Preußischer Wetterdienst am Forsthaus Kornberg

Ein gefundenes Schild bei Obergrenzebach erzählt Geschichte

Das Foto zeigt ein altes Schild vom Preußischen Wetterdienst.
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Mit preußischem Adler: Das Schild wurde auf einem Acker bei Obergrenzebach gefunden.

Ein Fund auf einem Acker zwischen den Frielendorfer Ortsteilen Obergrenzebach und Spieskappel rückt den Preußischen Wetterdienst in den Blick. Wir haben zu einem alten Emailleschild recherchiert.

Obergrenzebach – Es ist ein halbrundes Emailleschild und passt auf ein Din A4 Blatt. Leicht angerostet. In der Mitte lassen sich die fehlenden Buchstaben nur erahnen. Deutlich sichtbar ist der preußische Reichsadler, der Firmenname „Schultheiss’sche Emaillierwerke St. Georgen, Schwarzwald und die Abkürzung „D.R.G.M“ – Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster, das von 1891 bis 1945 eine Art Patentsiegel war. Hans Georg Heinmöller aus Obergrenzebach hat das Schild auf einem seiner Äcker nahe dem Forsthaus Kornberg gefunden. Über Recherchen im Internet fand der Landwirt heraus, dass das historische Emaille-Schild mit der ursprünglichen Aufschrift „Öffentlicher Wetterdienst“ einem Schwarzwälder Emaillierwerk hergestellt wurde und vermutlich auf eine Messstation im deutschen Kaiserreich hinwies.

Davon geht auch der Meteorologe und Physiker Dr. Hans Volkert aus. Er ist Vorsitzender des Fachausschusses „Geschichte der Meteorologie“ der Deutschen Gesellschaft für Meteorologie. Ihm schließt sich Wissenschaftshistorikerin und Meteorologin Prof. Cornelia Lüdecke an. „Ich halte es für gut möglich, dass das Schild eine amtliche Messstelle, etwa Niederschlagsmesser, bei einem Forstamt kennzeichnete. Die qualitativ hochwertige und witterungsbeständige Herstellung des Schildes und der recht allgemeine Wortlaut deutet auf eine größere Stückzahl und Verbreitung derartiger Schilder hin“, unterstreicht sie ein Zitat ihres Kollegen Volkert. Nach seiner Einschätzung ist das Emailleschild „halbamtlich“ mit preußischem (Reichs-)Adler. In Preußen hieß der Wetterdienst von 1847 bis 1934 offiziell „(Königliches) Preußisches Meteorologisches Institut“, erklärt er.

Messstation früher: Ein altes Emailleschild weist daraufhin, dass das ehemalige Forsthaus Kornberg bei Obergrenzebach eine Wetterstation gewesen sein könnte.

Da die Wetterdienste bis 1934 Ländersache gewesen seien, gelte es aus seiner Sicht zu klären, ob und zu welcher Periode der Fundort ein Teil Preußens war. Laut Dorfchronik ging Obergrenzebach 1866 mit Ende des preußisch-österreichischen Krieges und Gründung des Norddeutschen Bundes über Kurhessen in Preußen auf. Der Fund von Hans Georg Heinmöller hat durchaus einen gewissen Wert. Im Internet werden ähnliche Schilder mit gleicher Aufschrift für bis zu 700 Euro gehandelt. Eine Rechnung auf die Meteorologe Volkert gestoßen ist, belegt, dass Emailleschilder der Schwarzwälder Firma Schultheiß einen Stückpreis von circa zwei Reichsmark hatten. (Sylke Grede)

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