gepäck auf der Heimreise fehlen durfte. Was er heute in Obergrenzebach vermisst? „Gasthäuser, wo man noch ein gezapftes Bierchen trinken kann und ein Lebensmittelgeschäft.“ (Sylke Grede)

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